Kurzgeschichte: Der Stern von Rovaniemi

Vor einigen Tagen haben wir beim Kurzgeschichten-Wettbewerb von Stefanie Ross die Sieger gekürt und die beiden Gewinner-Geschichten wurden hier auch veröffentlicht. Nun habe ich erfahren, dass es eine Geschichte nicht geschafft hat – sie ist irgendwo in den Weiten des World-Wide-Web hängen geblieben. Warum sie mein E-Mail-Postfach nie erreicht hat, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Aber die Geschichte, die keine Chance hatte in die Wertung zu kommen, möchte ich hier an dieser Stelle, als dritte Geschichte, veröffentlichen. Geschrieben wurde sie von Silvia Enz.

Der Stern von Rovaniemi

Dirk wartet in der Ankunftshalle, bis der verspätet Flug aus den USA landete. Sein Blick verharrte kurz auf die Anzeige, keine Veränderung in den letzten zwei Minuten. Also setzte er sich hin. Nicht mehr lange bis er sein Freund, der aus den Weihnachtferien mit Familie heim kam, erklären musste, was er mit Sven plus Familien, in ihren Urlaub angestellt haben und wieso er Weihnachten in der Klinik verbrachte! Mark hatte es Dirk schon angedroht: Wenn sie am 5. Januar wiederkommen, möchte er über alles informiert werden. Dieser Moment rückte nun immer näher.

Wenige Minuten später befand er sich dann auch schon in einer innigen Umarmung mit Laura. „Wie geht´s dir Dirk? Du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt.“
„War nicht meine Absicht, ich hoffe aber ihr hattet trotzdem einen schönen Urlaub?“
„Bis ich von eure Aktion erfahren habe, auf alle Fälle. Das war völliger Wahnsinn Dirk. Aber ich bin heil froh dass du überlebt hast“ sagte Mark und legte einen Arm auf die Schulter seines Freundes „Was machen dein Kopf und der Arm?“
„Wird von Tag zu Tag besser.“
„Schön zu hören, wo ist eigentlich Sven?“
„Er wartet im Auto auf uns und bei ihn sind sicher auch schon eure Kinder“ lächelte Dirk Mark an.

Am Abend saßen Dirk Sven und Mark dann auch gemütlich zusammen.
„Also raus mit der Sprache, wie konnte euer Urlaub so aus dem Ruder laufen? Was war im Schnee passiert?“ Dirk nahm noch schnell ein Schluck, bevor er sein Freund ansah „Also gut, am 21 Dezember, der Tag der Abreise herrschte wie immer der pure Stress. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis wir im Auto auf den Weg zum Flughafen saßen, unser Urlaubsziel war das Finnische Lappland. Während dieses Urlaubs buchten wir für die Kinder ein spezielles Weihnachtsprogramm. Das begann schon am Flughafen. Dort wurden wir von einem Wichtel empfangen, die Kinder bekamen sofort schon ein kleines Geschenk überreicht, für uns ein Glas Glögi, die Finnische Vision eines Glühweins.“
„Echt jetzt? Vom Weihnachtswichtel?“
„Ja Mark, die Kinder waren total begeistert. Vor allen auch von den kostenlosen Wlan-Empfang in ganzen Hotel“ schmunzelte Sven

