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Ein besonderes Event: Greifvogelshooting

Greifvögel und ich: das ist ein Thema, über das ich immer wieder stundenlang reden und seitenweise schreiben könnte. Seit ich vor einigen Jahren mit diesen wunderschönen, eleganten Tieren in Kontakt gekommen bin, versuche ich jedes Jahr, mir ein besonderes Event zu gönnen.

Oft sind es Falknertage bei unserem „Haus- und Hof-Falkner“ Henry Dydymski von der Falknerei Schloss Lauenstein, aber ich versuche natürlich auch, über den Tellerrand hinauszuschauen und andere Falknereien zu besuchen.

So auch in unserem Mai-Urlaub, den wir in Schleswig-Holstein verbracht haben. Hier wurde ich auf die Horus-Falknerei in Westensee aufmerksam. Eine Besichtigung der Falknerei oder ein Besuch einer Falknershow war aufgrund der Corona-Einschränkungen leider nicht möglich. Auf der Homepage der Horus Falknerei findet man aber ganz unterschiedliche Erlebnisangebote, die sehr vielseitig sind und allesamt etwas für sich haben. Nach langem Überlegen entschied ich mich dann für ein Fotoshooting mit einem Greifvogel meiner Wahl.

Bereits im Vorfeld konnte ich mich für einen Greifvogel entscheiden und die Auswahl war sehr groß. Zur Wahl standen Buntfalke, Gerfalke, Harris Hawk, Fleckenuhu, Aguja, Steppenadler und Sibirischer Uhu. Da ich die meisten Arten bereits auf dem Handschuh hatte, schwankte ich dann zwischen dem Steppenadler und dem Aguja – entschied mich dann für letzteren.

Nach langer Vorfreude war es dann soweit – ich wartete mit meiner Familie am vereinbarten Treffpunkt für das Shooting. Als die Falknerin Klaudia Brommund neben uns einparkte, hatte sie nicht nur den Aguja „Asul“ dabei, sondern auch einen ca. 8 Wochen alten Rotfußkauz. Die Begeisterung meiner Kinder war förmlich greifbar, als sie den kleinen Vogel rausholte und die beiden fragte, ob sie sich trauen würden, ihn auf die Faust zu nehmen.

Das taten sie natürlich sehr gerne – haben sie doch die Begeisterung ihrer Eltern für diese Tiere quasi im Blut – und so entstanden die ersten Fotos. Danach entführte mein Mann die beiden auf eine kleine Wanderung an den See und ich war mit der Falknerin und „meinem“ Vogel allein.

Zuerst erklärte Frau Brommund mir einiges zum richtigen Halten eines Greifvogels, bis sie merkte, dass Asul bereits sicher auf meiner Hand stand. Da verriet ich ihr gerne, dass ich nicht zum ersten Mal mit einem solchen Vogel „arbeitete“ und erzählte etwas über meinen „Hintergrund“. Dann stellte sie mir Asul vor – den Aguja bzw. Kordillerenadler.

Der Aguja (Geranoaetus melanoleucus, auch Blaubussard, Kordillerenadler oder die Aguja, von portugiesisch águia = Adler) ist eine Greifvogelart aus der Unterfamilie der Bussardartigen (Buteoninae). Agujas erreichen mit 60–76cm Körperlänge und einer Flügelspannweite von 149 bis 184cm etwa die Größe eines Schelladlers. Männchen wiegen etwa 1700g, Weibchen 2300g. Sie zählen zu den größten und am kräftigsten gebauten Bussarden. Die Weibchen sind, wie bei allen Greifvögeln, deutlich größer und schwerer als die Männchen.

Asul, mein „Shootingpartner“, ist stolze 25 Jahre alt und kommt, wenn ich es mir richtig gemerkt habe, aus einer Falknerei in Portugal zu Klaudia Brommund an den Westensee, wo er sein Rentnerdasein genießen darf. Er tritt nicht mehr in Shows auf, sondern wird nur noch für Shootings herangezogen.

Langsam wurde es Zeit: gemeinsam liefen wir mit Vogel und Kamera ein paar Meter und dann begann das Shooting. Asul machte sehr gut mit und war ein geduldiges und sehr fotogenes Modell – ganz im Gegensatz zu mir. Aber das merkte ich erst später, als ich die Fotos das erste Mal sichtete.

Viel zu schnell war das Shooting dann schon beendet.

Ein paar Tage später sah ich die Fotos zum ersten Mal und brach direkt in Tränen aus. Einige der Fotos waren nicht wie erhofft bzw. erträumt und das machte mich unendlich traurig. Ja, ein Foto ist kein Gemälde und bildet die Wahrheit ab. Aber eine Fotografin sollte sehen und eingreifen, wenn das Kleid Falten wirft oder auf Grund der Kopfhaltung ein fieses Doppelkinn entsteht.

Die Falknerin mag sich auf Tierfotografie verstehen – das merkt man – aber mit Menschen fehlten mir die Erfahrung oder der Blick.

Aus den entstandenen Fotos habe ich mir einige sehr schöne ausgesucht. Dann begann das Warten. Das Fotoshooting war Ende Mai – die Fotos bekommen habe ich nun in den ersten Tagen des Julis. Eine sehr lange Wartezeit, wenn man neugierig ist und das Ergebnis unbedingt sehen will. Ich verstehe durchaus, dass man als Falknerin mehr zu tun hat als Fotos zu bearbeiten und auch bei mir gehen die Tiere grundsätzlich immer vor. Andererseits, wenn man so etwas anbietet, muss man sich der Ungeduld bewusst sein, die langes Warten auslöst.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt zum Shooting ist die Bearbeitung der Fotos. Ich hatte darum gebeten bei einem Foto, das mir sehr am Herzen lag, die Falten im Kleid zu glätten. Etwas, was meines Erachtens eine Fotografin, die solche Shootings anbietet, können sollte. Das war leider nicht der Fall.

Wenn ich das Erlebnis bewerten sollte, würde ich zweigeteilt meine Meinung abgeben. Das Shooting an sich, mit der ausgewählten Location, meinem „Partner“ Asul und den vielen Informationen zum Vogel, zur Falknerei und der Arbeit mit den Tieren im Allgemeinen würde ich glatte 5 Sterne geben.

Dafür, dass sie als Fotografin nicht auf so wichtige Kleinigkeiten wie die richtige Kopfhaltung, Bildung von Doppelkinn oder Faltenwurf im Kleid nicht geachtet hat, die lange Wartezeit auf die Bilder und die Bearbeitung gebe ich 3 Punkte.

Insgesamt gesehen erhält das Event von mir also 4 Sterne. Ein Erlebnis war es alle Mal.

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