Tagebuch eines Buchhändlers von Shaun Bythell

Als ich das Buch im Buchladen entdeckte, mit dem sehr ansprechenden Cover und dem interessanten Klappentext, wollte ich es gleich lesen.

Ich habe mich auf ein amüsantes, humorvolles und unterhaltsames Tagebucht gefreut, auf interessante Einblicke in das Leben und die Arbeit eines Buchhändlers. Auf interessante Kunden, Büchertipps und vieles mehr.

Was ich bekommen habe, lässt mich relativ ratlos und zwiegespalten zurück, zwei Herzen schlagen bei diesem Buch in meiner Brust.

Ich fange einmal bei den guten Seiten des Buches an: gefallen haben mir die Zitate aus dem Buch von Orwell, die jeweils den neuen Monat einläutenden. Gefallen haben mir auch die Einblicke in den stetigen Existenzkampf der Buchhändler, die gegen den großen Riesen Amazon bestehen müssen. Es zeigt, dass man scheinbar auch als kleiner Buchhändler gar nicht am großen A vorbei kommt.

Ebenfalls interessant die, wenn sie denn so stimmen, täglichen Einnahmen und die tägliche Anzahl von Kunden. Der Einblick in die Welt des Antiquariats; dem Ankauf der Bücher in Privathaushalten und die Auflösungen von Haushalten, war ebenfalls sehr interessant.

Und dann geht es schon mit den negativen Seiten des Buches los. Da ist zu aller erst Shaun Bythell, der Buchhändler selbst. Mit seiner zynischen und grundsätzlich negativen Art und Weise konnte er mich so überhaupt nicht begeistern. Dazu war seine Art zu schreiben teilweise „altbacken“, so dass ich erst dachte, ein Buchhändler kurz vor der Rente schreibt dieses Buch. Umso überraschter war ich, als ich das Bild von ihm im Buch entdeckte. Nun weiß ich nicht, ob dieses altbackene direkt von ihm kommt oder von der Übersetzerin. Wohlgefühlt habe ich mich damit nicht.

Dann ist da Nicky, die zweite Figur des Buches die mich genervt hat. Seine Angestellte kommt grundsätzlich immer zu spät, ignoriert ständig seine Arbeitsanweisungen, ist scheinbar ungepflegt und bringt als „Delikatessen“ Nahrung aus dem Müllcontainer mit. Ich weiß nicht ob sie wirklich so war oder ob seine ständigen negativen Kommentare über sie sie unsympathisch wirken liesen – mir ihr konnte ich nichts anfangen.

Vom Schreibstil her muss ich sagen, dass ich humorvolle und witzige Einträge nur in den seltensten Fällen gefunden habe. Die Einträge strotzen nur so vor Zynismus. Zynismus und Sarkasmus, wo es angebracht ist? Damit habe ich ein Problem. Nur habe ich mich beim Lesen immer wieder gefragt, warum er eigentlich diesen Weg gewählt hat. Alles nervt nur: der Laden, die Kunden die ihn betreten. Dazu noch die so „unmöglichen“ Kunden, die bei seinen Ankäufen am liebsten alles an Büchern verkauft haben wollen. Wie können sie nur. Diese „Beschwerden“ gingen mir sehr auf die Nerven und ich habe manche Passagen nur überflogen.

Einen roten Faden findet man bei Tagebüchern ja selten. Aber wenn eine „große Neuigkeit“ für das Wochenende angekündigt wird, dass dann aber vergeht und nie wieder die Rede davon ist, hab ich schon das Gefühl etwas verpasst zu haben.

Sein Frust auf die Kunden war zum Anfang lustig, nachvollziehbar, aber da scheinbar kein Kunde es „wert war“ positiv erwähnt zu werden, war ich bei Zeiten auch hier unglücklich. Grundsätzlich hatte man das Gefühl, das es nur einen „Guten“ gab, alle anderen sind

So war, auf Grund der ganzen Wiederholungen, dem ständigen Zynismus das Buch sehr langatmig und ich verstehe gut, warum manche Tagebücher einfach gekürzt werden. Wen interessiert es denn schon, zu welcher Uhrzeit er seine Freundin bei welcher Gelegenheit zum Bahnhof gebracht hat. Das kann man einmal erwähnen, aber wenn es ständig „wiedergekäut“ wird, wird es langweilig.

Einmal hatte der Autor einen lichten Moment. Nämlich da, als er feststellte, das er seine Mitmenschen nicht immer so schnell vorverurteilen sollte. Da war ich gerade nah dran, wegen der „alle doof nur ich nicht“-Mentalität das Buch zur Seite zu legen. So hielt ich durch in der Hoffnung, dass sich das Buch noch mal dreht und interessanter wird. War es aber leider nicht.

Ich stelle gerade fest, dass ich sehr häufig die Worte „genervt“ oder „nervig“ gebraucht habe. Auf Grund dessen kann und will ich diesem Buch nur 3 von 5 Sternen geben – mehr könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.

Daten:
Titel: Das Tagebuch eines Buchhändlers
Autor: Shaun Bythell
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: btb Verlag (August 2019)
ISBN: 978-3442718658

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