21. Dezember

Angekommen im Hotel stürmten die Kinder von Britta und Alex gleich in ihre Zimmer hoch, als Sven zwei Männer, die in Gegensatz zu den anderen in Foyer keine dicken Winter Jacken, Mützen und Handschuh trugen, sondern in normalen Alltagskleidung da standen, entdeckte. Beide Männer beobachten den Trubel hier. Schnell stupste er Dirk an, dieser folgte seinen Blick „Sag das es nicht wahr ist. Wir machen hier doch Urlaub. Moment mal: der kurzhaarige, irgendwie kommt der mir bekannt vor.“
„Welchen meinst du Dirk, der ältere mit den braunen Haaren?“
„Ja genau, der Linke, warte mal“ sagte Dirk und ging nach vorne Ecke um unauffällig ein Bild zu machen von diesen beiden unbekannten, speziell von den Braunhaarigen, indem er so tat als würde er im allgemeinen Bilder vom Foyer machen. Schnell zog er den Blick von den zweien auf sich, die Dirk mit drohenden Blicke durchbohrten. Sven stürzte zu Dirk „Sag mal spinnst du!“
„Wie Atemberaubend das hier alles aussieht, das muss ich doch festhalten.“
„Ich wiederhole mich gern: du spinnst“ meinte Sven und zog seinen Kollege mit sich.

Oben in den Familienzimmern saßen Jan und Tim auf dem Sofa und zockten mit den Handys, während Britta und Alex sich erneut ein Glas Glögi aus der Zimmerbar gönnten. Sven zog Dirk gleich weiter zu den Betten und schloss unter den misstrauischen Blicken der Frauen die Schiebetür, welche die beiden Bereiche abtrennte. „Nun in ernst. Was sollte die Aktion eben? Ich hatte Angst, die beiden jagen dir gleich Kugeln durch dein Körper“
„Sagte ich doch, die Einrichtung von Foyer festhalten und vielleicht ganz ausversehen auch die Männer drauf kriegen, damit wir diese durch Datenbank jagen können.“
„ Gute Idee, aber ich bleib dabei, die Aktion war lebensmüde. Zeig mal her“ meinte Sven, nahm sich ganz selbstverständlich das Handy von Dirk und sah sich die Bilder durch bis er plötzlich meinte „Verdammter Mist, jetzt weiß ich woher er dir bekannt vorkommt. Von der Internationalen Fahndungsliste des FBI“
„Dann schick ich das Bild besser an Jay, so bekommen wir sicher dann die meisten Informationen“ sagte Dirk und nahm sich sein Handy wieder um gleich zu erledigen. „So und nun lass uns in die Thermokleidung springen, die Jungs von denn Handy sowie unsere Frauen von Glögi loseisen und Schlittenfahren gehen“

22. Dezember

Am nächsten Tag, ging es sofort nach dem Frühstück auf eine Huskyfarm, deren Besitzer waren pädagogisch geschult und erklärten Tim und Jan viel über Huskys, deren Pflege und Haltung. Die beiden durften die Hunde sogar füttern. Total glänzte Augen bekamen die beiden bei dem Anblick der Welpen. Dort waren sie fast nicht mehr für die nun anstehen 25 km lange Huskytour weg zu bekommen. Es ging drei Stunden durch die einzigartige Natur Lapplands, durch See- und Hügellandschaft sowie Wälder Nordfinnlands. Dann gab es in der Wildnis ein Lunch am Lagerfeuer mit heißen Getränke, auch die Huskys konnten sich da für den Heimweg stärken. Auf diesem führten Dirk und Sven auch mal die Schlitten allein

