Was tue ich mir hier eigentlich an?
Ich gehe gerne wandern, ich habe auch nichts dagegen, wenn die Strecke etwas länger oder anspruchsvoller ist – aber ein 50 km Marsch? Das habe ich bisher noch nicht gewagt. Ende letzten Jahres bin ich einen Teil des sächsischen Jakobsweges gegangen, 60 km in zwei Tagen. Das ging und am ersten Tag die 35 km waren auch nicht zu anstrengend. Was sind da schon 50 km?
Mathematik an Markus: Das sind nochmal fast die Hälfte drauf – 43% um genau zu sein. Mist!
Na gut, trotzdem habe ich mich für den 50km Mammutmarsch, der erstmals in Dresden stattfand, angemeldet. Also die Strecke veröffentlicht wurde war ich ein wenig verwundert: Sollten das wirklich 50km sein, es wirkt gar nicht so weit. Aber gut, wird schon stimmen.

Am 06.06. war es dann soweit 5 Uhr aufstehen, 6 Uhr an der Haltestelle, kurz vor 7 Uhr an der „Rinne“ und dann dauerte es nicht mehr lange. In Startgruppe 6 ging es 7:30Uhr los. Ein dreifaches „Mammut marsch!“ war das Startsignal. Elbaufwärts ging es in die Altstadt, um den Zwinger herum, zur Frauenkirche und zurück am Fürstenzug entlang. Von da an führte der Weg entlang des Elberadweges bis zum blauen Wunder, vorbei am sich im Aufbau befindlichen Flohmarktes an der Albertbrücke. 8 Gehminuten von zuhause entfernt wechselten wir die Elbseite, drehten eine Runde und erreichten das 10 km Schild, 20% waren also schon geschafft.

Der erste Verpflegungspunkt lockte mit einer bunten Auswahl an Essen und Getränken. Die Kombination aus Eiern, Schnittchen, sauren Gurken, Süßigkeiten und Instantkaffee ist sicher eigenwillig, erfüllte aber seinen Zweck. Nachdem es bis dahin nur auf flachen Strecken voranging und sich das Tempo der Teilnehmer kaum unterschied kam dann die erste Steigung. Am Wachwitzer Weinberg ging es recht steil bergauf, nach anfänglichem Asphalt wurde erstmals Waldboden der neue Untergrund und durch den Regen der Vortage war dieser ziemlich aufgeweicht.

Ich schreibe es meiner guten Grundfitness zu, dass ich bergauf weiterhin Tempo machen konnte und somit viele andere Teilnehmer überholen. Der höchste Punkt des gesamten Tages war nach knapp 13 km erreicht.
Durch Neurochwitz ging es dann über die Grundstraße und Bautzner Landstraße in die Heide. Ich dachte eigentlich, dass ich mich in Dresden, Radebeul und Umgebung recht gut auskenne, doch oft an diesem Tag war ich sehr überrascht, völlig neue Wege zu gehen. So kam ich völlig überraschend am „Kentauer“ aus der Heide an der Mordgrundbrücke. Alle aufgestiegenen Höhenmeter ging es dann wieder den Heilstättenweg wieder herunter zum rechtselbischen Elberadweg. Kurz vor dem Jägerpark waren 20km geschafft und der zweite Verpflegungspunkt locke mit süßem, sauren und Cola. Die Pause hier war nur kurz, wirklich Hunger hatte ich keinen.

Zurück in der Heide führte der Weg vorbei am Nordfriedhof, kreuzte die Marienallee und führte hinab ins Prießnitztal. Nicht nur bergauf, sondern auch bergab gab es große Unterschiede in der Geschwindigkeit, während in der Ebene kaum überholt wurde.
Vorbei am Militärhistorischen Museum ging es als nächstes hoch auf den Proschhübel. Die ehemalige natürliche Erhebung wurde als Trümmerberg nach dem Zweiten Weltkrieg aufgeschüttet und bietet einen tollen Rundumblick auf die Stadt. An dieser Stelle hatte ich ein paar Zweifel an der Streckenplanung. Warum führt man so eine Wanderung einmal rund um die JVA der Stadt?
Durch den Hechtpark ging es hinunter und hinüber nach Trachenberge. Dass es dort einen Weg namens Drachenschlucht gibt war mir auch neu. Kurz vor dem Berufsförderungswerk auf dem Hellerhof war das 30 km Schild erreicht – Wahnsinn, mehr als die Hälfte!

