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Alles wird Asche von Nele Neuhaus

Mit diesem Band starten wir in den zwölften Fall des beliebten Ermittlerduos Oliver von Bodenstein und Pia Sander. Gemeinsam mit ihren Kollegen und dem Pathologen Henning Kirchhoff nehmen sie die Ermittlungen auf. Es ist eine Weile her, seit ich den letzten Band der Reihe gelesen habe – wenn mich nicht alles täuscht, lagen drei Jahre Pause zwischen dem Erscheinen von Band 11 und 12.

Oliver und sein Team hadern noch mit dem Tod einer Kollegin, während Pia frühzeitig aus ihrem Sabbatical in Namibia zurückkehrt. Als eine Leiche gefunden wird, sind wir sofort wieder mittendrin im Geschehen. Uns erwartet ein Fall voller Brisanz, persönlicher Dramen und einem perfiden, verdammt gut organisierten Mörder. Dieser lässt seine Taten wie Unfälle aussehen – erst wer ganz genau hinsieht, erkennt den Zusammenhang.

Über allem schwebt das Thema KI in Form eines hochbrisanten Chatbots, was die Geschichte extrem aktuell macht. Wie stark kann eine KI unser Leben beeinflussen? Wie weit sollte man sie überhaupt hineinlassen? Angesiedelt ist das Szenario im verschachtelten Unternehmen eines tödlich verunglückten Tech-Milliardärs sowie im Umkreis seiner Familie und Freunde. Getreu dem Motto:

„Die größte Schwachstelle aller Technologie ist und bleibt der Mensch.“

Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen manchmal den Überblick verloren habe, wer mit wem wie genau verbandelt ist. Nach außen hin zeigen sich alle loyal, doch im Inneren tun sich Abgründe auf. Dass die Autorin ihre Geschichten gerne mit vielen Charakteren füllt, weiß ich, da ich die Reihe von Anfang an verfolge. Deshalb finde ich das Personenverzeichnis und die Darstellung der Familienverhältnisse am Anfang des Buches sehr gelungen. Ein kleiner Haken: Als E-Book-Leser hat man davon nicht viel, beim Print-Buch blättert es sich einfach leichter zurück.

Die Geschichte wird nicht nur aus Sicht der Polizei, sondern auch aus der Perspektive anderer Figuren erzählt. Dadurch erfährt man zwar frühzeitig viel über die internen Familien- und Firmenstrukturen. Man weiß oft eher als Pia und Oliver, was vorfällt, und hat einen Informationsvorsprung. Doch genau hier liegt mein größter Kritikpunkt: Man liest vieles mindestens doppelt. Das sorgt zwar für Spannung, weil man besser miträtseln kann und sich fragt, wann die Ermittler endlich denselben Punkt erreichen. Durch die vielen Wiederholungen zieht sich das Buch jedoch stark in die Länge. Mit einer anderen Erzählweise und dem Verzicht auf die x-te Erklärung der KI-Fähigkeiten, des Mount-Everest-Unglücks oder der Familienzwistigkeiten wäre das Buch um etliche Seiten kürzer ausgefallen. An manchen Stellen tritt die Handlung schlicht auf der Stelle.

Wie gewohnt beginnt der Roman mit mehreren, scheinbar losen Handlungssträngen, die im Laufe der Story zu einem großen Ganzen zusammengeführt werden. Besonders gut gefallen hat mir der Erzählstrang um das Unglück am Mount Everest. Hier habe ich viel Wissenswertes über den wohl tödlichsten Berg der Welt gelernt, was die Geschichte sehr bereichert hat.

Einen großen Teil nimmt diesmal auch Pias Privatleben ein. Es kommt, wie es kommen muss und was den meisten Lesern wohl schon im Vorband klar war. Eigentlich liebe ich es, das Privatleben der Charaktere – besonders von Pia und Oliver – mitzuverfolgen. Doch auch hier gilt: Weniger ist mehr. Ein paar Wiederholungen weniger bei Pias Gedankenschleifen und etwas weniger Privates hätten dem Spannungsbogen gutgetan. Denn oft gilt in solchen Verwicklungen:

„Das Richtige zu wollen und das Richtige zu tun ist manchmal eben nicht dasselbe.“

Trotz der Kritikpunkte ist das neue Buch von Nele Neuhaus sehr spannend geschrieben und greift ein hochaktuelles Thema auf. Es vereint viele starke Aspekte: Gier, Rache und Loyalität über den Tod hinaus stehen familiären Bindungen, Trauer, Verlust und Trennung gegenüber. Aber auch der kollegiale Zusammenhalt und Freundschaft kommen nicht zu kurz.

„Alles wird Asche“ ist mit Sicherheit ein guter Krimi, aber nicht der beste aus der Feder von Nele Neuhaus. Dafür ist er mir stellenweise trotz aller Spannung zu aufgebläht und hat zu viele Längen.

Mein Fazit

Ein hochaktueller und gewohnt spannender Kriminalroman von Nele Neuhaus, der diesmal jedoch an zu vielen Längen und unnötigen Wiederholungen leidet. Die Einblicke in die Welt der KI und das Mount-Everest-Drama sind faszinierend, doch ein strafferer Erzählstil hätte der Geschichte gutgetan. Für Fans der Reihe trotzdem ein Muss, wenn auch nicht der stärkste Band des Ermittlerduos.

Bewertung: 3,5 von 5 Sternen

📚 Buch-Infos auf einen Blick

  • Titel: Alles wird Asche: Bodenstein & Sander ermitteln (Band 12)
  • Autorin: Nele Neuhaus
  • Genre: Kriminalroman / Thriller
  • Erscheinungstag: August 2026
  • Verlag: Ullstein Buchverlage
  • Seitenanzahl: 560 Seiten
  • ISBN: 978-3550202261

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