Messeinterview … mit Rita Falk

Am Messefreitag, in Halle 3 der Leipziger Buchmesse, standen zwei aufgeregte junge Frauen. Eine davon war vor ihrem Interview mit einer sehr bekannten Autorin sichtlich nervös, die andere hielt eine Kuchenform mit einem leckeren Zartbitter-Kuchen in den Händen.

 Die beiden Frauen, das waren Elisa (mit der Kuchenform), die nervöse ich und wir wollten gemeinsam Rita Falk interviewen. Den Kuchen als Eisbrecher brauchten wir eigentlich gar nicht, denn Rita Falk entpuppte sich als sehr liebenswerte und warmherzige Autorin. Die Pressebetreuerin organisierte uns einen Tisch, Kaffee und Teller und dann ging es auch schon los. Ich war immer noch aufgeregt und blieb es auch während des gesamten Interviews. Sich zu konzentrieren war auf Grund des Trubels um mich, um uns herum sehr schwer.

 Das Gespräch wurde mit der Diktierfunktion des Handys aufgezeichnet und in den letzten Tagen liebevoll von mir abgetippt. Ich hoffe, ihr verzeiht mir, wenn es nicht ganz „rund“ ist – dafür ist es authentisch.

Katja: Zur Einstimmung auf unser Interview habe ich mir den Film „Winterkartoffelknödel“, basierend auf Ihrem gleichnamigen Buch, angeschaut. Was ist das für ein Gefühl, wenn das eigene Buch verfilmt wird?

Rita: Es ist für mich ein wahnsinnig gutes Gefühl, denn ich finde, es ist sehr gut umgesetzt worden. Die Schauspieler sind brillant, die Regie ist großartig – also ich bin rundherum zufrieden. Von vielen Kollegen, deren Bücher verfilmt wurden, weiß ich, dass das nicht selbstverständlich ist. Nicht alle sind zufrieden mit ihren Verfilmungen.

Katja: Haben Sie als Autorin ein Mitspracherecht bei der Umsetzung? Ist man vor Ort dabei und darf man auch bei den Schauspielern ein „Wörtchen“ mitreden?

Rita: Also ich darf das schon, weil ich von Anfang an gesagt habe, dass ich das möchte. Ich geh auch über das Drehbuch drüber, arbeite daran mit und schau, was mir daran gefällt und was nicht. Und wenn es mein Zeitplan zulässt, bin ich auch bei den Dreharbeiten mit dabei.

Elisa: Also was mich begeistert hat – ich habe auch zuerst den Film gesehen ehe ich das Buch gelesen habe – war der Dialekt. Das ist 1:1 wie im Buch umgesetzt und dachte immer „Mensch, das ist ja genau wie im Buch.“

Rita: Ich glaube, das ist aber auch extrem wichtig. Denn ich glaube, dass die Eberhofer-Reihe auch von dem Dialekt lebt, dass es halt bayerisch ist.

Katja: Wenn ich mir die Figuren so anschaue, sind sie doch recht skurril aber dennoch äußerst liebenswert. Teilweise so verschroben, dass man denkt: Das gibt es ja gar nicht. Da liegt natürlich die Frage nah, ob es reale Vorbilder für den einen oder anderen Charakter im Buch gibt.

Rita: Ich bin ein Mensch, der viel beobachtet. Egal wo ich bin, ob im Biergarten oder beim Essen oder so – ich habe immer Augen und Ohren offen. Auch meine Familie, mein Freundeskreis: es kommt schon der ein oder andere Charakter vor – wenn auch nicht genauso.

Katja: Man denkt ja immer, so kann ein Mensch doch gar nicht sein, das gibt es doch gar nicht. Also ich denke, gerade wie der Eberhofer, der doch etwas platschig oder tollpatschig ist.

Rita: Es ist schon ein bisschen überspitzt dargestellt, klar, aber ich denke, dass es solche Menschen tatsächlich gibt.

Elisa: Vor allem in den Dörfern, wo man eigentlich gar keinen mehr vermutet.

Katja: Sie haben aus der Eberhofer-Reihe bereits 9 Bände veröffentlicht. Geht die Serie weiter? Haben Sie noch weitere Ideen für den Franzl?

Rita: Ja klar. Also Ideen habe ich noch genug und es gibt definitiv noch einen 10. Band. Der ist auch mittlerweile schon in Arbeit. Ja, und dann schauen wir weiter.

Katja: Wenn man so erfolgreich an einer Serie schreibt, wie das bei Ihnen und dem Franz Eberhofer ja der Fall ist, ist dann ein Wechsel schwierig? Wird man vom Leser darauf quasi „festgenagelt“?

