Auf diesem Blog dreht es sich rund um Bücher, Rezensionen, Buchvorstellungen, Interviews und das Kochen von leckeren Speisen aus Topf und Pfanne.

Türchen 13: Chanukka

Hinter dem 13. Türchen des diesjährigen Adventskalender verbirgt sich ein kleiner Bericht zum Thema „Chanukka“. Geschrieben wurde er von Sylvia Lott, der Autorin so wunderbarer Bücher wie „Die Fliederinsel“ oder „Die Inselfrauen“.

Liebe Katja, liebe Fans von Katjas Blog,

Diese Vignette hab ich selbst gezeichnet. Bin ganz stolz, dass sie in meinem aktuellen Roman „Die Fliederinsel“ abgedruckt ist. Darin erzähle ich eine Familiengeschichte auf zwei Zeitebenen – und über der Vergangenheitsgeschichte steht immer ein acht- beziehungsweise neunarmigen Kerzenleuchter. Was es damit auf sich hat? Dieser jüdische Leuchter – nicht zu verwechseln der siebenarmigen Menora – heißt Chanukkia und wird nur einmal im Jahr zum jüdischen Chanukka-Fest entzündet. Es ist ein Freudenfest, keineswegs „das jüdische Weihnachten“, wie manchmal gesagt wird, aber es findet in der Adventszeit statt. Zunehmend gibt es auch in deutschen Städten öffentliche Chanukka-Feiern. Auf der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland heißt es über Chanukka:

„Es erinnert an den erfolgreichen Aufstand der Makkabäer gegen die syrische Herrschaft und die im Jahre 165 v.u.Z. erfolgte Wiedervereinigung des geschändeten Tempels in Jerusalem. Es wird überliefert, daß man in dem von den Syrern entweihten Heiligtum nur einen einzigen unversehrten Ölkrug fand, dessen Inhalt normalerweise nur für einen Tag Brennstoff für den siebenarmigen Tempelleuchter gereicht hätte. Aber durch ein Wunder soll dieses geringe Ölquantum für acht Tage genügt haben, so daß inzwischen neues reines Öl hergestellt werden konnte.“

In einigen Jahren fallen Weihnachten und der achte Chanukkatag auf dasselbe Datum – so wie im Jahr 1938, als meinen Romanhelden, Ruth und Jakob Liebermann die Flucht aus Berlin nach Dänemark gelingt. Sie feiern mit Verwandten in Kopenhagen. Traditionell gibt es in Öl ausgebackene Speisen wie Latkes (Kartoffelpuffer) und Krapfen. Während Jakob noch alle Rituale einschließlich der Gesänge kennt und genau weiß, wann man in welcher Reihenfolge die Kerzen mit der Dienerkerze (die auf der hervorgehobenen neunten Halterung ruhen muss) entzündet, druckst Ruth nur herum. Hier ein typisches Lied.

Jahre später, während der deutschen Besatzung Dänemarks, wird Ruths Tochter die dänischen Weihnachtsbräuche kennenlernen. Dazu gehört unbedingt, dass man dem „Nisse“, einem kleinen uralten Hauskobold, in der Heiligen Nacht einen Teller mit Milchreis hinstellt, damit er im folgenden Jahr wieder über Haus und Hof wacht. Der Nisse-Aberglaube stammt noch aus heidnischer Zeit. Bei vielen dänischen Familien ist es bis heute üblich, zum Weihnachtsessen als Dessert Milchreis mit Sahne, Zucker und Zimt, gern auch mit einem Schuss Sherry, zu servieren und in der großen Schale eine ganze Mandel zu verstecken. Wer sie erwischt, der erhält das „Nisse“-Geschenk, etwa ein kleines Marzipanschwein.

Hier ist es gelungen, den als äußerst scheu geltenden Nisse-Kobold in freier Wildbahn zu fotografieren.

Herzlich,
Sylvia Lott

Fotos: privat/ Porträtfoto: Daniel Culmann

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One thought on “Türchen 13: Chanukka

  1. Guten morgen,
    oh, den seltenen Nisse Kobold habe ich letztens in meiner Diele entdeckt. Ganz still habe ich ihn beobachtet. Schade, das ich hier kein Foto von ihm einstellen kann, denn ich habe ihn heimlich fotografiert.
    Ganz liebe Grüße
    Anja vom kleinen Bücherzimmer

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