Als sie gegen Abend zurück ins Hotel kamen, klingelte Dirks Handy. Er blieb hinter den anderen zurück und gab Sven ein Zeichen, dass er die Kinder und Frauen ruhig mit ins Zimmer begleiten soll. Der Anrufer war Jay „Was habt ihr mit Mr. Kameleontti, also Mr. Chamäleon zu tun?“
„Hallo Jay schön dich zu hören. Mit wenn sollen wir zu tun haben?“
„Das Foto, das du mir geschickt hast, das zeigt einen von uns gesuchten Terroristen, der seine Finger auch in Menschenhandel und Drogenschmuggel drin hat. Der nur unter sein Decknamen Mr. Kameleontti bekannt ist, was so viel wie Chamäleon heißt. Neben ihn ist seine rechte Hand Onni zu sehen.“ Geschockt von dem, was er hörte meinte Dirk, ohne das er bemerkte das Onni ihn von weiten beobachtet und vereinzelt wohl auch mit hörte „Die beiden sind hier im Hotel und scheinen was zu planen. Sind denn FBI Kollegen von dir auf den weg? Mir kam nur dieser braunhaarige bekannt vor. Sven fiel er dann auf eurer Fandungsliste auf. Daher die Mail an dich Jay.“
„Das war genau richtig von euch. Legt euch nicht mit ihnen an. Kollegen aus Kopenhagen sind auf den Weg zu Euch. “
„Dass ist sehr gut. Danke.“
„Ich warne euch Dirk, nehmt es nicht alleine mit ihnen auf.“
„Keine Sorge Jay, das habe ich nicht vor. Wir machen doch hier in Finnland Weihnachtsurlaub“ meinte Dirk noch lächelnd und trennte dann die Verbindung.
Schnell wich Onni zurück und verschwand in sein Zimmer, zurück zu seinen Chef „ Wir haben ein Problem. Dieser Typ von gestern, der wie ein verrückter Bilder machte, scheint von FBI zu sein.“
„Was ! Wirklich“ sagte Kameleontti etwas lauter und sprang dabei von Stuhl auf.
„Ja. Er hat gerade telefoniert und fragte, ob Kollegen von FBI schon unterwegs wären“
„Verdammt. Dann müssen wir ihn ausschalten, bevor die Verstärkung da ist und uns hier alles vermasselt.“

23. Dezember

Britta, Alex, Sven und Dirk saßen am Holzofen im Aufenthaltsraum des Hotels. Tim und Jan sind direkt nach dem Frühstück, zusammen mit andere Kinder aus dem Hotel, von Wichteln abgeholt worden, um mit ihnen die Wichtelwerkstatt des Weihnachtsmannes zu besuchen, welche sich tief in den finnischen Wäldern befindet. Dort sollten sie alles über die finnischen Weihnachtsbräuche und noch mehr erfahren. Am Abend hatte Dirk Sven noch über das Telefonat mit Jay informiert. Inzwischen wussten sie auch das die FBI Agenten aus Kopenhagen heute Abend eintreffen würden und sie sich beim Abendessen mit dem Weihnachtsmann im Weihnachtsdorf, treffen. „Kommt schon, lässt die Katze aus den Sack. Was geht seit unsere Ankunft hier ab?“ sagte Alex und sah dabei die Männer mit einen strengen Blick an. Instinktiv wich Dirk wenige Schritte zurück, weil er davor aufgestanden war, um ihnen neue Getränke zu besorgen. „Ähm Urlaub machen?“ schlug er vor. Alex Blick wurde stechender
„Mit diesem Blick könntest du Mark Konkurrenz machen. Aber wirklich, hier ist nichts los.“
„Ihr verheimlicht uns mal wieder etwas, das ist sicher. Komm Alex, wir gehen Motorschlittenfahren und zwar alleine.“ sagte Britta und betonte dabei das letzte Wort überdeutlich. Sich umarmend verließen die Frauen dann auch den Aufenthaltsraum. „Was war das denn eben?“ fragte Sven, noch immer in die Richtung schauend, in diese die Frauen verschwunden waren. „Wir scheinen unsere Frauen mal wieder durch irgendwas verärgert zu haben.“

Auch am Abend, als es los zum Weihnachtsdorf ging, sprachen die Frauen nur das nötigste mit Sven und Dirk und mieden sie weiter. Die Kinder wurden von der Wichtelwerkstatt aus zum Dorf gefahren und hatten da schon einige Aktion wie Füttern der Renntiere, backen von Lebkuchen erlebt. Jetzt um 18 Uhr trafen die Eltern ein, sie machten mit den Wichteln einen Lichterumzug durch das Weihnachtsdorf und anschließend gab es das große Abendessen. Am Parkplatz vor dem Dorf entdeckte Dirk plötzlich Onni im Hintergrund und versuchte, ihn unauffällig zu beobachten. „Sven, gehst du mit unseren Frauen rein zu den Kindern und schickst mir die FBI Agenten, wenn du sie sieht?“ Ohne nach dem Grund zu fragen nickte Sven zustimmend und folgte seinem Blick zu Onni „Shit“ kam nur aus ihn heraus und damit beschrieb er die Situation perfekt.