Rita: Nein. Ich habe zwischen den Eberhofer-Bänden die beiden Romane „Hannes“ und  „Funkenflieger“ geschrieben. Ich freu mich immer, wenn ich in Niederkaltenkirchen bin, aber ich freu mich auch wenn ich da mal wieder raus komme. Einmal was ganz anderes machen kann, einen neuen Kosmos erfinden kann. Ich mag die Abwechslung eigentlich ganz gerne.

Katja: Braucht man die Abwechslung auch, um sich nicht irgendwo festzubeißen?

Rita: Ich glaube nein. Ich habe, bevor ich die „Weißwurstconnection“ geschrieben habe, einen Plot gehabt für einen anderen Roman. Ich habe mir dafür auch schon Notizen und Gedanken gemacht. Und dann, dann war plötzlich eine Idee für einen neuen Eberhofer da und da dachte ich „Das musst du jetzt aber zuerst schreiben.“ Und so ging es mir beim Kaiserschmarrndrama auch wieder, dass urplötzlich eine Idee da war und so ist der neue Roman ein wenig nach hinten gerückt. Aber der wird auf alle Fälle noch geschrieben.

Katja: Die Oma vom Franz kocht ja ständig – Essen ist die beste Medizin. Woher hat die Oma ihre Kochleidenschaft? Und woher stammen all die leckeren Rezepte?

Rita: Das war bei meiner eigenen Oma sehr ähnlich. Am Frühstückstisch ist schon besprochen worden, was kochen wir mittags und was gibt es zum Abendessen. Was soll ich für einen Kuchen machen. Das war bei uns immer ein Thema. Ich glaube, dass es diese Generation ist, die vielleicht vom Krieg ein Stück mitbekommen haben, wo es wenig gab. Ich weiß das von meiner Oma, die sind damals zum „hamstern“ gegangen. Denn es war ja nix da, keine Kartoffeln, gar nichts. In der Zeit, wo dann alles erhältlich war, da hat sie dann vieles nachgeholt. Weil sie einfach viel Hunger gehabt hat in der Zeit davor.

Elisa: Warum ist in die gesamte Eberhofer-Reihe eigentlich so viel mit Essen hinein gekommen? Es ist ja eigentlich ein Krimi, aber es geht auch sehr viel ums Essen. Welche Bedeutung hat das?

Rita: Ich habe mir beim ersten Teil gar keine großen Gedanken gemacht, da habe ich einfach drauflos geschrieben. Dann war das einfach drin. Und, mein Gott, ich wollte halt einen Kommissar haben, der nicht so ein Eigenbrötler ist, nicht nur allein in einem Apartment wohnt. Er sollte ein soziales Umfeld haben. Aber ich wollte auch nicht, dass er eine Familie hat, also verheiratet ist und Kinder hat. Aber so, mit Papa und Oma – da war die Oma im Spiel und die habe ich an meine Oma angelehnt.

Elisa: Wie kam es eigentlich dazu, dass jeder Buchtitel etwas mit Essen zu tun hat?

Rita: Es war einfach so, dass ich bei meinem ersten Buch nach einem Arbeitstitel gesucht habe. Den braucht man ja, um ihn anzubieten. Und da bin ich auf das Wort „Winterkartoffelknödel“ gestoßen. Mit dem Titel hab ich es angeboten und der Verlag war sofort begeistert. Und dann haben wir beschlossen, wir bleiben in dieser Schiene.

Katja: Für mich ist Kochen die beste Medizin an sich – meine Geheimwaffe bei großem Stress. Wie können Sie sich am besten entspannen?

Rita: Da gibt es vielen Dinge. Kochen gehört definitiv auch dazu. Aber ich geh auch mit dem Hund raus oder ich geh in den Garten und zupf Unkraut. Oder ich leg mich nur in die Hängematte und lese ein Buch.

Katja: Was lesen Sie gerne?

Rita: Definitiv keine Krimis. Ich halte diese Spannung über einen so langen Zeitraum nicht mehr aus. Ich kann ganz gut im Fernsehen einen Krimi anschauen, denn da weiß ich, der ist in 90 Minuten vorbei. Aber so über 2 oder 3 Tage diese Spannung, ich schlaf dann auch noch schlecht.

Ansonsten lese ich querbeet, sehr gerne auch Sachbücher wo es um Tote geht. Schon aus Recherchegründen. Oder wahre Kriminalfälle, die sind dann eben sehr sachlich geschrieben und die Spannung ist raus.

Katja: Ich stelle mir vor, dass das Schreiben von Büchern auch eine sehr disziplinierte Angelegenheit ist. Welche kreativen Eigenschaften braucht ein Autor unbedingt?

