Nemesis: Verkaufte Unschuld von Stefanie Ross

Das Stefanie Ross in ihren Büchern Themen anpackt, die aktuell sind, ist nichts neues. Aus dem Grund, und weil ihre „Helden“ so menschlich sind, liebe ich ihre Bücher.

In ihrem aktuellen Roman „Nemesis“ packt die Autorin ein Thema an, das mehr als heiß, mehr als aktuell. Ein Thema, das mir immer wieder die Tränen in die Augen getrieben hat. Vor Wut, vor Abscheu. Oft habe ich dagesessen, die Hände zur Faust geballt und habe einen Blick auf meine kleine 5 Monate alte Tochter geworfen.

Der Missbrauch von Kindern, hier in dem Buch von kleinen Jungs, ist ein Thema das Abscheu hervorruft. Und immer wieder die Frage aufwirft, wie man einem Kind, einem kleinen unschuldigen und schutzbedürftigen Wesen so etwas antun kann.

Ein Satz aus dem Buch geht mir nicht aus dem Kopf – als ein „Käufer“ sagt »So ist es überhaupt nicht. Sie haben es gut bei mir. Viel besser als bei ihren Eltern. Die Kinder wollen das auch, dass ich ….» (S. 412)

Das Thema war ein Herzensthema der Autorin und das merkt man auf jeder Seite, jedem Absatz und in jeder Zeile des Buches. Ich kann sie vor mir sehen, wie sie auch beim Schreiben immer wieder innegehalten hat, gestockt hat, tief Luft holen musste. Und ich vermute, dass der ein oder andere Whisky, den die Protagonisten getrunken haben, auch von ihr gebraucht wurde.

Auch oder gerade weil die Geschichte einen so ernsten Hintergrund hat ziehe ich meinen Hut vor der Tatsache, wie Stefanie Ross das ganze „verpackt“. Es sind sehr viele ernste „Töne“, die diesmal zu Papier gebracht wurden. Aber es gibt sie dennoch: die sanften und seine Töne, den Humor und die Liebe – all das kommt trotzdem nicht zu kurz.

Es gelingt ihr, die Balance zu halten – nicht abzutriften und nicht einseitig zu werden. Alle Aspekte: der Kampf um die Wahrheit und die Aufklärung des Verbrechens; die Freundschaft und das Vertrauen der Protagonisten; das erblühen einer neuen Liebe und die Stärkung bestehender Partnerschaften sind mit Fingerspitzengefühl verwoben und machen das Lesen zu einem Vergnügen.

Die neu eingeführten Figuren fügen sich wunderbar ein, das Treffen der altbekannten Figuren ist wie ein nach Hause kommen. Man fühlt sich, auch wenn man gleich in die Geschichte geschmissen wird, sehr gut.

Bei diesem Buch hat der Leser sehr viel, worüber man nachdenken kann. Das Thema gibt dazu unendlich viele Anstöße. Wirklich aus der Welt schaffen, das Problem lösen, kann dieses Buch leider nicht.

Zu denken gegeben hat mir der Satz »Gesetze sind nur was für hirnlose Idioten ohne Geld« (S. 521). Der zeigt eigentlich nur das System – hast Du Geld und Macht, kannst Du Dir fast alles erlauben. Nur der kleine Mann, der wird bestraft.

Ich kann nur sagen: Danke liebe Steffi. Auch wenn mir das Lesen des Buches nicht leicht gefallen ist, ich immer wieder eine Pause einlegen und das gelesene verarbeiten musste – mir bedeutet dieses Buch sehr viel und ich bedanke mich dafür, dass das heiße Eisen angepackt und diese Geschichte geschrieben wurde.

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