Dirk lief auf und ab, umso zu wirken, als würde er noch auf was warten, während Sven schnell Britta und Alex rein folgte. Kaum waren sie durch das Tor gegangen, da kamen Tim und Jan schon Freudestrahlend auf sie zu gerannt. Tim sah sich verwirrt um „Wo ist Dad?“ Sven kniete sich vor ihn runter in den Schnee „Er sucht sich noch ein Parkplatz.“ erklärte er unter den skeptische Blicke der Frauen „Hoffentlich findet er schnell einen, denn gleich essen wir mit dem Weihnachtsmann zu Abend“ sagte Tim überglücklich und sprang dann mit Jan zwischen den mit Lichter geschmückten Tannenbäumen umher wie die anderen Kinder. „Wo ist Dirk wirklich?“ fragte Alex Sven vorwurfvoll. „Er wartet auf die FBI Agenten, die uns hier treffen wollen. Von Jay bekam sie unsere Beschreibung und wissen wie wir aussehen.“ „Also ist hier wirklich was in Gange, was ihr uns verschweigt. Wusste ich es doch.“ Dirk suchte derweilen weiter beim auf und ab gehen des Parkplatzes seine Umgebung ab und beobachtete aus den Augenwinkel Onni. So entging es ihm nicht, dass dieser ihn auch anschaute und mit seinem Handy telefonierte. Kaum hatte Onni aufgelegt, hob dieser seine Hände, machte ein Zeichen. Sofort stürmten drei Männer aus einem toten Winkel auf ihn zu. Dirk ging sofort Kampfstellung, schlug den ersten Mann nieder. Die anderen beiden schauten sich kurz überrascht an, griffen dann aber wieder an. Dirk schaffte es, den zweiten ebenfalls in die Knie zu zwingen, steckte aber von dem dritten Mann Schläge ein. Zwischenzeitlich, von ihm völlig unbemerkt, schlich Onni sich von hinten an und schlug zu. Dirk merkte nur noch wie seine Knie nach gaben und alles um ihn Schwarz wurde.

Als die beiden FBI Agenten ankamen, fiel ihnen sofort Spuren von einem Motorschlitten auf, was weiter nicht ungewöhnlich ist aber auf den Parkplatz neben dieser Motoschlittenspur sah man auch roten Schnee, welcher sich eindeutig von Blut rot gefärbt hatte. Ohne zu zögern griff einer der Agenten zu seinem Handy. „Agent DeGrasse! Ich glaub wir haben ein Problem.“
„Was für ein Problem Agent?“
„Wir kamen gerade verspätet am Parkplatz von Weihnachtsmanndorf in Rovaniemi an, uns kommt hier eine Motorschlittenspur in Kombination von größeren Blutflecken verdächtig vor.“
„Wartet. Ich versuche Dirk und Sven hinzuzuschalten“ sagte Jay und hatte plötzlich das dunkle Gefühl, das Dirk in Gefahr ist. Als er nun auch nicht an sein Handy ging, wurde dieses Gefühl nur noch stärker. Sofort wählte er Sven seine Nummer „Sven, bitte sag mir das Dirk bei dir ist.“
„Hi Jay, was ist los? Nein, Dirk wartet auf den Parkplatz vor dem Weihnachtsmanndorf.“
„Verdammt, ihr habt es gehört. Versucht Spuren zu sichern, ich möchte wissen was da passiert ist.“
„Wird gemacht Agent DeGrasse“ sagte der Agent und legte auf. Auch Jay legte auf und sah in die Augen seines Bruders Luc „Was ist mit Dirk?“
„Gegenfrage Luc, was hast du alles mitgehört?“
„Genug um zu wissen, dass Dirk in Gefahr schwebt“
Sven hielt sein Handy noch ganz fest in der Hand. Wie konnte er nur sein Freund und Partner allein mit diesen Onni lassen? Wenn er tot ist, wäre es seine Schuld. Er sah zu Britta, Alex und die Kinder. Deren Augen funkelte vor Freude, als sie an den großen Tisch mit den vielen finnischen Leckereien Platz nahmen. In der Mitte des Tisches würde später der Weihnachtsmann ebenfalls Platz nehmen. An diesen Tisch sollte auch Dirk sitzen. Mit großen Schritten kehre Sven nun um und rannte zurück zum Parkplatz.