Rita: Phantasie vor allen Dingen. Ich glaube, man muss sehr phantasievoll sein. Es war schon als Kind so, dass ich am Fenster saß, hinausgeschaut habe und meine Phantasie habe schweifen lassen. Ich war in ganz anderen Ländern, mit ganz anderen Menschen um mich herum. Ich konnte prima mit mir selber spielen. Ich hatte Phantasiegeschöpfe um mich herum, mit denen ich dann gesprochen habe. Ich glaube, Phantasie ist sehr wichtig beim Schreiben.

Rita Falk
© Astrid Eckert

Katja: Was machen Sie, wenn die Geschichte, an der Sie gerade arbeiten, stockt oder der rote Faden verloren geht?

Rita: Ich mach die Kiste aus, geh raus und mache einfach einen Tag Pause. Am nächsten Tag setze ich mich dann wieder hin, les die letzten 5 bis 10 Seiten und bin dann eigentlich wieder drin. So funktioniert das bei mir.

Katja: Wenn wir den Spieß umdrehen könnten und Sie ihre Leser etwas fragen könnten – was würde Sie am meisten interessieren? Welche Frage würden Sie stellen?

Rita: Was würde ich meine Leser fragen? Ich erfahre von meinen Lesern wahnsinnig viel. Ich bekomme sehr viele Zuschriften über die Eberhofer-Seite und auch ganz normale Post. Die kommen dann auch mit ihren Wünschen und Fragen wie „Kann der Eberhofer nicht endlich mal die Susi heiraten“ oder „Wie alt ist die Oma?“. Es kommen sehr viele Nachrichten. Daher weiß ich explizit nichts, was ich fragen würde.

Katja: Und zu guter Letzt eine Frage, die jeder Autor in meinen Interviews gestellt bekommt:

Auf meinem Blog geht es ja nicht nur um Bücher sondern auch um mein zweites Hobby, das Kochen und Backen. Haben Sie ein Lieblingsrezept, welches Sie mit mir und meinen Lesern teilen möchten?

Rita: Also da tue ich mich jetzt echt schwer, da ich so viele Lieblingsrezepte habe. Und da mich jetzt zu entscheiden … Keine Ahnung. Ja, der Schweinebraten natürlich. Ich liebe Lasagne, oder Chili con Carne oder chinesische Reispfanne oder Dampfnudeln. Also das wäre jetzt echt schwer. Ich hätte für jeden Tag ein anderes Lieblingsrezept J

Schweinsbraten

Zutaten für 4 Personen:

1 kg Schweineschulter mit Schwarte (oder mehr, wenn man als Resterl noch eine Bratensülze machen will), Salz, Pfeffer, 2 EL gemahlener Kümmel, 3 ungeschälte Knoblauchzehen, 2 Karotten
3 kleine Zwiebeln, 1 Stück alte Brotrinde, 1 Flasche dunkles Bier

Zubereitung:

Der Ofen wird auf 220°C vorgeheizt. Der Braten wird gut mit Salz, Pfeffer und Kümmel eingerieben.

Das Fleisch wird mit der Schwarte nach unten in einen Tiegel oder in eine Bratreine gelegt und zugedeckt mit ein wenig kochendem Wasser etwa 15 Minuten gedämpft (dann kann man die Schwarte besser einschneiden!). Danach wird der Braten herausgenommen und die Schwarte gitterförmig etwa 5 Millimeter tief eingeschnitten.

Die Karotten werden geschält und in grobe Stücke geschnitten und mit den Knoblauchzehen, den geschälten und geviertelten Zwiebeln und der Brotrinde zum Braten gegeben. Der Braten wird wieder ins Bratrohr geschoben, diesmal ohne Deckel und mit der Schwarte nach oben. Der Braten wird 1,5 bis 2 Stunden gebraten und fleißig mit dem ausgebratenen Saft und dem Bier begossen, bis er lichtbraun und
rösch ist.

Der fertige Braten wird aus dem Ofen geholt und warm gehalten. Der Sud wird durch ein Sieb gedrückt und ergibt so eine feine Soße. Dazu schmecken selbst gemachte Kartoffelknödel.

Ich habe die Zeit mit Rita Falk und Elisa am Stand des dtv-Verlages wirklich genossen. Viel zu schnell war die Zeit zu Ende. Rita Falk signierte mir noch den zweiten Band der Eberhofer-Reihe, den mein Mann mir noch schnell gekauft hatte und es entstanden ein paar gemeinsame Fotos, zu denen sie Elisa und mich einfach in die Arme nahm.

Vielen Dank liebe Rita für den zauberhaften Moment. Und vielen Dank liebe Elisa für deine Begleitung und den äußerst leckeren Eisbrecher 🙂

 

 

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