Auf dem Weg konnte ich mich immer mal wieder mit dem einen oder anderen „Mammut“ unterhalten. Von erfahrenen Wanderern mit zig Märschen bis zu Einsteigern wie mir, von jung bis alt war eine riesige Bandbreite an Leuten unterwegs. Alle einte die Lust am Wandern, am Erkunden, am draußen unterwegs sein und der Herausforderung am Durchhalten.
Der 3. Verpflegungspunkt bot wieder Süßes und Saures, Datteln wie Gurken, dazu Tomatensuppe und Instantkaffee. Da es ein paar Tropfen regnete, wurden einige Rucksäcke gegen mögliche Nässe geschützt, bevor es in Richtung der jungen Heide weiterging.
Nachdem die Autobahn unterquert wurde, wartete ein fieser Anstieg hoch zum Roten Teich, der einige der Teilnehmer mächtig forderte. Nach 32 km war klar: Das ist kein Spaß! Die nächsten 2 Kilometer ging über kleine Wege, die auch noch unwegsam waren, vorbei an der bekannten Ausflugsgaststätte „Waldmax“ und in Richtung Radebeul.

Aus dem Wald am Hospiz kommend schien auf einmal die Sonne so stark, dass es mit einem Mal brütend heiß wurde. Hier am Augustusweg kamen uns die Mammuts der 30km Tour entgegen. Sie hatten den An- und Abstieg zum Ortsteil Wahnsdorf schon hinter sich. Uns stand der letzte Anstieg noch bevor. Ich als Radebeuler wusste, was mich den Straken hoch erwartete. Meine linke Wade fand das gar nicht lustig und nach 36km hieß es vor allem eins: Durchbeißen!
Oben angekommen wartete ein Ort meiner Jugend auf mich – das ehemalige Haus meiner Großeltern. Doch Zeit zum Verweilen nahm ich mir nicht.
Bei der Wahl der Streck musste ich mich hier ein zweites Mal wundern. Anstatt am Spitzhaus und Bismarckturm die Aussicht auf das Elbtal genießen zu können, führte der Weg 50m entfernt davon über Felder und hat viel Potential liegen gelassen – eine Entscheidung bei der Streckenplanung, die für mich nicht nachvollziehbar ist, denn auch von der kann man ohne Probleme zum Rieselgrund gehen, wo der Abstieg zum Lößnitzgrund und weiter durch die Stadt begann. Auf dem Körnerweg waren 40km geschafft.

Hinter dem Gelände des Krokofit war der der letzte Verpflegungspunkt. Neben den bereits bekannten Speisen und Getränken gab es hier Hotdogs. Doch lange wollte ich mich nicht aufhalten, es waren weniger als 10km und eine zu lange Pause wäre Gift für meine Willenskraft gewesen. Also ging es nach wenigen Minuten wieder auf den Weg. Durch den alten Ortskern von Serkowitz und entlang des Elberadweges nach Kaditz hatten sich die Mammuts soweit verteilt, dass man teils allein lief. Nach 45km kamen nur noch Schilder mit den Restkilometern und motivierenden Sprüchen. Bei 2km querte der Weg die Elbe über die Flügelwegbrücke, mit 1km Rest das „kleine Blaue Wunder“ im Hafen.

Kurz darauf kam die Schlachthof-Brücke in Sicht, die Blase an der rechten Ferse platzte auf, doch das war egal: Das Ziel war nur noch wenige Meter entfernt. Glücklich, aber erschöpft überquerte ich nach etwas über 50km die Ziellinie, wurde von einer Menge glücklicher Mammuts und Katja in Empfang genommen. Geschafft. Nach 9 Stunden und 9 Minuten und damit deutlich schneller als gedacht war ich am Ziel. Eine Medaille, ein Armband, eine Urkunde und ein Stempelheft zeugen nun von dem wahnsinnig tollen Erlebnis.

Warum habe ich es mir nun angetan? Weil es ein tolles Gefühl gibt, ein großartiges Erlebnis ist und eine besondere Möglichkeit eine Stadt zu erkunden.
Es war anstrengend, mir tut so einiges weh und ich bin am Abend so früh wie lange nicht ins Bett gegangen – ABER: Ich werde es wieder tun!
In diesem Sinne: Mammut marsch!