Sein Kopf dröhnte heftig, er fühlte, dass seine Hände gefesselt waren und die Fesseln sich in die Haut seiner Handgelenke schnitten. Vorsichtig versuchte Dirk zu hören, ob er allein war und gleichzeitig probierte er dann auch seine Augen zu öffnen. Sofort überkam ihn aber ein Schwindel, was ihn zusammen mit den Schmerzen verriet, das er offensichtlich ein heftiger Schlag auf den Kopf abbekommen haben musste. Doch er hatte keine Zeit, sich zu erholen. Er lag auf eine weiche Matratze, ganz langsam versuchte Dirk sich auf zu setzten um raus zu bekommen, wo er sich befand. Doch der Schwindel und die Schmerzen wurden stärker. Da öffnet sich auch schon die Tür und Kameleontti stand vor ihn auf Englisch fragte er „Wer sind sie? Und was hat das FBI hier zu suchen?“ überrascht sah Dirk ihn an „FBI? Wer? Ich?“
„Klar sie.“ schrie Kameleontti wütend und fasste Dirk fest an seine Jacke „ Ich lasse nicht zu, das das FBI unsere Pläne durchkreuzt, sprechen sie also.“ Dirk schloss seine Augen. Zu sehr machte sein Kopf ihm im Moment zu schaffen „ Sie werden schon noch sprechen, wenn nicht von alleine, so haben wir Mittel und Wege sie zu zwingen.“ Kameleontti ließ ihn los, wandte sich zu Onni zu und sprach auf Finnisch weiter „Ruf unsere Kunden aus Dänemark an, er wird seine Freude an ihm haben.“ Auch wenn Dirk kein Wort verstand, wusste er nur zu gut, was ein internationaler Terrorist und Menschenhändler unter Mittel und Wege verstand. Was er ebenfalls wusste war, das er es nicht drauf anlegen wollte zu erfahren was Kameleonitti zu Onni gesagt hatte und schnellst möglich hier raus musste. Allerdings hatte sein Kopf gerade andere Pläne und zwang ihn zur Ruhe. Ohne dass Dirk es wollte, schlief er ein.

24. Dezember

Sven bekam kein Auge zu. Nach einer erfolglosen Suche und dem ebenso erfolglosen Versuch, die Spur der Motorschlitten zu verfolgen, schickten die beiden FBI-Agenten ihn, als ein starker Schneesturm aufzog, zurück ins Hotel. Er war heilfroh, dass die Kinder in Bett lagen und schliefen, so musste er nur Alex und Britta Antworten geben und gestehen, dass Dirk, wegen seiner Schuld in Gefahr schwebte. Viel lieber würde Sven sich einer Darmspieglung unterziehen lassen als das den beiden Frauen zu gestehen. Der Schneesturm peitschte. Wo war Dirk nur? Lebte er noch? Und was wollten diese Verbrecher nur von ihm? So viele Fragen und zu wenige Antworten darauf. Inzwischen war es früh am Morgen, der Heiligabend und auf ein Weihnachtswunder konnte er jetzt nur noch hoffen.

