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Ein Lost place vor aller Augen

Man stelle sich einen Ort vor, der eigentlich verlassen ist. Wo draußen täglich tausende Touristen Fotos machen, Leute geschäftig vorbeischlendern und auch die Bewohner der Stadt kaum Notiz davon nehmen, steht in Dresden so ein Ort. Mittendrin und doch abgelegen.

Das Neue Rathaus in Dresden, gebaut 1905 bis 1910 als Sachsen noch einen König und Deutschland einen Kaiser hatte, ist weithin sichtbar. Das liegt vor allem am Goldenen Rauhausmann, einer über 5m hohen Statue, die Herkules symbolisiert.

Er steht auf dem Turm des Rathauses, dem mit 100,3m Höhe höchsten Turm der Dresdner Innenstadt. Seit 2015 darf dieser Turm, Brandschutzrichtlinien sei „Dank“, von der Öffentlichkeit nicht mehr betreten werden. Na wobei – man kann ihn schon betreten: In kleinen Gruppen bis zu 6 Personen und nach Voranmeldung.

Das haben wir heute, am 09.05.2026 getan – 11:30 Uhr trafen wir uns mit unserem Guide im sonst praktisch menschenleeren Rathaus.

Bis zur 4. Etage ging es mit einem Fahrstuhl, dann zu Fuß weiter. Ab hier hat man ohne Führer keinen Zutritt mehr.

Eine schmale Wendeltreppe geht es an der Seite des oktogonalen Turms hinauf durch verlassene Etagen. Ein davon, das 7. Obergeschoss, beherbergt eine Sporthalle. So unglaublich das klingt, haben dort jahrelang vor allem Kinder aus umliegenden Schulen und Kindergärten gespielt und Sport getrieben. Inzwischen ist davon außer einigen Markierungen auf dem Parkett in Fischgrätmuster nicht mehr viel zu erkennen.

Kaum zu glauben – die Turnhalle hoch über der Stadt

Die weiteren Etagen sind ähnlich leer und ungenutzt, zeugen aber von der wechselhaften Geschichte ihrer Nutzung. Auf der 68m hohen Aussichtsebene unterhalb von Turmuhr, Kuppel und Rathausmann hat man dann einen phantastischen Ausblick auf die Stadt. Gesäumt wird diese Etage mit dem umlaufenden Balkon von 16 Sandsteinfiguren, die die 16 Tugenden darstellen.

Der Ausblick, der nur noch wenigen Leuten zuteilwird, ist beeindruckend. Hier entstand 1945 das berühmte Foto „Blick vom Rathausturm nach Süden“, welches die beim Bombenangriff im Februar zerstörte Innenstadt zeigt.

Heute zeigt sich die wiederaufgebaute Stadt bei bestem Wetter, voller Touristen, im grün des Frühlings. Mit dem Fernglas kann hier Dresden und seine Umgebung betrachtet werden, was eine völlig neue Perspektive ermöglicht.

Nach fast einer Stunde war unser Besuch an diesem verlassenen Ort vor aller Augen beendet. Mit Ehrfurcht, vielen Ideen für Nutzung und Umgestaltung kehrten wir zur normalen Perspektive zurück – mit Blick hinauf auf Dresdens höchsten Turm mit dem markanten Goldenen Mann.

Ticket für diesen besonderen Turmausstieg bekommt man hier.

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