Ein Krimi der im Erzgebirge spielt? Das interessiert mich natürlich sehr und nachdem ich den Klappentext gelesen habe, wollte ich das Buch auch unbedingt lesen.
Das Buch war dann auch tatsächlich ein „Heimspiel“ für mich, Ortsnamen wie Ehrenfriedersdorf, Bärenstein, Annaberg — und auch das tschechische Jachymov kenne ich sehr gut und auch die Städte an sich kenne ich als geborene Erzgebirglerin natürlich. In Jachymov, am Stola Nr. 1, war ich in den letzten Jahren oft für einen Kurztrip.
Der Lokalcolorid im Buch, der Bezug auf die Gegenden die ich gut kenne, hat mir natürlich sehr gut im Buch gefallen. Die eingebauten (und mir doch recht unbekannten) Sagen und Erzählungen aus der Gegend war interessant und lehrreich. Die Geschichte an sich, der Kriminalfall und die Hintergründe dafür, die in der Geschichte des Erzgebirges, des 2. Weltkrieges und der Vertreibung /Umsiedelung zu finden sind, waren spannend und sehr gut aufgearbeitet.
Was mir auch sehr gut gefallen hat war die Vielschichtigkeit der Charaktere, besonders aber auch, das die Kommissarin Annalena Krest nicht nur als Ermittlerin gezeigt wurde, sondern auch als Mama eines kleinen Sohns. Das macht sie nahbar, greifbarer und die Geschichte glaubhaft.
Das waren die positiven Aspekte des Buches. Das war aber (leider) noch nicht alles, ich habe auch den ein oder anderen Kritikpunkt.
Da wäre zum Beispiel die „Tiefe“ der Charaktere. Ich habe das Gefühl, das hier bei der Charakterisierung sehr an der Oberfläche gekratzt wird und man auch dableibt. Mir fehlt da stellenweise dann doch die Tiefe. Vielleicht liegt das daran, dass es bereits Vorgängerbände gibt und man die Figuren als „Serienleser“ bereits gut genug kennt. Ich als „Quereinsteiger“ hätte mir da mehr gewünscht.
In die Geschichte werden auch Erzählungen und Sagen des Erzgebirges eingeflochten und das fand ich zum einen sehr spannend. Tatsächlich auch deswegen, weil ich sie nicht kannte und auch erstmal nachschlagen musste. Wie gesagt, ich fand es spannend – zumindest bei der ersten und auch zweiten Erwähnung. Dann hätte man es gut sein lassen können (und müssen), denn dann wurde es durch die stetigen Wiederholungen langweilig und – was ich noch „nerviger“ fand: Es hat den Erzählfluss der eigentlichen Geschichte unterbrochen, nicht wirklich vorangebracht und künstlich in die Länge gezogen.
Und dann hatte ich das Gefühl, gab es in dem Buch unterschiedliche Zeitgefüge. Bei dem einen Charakter verging die Zeit unglaublich schnell, es waren Tage vergangen, wenn es mit seiner Geschichte weitergeht und andererseits nur Minuten bei einer anderen Figur. Diese, ich nenn es jetzt mal Zeitsprünge, haben mich streckenweise doch verwirrt.
Bei der abschließenden Wertung des Buches tu ich mich jetzt tatsächlich schwer. Ich denke, mit 3 von 5 Sternen ist es eine faire Bewertung, denn es war gut gedacht und einerseits auch spannend, aber andererseits gab es für mich doch einige Kritikpunkte.
Daten:
Autor: Anett Steiner
Titel: Moorgold
Herausgeber: Edition Wannenbuch
Erscheinungstermin: 31. März 2026
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 256 Seiten
ISBN: 978-3947409822