Dirk öffnete langsam seine Augen. Wie viel Zeit war vergangen? Das Zimmer lag in Finsternis gehüllt, der Schmerz und der Schwindel hielten sich in Moment zum Glück in Grenzen. Ganz langsam setzte er sich auf, auf den Beinen war er noch wacklig, seine Hände waren vor seinem Körper gefesselt, das machte es alles einfacher. Schritt für Schritt lief er vor, seine Augen gewöhnten sich schnell an die Dunkelheit, so dass er auch gut weiterlaufen konnte. An der Tür angekommen dachte Dirk zuerst, er spinne, denn die Tür ließ sich öffnen. Wie konnten solche Profis nur solche Anfängerfehler begehen? Langsam, Schritt um Schritt, ging er raus. Es war wohl eine kleine Hütte, in der er gefangen gehalten worden war, denn er sofort befand er sich draußen. Schnee peitschte ihn in Massen ins Gesicht, es herrschte ein totaler Schneesturm. Da er wegen der Dunkelheit eh nichts erkennen konnte und sowieso noch seine Thermosachen aus den Hotel anhatte, war es ihn egal. Mal abgesehen davon, dass er eh keine andere Wahl hatte und diese Chance, vielleicht seine einzige, auf Flucht nutzen müsste. Kostet es, was es wolle. Schritt für Schritt, im Schneckentempo, lief er durch den Tiefschnee, ohne Ahnung, ohne Sicht auf irgendwas. Viel besser als gedacht kam er voran, doch dann machte er einen falschen Schritt. Einen Schritt zu weit in Richtung Abgrund. Er rutschte sofort ab, fühlte das er gegen Äste fiel, diese mit sich riss. Dann an heftiger Aufprall. Er fühlte wie ihn eine Ohnmacht wieder einholte.

Sven war es nun zu viel. Er schnappte sich seine Thermokleider, verließ das Hotelzimmer in Richtung Fuhrpark des Hotels, nahm sich den ersten Motorschlitten und fuhr los. In diesen Schneesturm hinein, einfach nur weg, ohne ein Ziel zu haben. Trotz des Sturms, der durch die Nacht fegte sah man einen einzigen Stern am Himmel ,der hell leuchtete. Spontan kam Sven der Stern von Bethlehem in den Sinn. In diesen Fall musste dieser Stern „Stern von Rovaniemi“ heißen. Wenn Sven nämlich nicht alles täuschte, müsste dort die Stadt liegen, und weil dort Dirk entführt wurde, fuhr er einfach in diese Richtung weiter, immer dem Stern nach.

Irgendwann ließ der Sturm nach. Sven hatte jegliches Zeitgefühl verloren, er wusste nicht wie weit und wie lange er schon mit den Motorschlitten unterwegs war, als der Schein des Sterns ein Baum beleuchtete, an dem Äste wie von einem Sturz abgebrochen waren. Sven hielt an, schaute hinunter und erstarrte sofort. Da unten lag Dirk. Der von ihn scherzhaft getaufte Stern von Rovaniemi führte ihn tatsächlich zu Dirk. Geistesgegenwärtig nahm er sein Handy und wählte den Notruf und rief danach auch gleich die beiden FBI Agenten an.

Es verging gefühlt Jahre für Sven, bis Dirk gerettet und in nächste Klinik gebracht worden war. Er hatte auch Alex sofort informiert, als er endlich an die Klinik ankam. Britta blieb bei den Jungs in Hotel. Alex eilte den Flur entlang zu Sven „Alex beruhig dich. Er lebt und das ist am wichtigsten. Laut Sanitäter ist im Moment seine Unterkühlung am schlimmsten. Dazu hat er wohl einen Armbruch und eine starke Gehirnerschütterung.“ Alex ließ sich von Sven umarmen, es tat ihr gerade sehr gut. Sekunde um Sekunde, Minute um Minuten vergingen, bis Arzt kam um beiden mitteilte das Dirk noch immer ohne Bewusstsein wäre. Man könne erst sagen wie schwer seine Kopfverletzung wäre, wenn er aufwacht. Seine Werte aber sehen relativ gut aus.

