Lesezeit mit Heike Stöhr

Zu meinem Geburtstag im August bekam ich von meinen Eltern eine Eintrittskarte zu einer Lesung mit mittelalterlichem 3-Gang-Menu in einem Hotel in unserer Nähe – im Hotel Andreas – geschenkt. Anfang Oktober war es endlich soweit und ich traf mich mit meiner Mama eine halbe Stunde vor Beginn vor dem Hotel.

Nachdem wir uns ein wenig im liebevoll gestalteten Foyer und Barbereich des Hotels umgeschaut hatten, nahmen wir im Restaurant Platz. Schon wenig später stand unser Begrüßungsgetränk, ein Glas Saxecco – die deutsche Antwort auf den italienischen Prosecco – vor uns. Die reservierten Tische im Restaurant waren liebevoll gedeckt, neben der allgemeinen Speisekarte lag noch einen Extra-Menükarte für diesen Abend bereits.
Beim Lesen der Menükarte stellte sich mir gleich zuerst die Frage: was daran ist mittelalterlich? Kannten die Menschen im Mittelalter bereits Rote Grütze mit Vanillesauce? Ich glaube eher nicht. Und Ofenkartoffeln? Hmm.

Nichtsdestotrotz kann ich aber sagen, dass alle 3 Gänge des Menüs sehr lecker waren, auch wenn ich natürlich etwas Anderes erwartet habe.

 

Pünktlich 20 Uhr begann die Lesung von Heike Stöhr. Sie stellte uns mit „Die Handschrift des Teufels“ den zweiten Teil ihrer Pirna-Trilogie vor.

Und darum geht es:
Pirna 1544: Seit ihrer Kindheit ist Sophia, die junge Ehefrau des erfinderischen Magisters Fuchs, von dem Wunsch beseelt, ein altes, verschlüsseltes Manuskript zu enträtseln. Dabei wird sie von Stadtschreiber Wolf Schumann belauert, der die Macht des Buches für seine eigenen Zwecke nutzen will. Aber auch Christoph von Carlowitz, mächtiger Ratgeber des sächsischen Herzogs, ist darauf versessen, die Übersetzung in die Finger zu bekommen. Nachdem Sophia erfahren hat, dass im ehemaligen Dominikanerkloster ein Codebuch versteckt wurde, setzt sie alles daran, es zu finden. Doch dann taucht ein Schatten aus Fuchs´ Vergangenheit in Pirna auf, und Sophia gerät in Gefahr, als ihre Freundin Maria unter Mordanklage gestellt wird.
Währenddessen ringt ein junger Mann in einer Flößersiedlung im Elbsandsteingebirge und später in der Werkstatt der Cranachs in Wittenberg um die Erinnerung an sein früheres Leben.

Das Thema an sich fand ich sehr interessant. Die Handlungsorte – Pirna und das Kirnitschtal – waren natürlich besonders reizvoll da es fast ein Heimspiel war und auch die Protagonisten waren sehr gut gezeichnet.

Das ich trotzdem ohne ein Buch für mich aus der Lesung letztendlich rausgegangen bin, lag am Lesungsstil der Autorin. Denn auch wenn sie mich mit der Geschichte neugierig gemacht hatte, ihre monotone Art es vorzulesen hat mir die Lust daran genommen, selbst weiterzulesen.

Vielleicht war sie nervös? Vielleicht nicht genug vorbereitet? Mich hat auch gestört, dass sie selbst das, was sie über das Buch erzählt hat, ablesen musste. Und dann geschah das noch im gleichen Tonfall wie die Lesung an sich, so dass es mir teilweise schwer fiel zu unterscheiden, was nun erzählt und was gelesen ist.

Dennoch war es ein sehr schöner Abend und da es eine Fortsetzung der sogenannten „Lesezeit“ im Hotel geben wird – mit anderen Dresdner Autoren – werde ich bestimmt öfter dort zu Gast sein.

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