Somit gingen bange Stunden des Wartens weiter. Alex setzte sich sofort zu ihrem Mann und Sven führte noch mehre Telefonate. Unter anderen erfuhr er das Kamelontti und Onni mit ihren Motorschlitten einen Motorschaden in mitten der Wildnis gehabt hatten und von FBI inzwischen gefasst worden sind. Irgendwie war das Schicksal auf ihre Seite, also würde auch Dirk sicher wieder aufwachen und völlig gesund werden. Daran hielt sich Sven fest, andere Gedanken würde er nicht zulassen.

Nach den Abendessen kamen auch Britta und die Jungs in die Klinik, Tim durfte auch gleich zu seinen Eltern und Jan erzählte sein Dad, was er gestern alles noch in Weihnachtsmanndorf verpasst hatte. Sven lenkte das alles ab und tat ihm richtig gut. Überall hörten sie inzwischen auch die Worte „Hyvää Joulua“ also Frohe Weihnachten. „Hyvää joulua“ klang es auch in Dirks Ohren, gesprochen von seinem Sohn. Vorsichtig öffnete er seine Augen und bekam ein schwaches „Hyvää joulua Tim.“ heraus.
„Dad, da bist du ja“ sagte Tim fröhlich und auch Alex Augen funkelten vor Freude. Allerdings wurden die beiden dann auch erstmal schnell mal raus geschickt von Dirks Arzt. Dirk schaute ihn schwach an und dieser lächelte „Wenn ich ihrem Arzt, Dr. Eddings, mit den ich schon mehrmals telefoniert habe, Glauben schenken kann wird ihre erste Frage sein ob sie heim bzw. ins Hotel gehen dürfen.“
„Genau. Entlassen sie mich an besten gleich.“
„Vergessen sie es. Noch haben sie Untertemperatur und ihre Gehirnerschütterung muss noch kontrolliert werden. Und außerdem haben sie jetzt auch den halben Tag geschlafen.“ Dirk sah den Arzt einfach nur an und dieser lächelt einfach nur weiter „Heute Nacht werden sie unsere Gast bleiben. Morgen reden wir weiter, je nachdem wie es ihnen dann geht.“

Heute

„Überraschenderweise war es in der Klinik noch ein sehr schöner Weihnachtsabend und ebenfalls der erste Feiertag. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatte ich mich dann ja auch auf eigener Verantwortung entlassen. Ich bin Daniel sehr dankbar, dass er auch extra nach Finnland geflogen ist. um mich am 27. Dezember heimzubegleiten. Aber eine Frage Mark: wie hast du so schnell von all dem erfahren und wieso rief Daniel so schnell als mein Arzt in der Klinik an?“
„Luc. Er stand hinter Jay, als er von deiner Entführung erfuhr und Luc hat dann alles versucht, um eine Rettungsaktion hinzubekommen. Und egal ob über die Navy oder der Firma, es führt kein Weg an mir vorbei. Zum Glück kam dann aber Svens Entwarnung, dass ein Stern ihn zu dir geführt hat. Und ich hatte dann halt auch schnell Kontakt zu Daniel aufgenommen, damit er medizinisch erfährt wie es dir geht.“
„Danke an euch alle Mark. Und Sven, ich hoffe du hörst endlich auf dir Vorwürfe zu machen. Du kannst nichts dafür.“
„Ich gebe mir Mühe Dirk.“
„Das finde ich auch Sven. Dich trifft bei alledem keine Schuld. Aber ihr hattet ein Riesenglück bei der Sache. Es ist wie ein Wunder, eure eigenes Weihnachtswunder.“

ENDE

 

 

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