5 Fragen zur Corona-Krise an Sylvia Lott und Lilli Beck

Das heute, 4. Interview zum Thema Corona bestreiten die Autorinnen Sylvia Lott und Lilli Beck. Während ich Sylvia bereits kurz vor der Geburt unserer Tochter Florentine interviewen durfte, hatte ich das Vergnügen bei Lilli Beck leider noch nicht. Aber wer weiß, vielleicht holen wir das in besseren Zeiten mal nach 🙂

Katja: Die Zeit, in der wir derzeit uns alle befinden, verlangt von uns Kontaktsperre zu lieben Menschen und bringt uns eine Ausgehbeschränkung. Wie gehst du mit der Situation um? Was ist für dich die einschneidendste Veränderung, die das Ganze mit sich bringt?

Sylvia: Mir fehlen private Besuche, natürlich der direkte Kontakt zu Freunden und Familie. Außerdem der Sonnabendbummel durch die Hamburger City, Sonntagsausflüge in die Lüneburger Heide oder Aufenthalte auf einer ostfriesischen Insel. Ich versuche, soweit wie möglich meine übliche Routine in Schreibphasen beizubehalten: vor dem Frühstück mit dem Rad an die Alster, Schreiben, Mittagsschlaf, Schreiben, abends noch einen Spaziergang durch Winterhude und danach eventuell etwas für den nächsten Schreibtag vorbereiten. Allerdings kommt es mir vor, als gäbe es hier in meinem Viertel jetzt mehr Menschen als sonst. Sie tummeln sich rund um die Uhr, und wenn ich ehrlich bin, macht es mich gelegentlich ziemlich aggressiv, wie nah Jogger oder Radfahrer an einem vorbeisausen.

Lilli: Mein Leben hat sich eigentlich nicht groß verändert. Ich war auch vor der Krise schon den ganzen Tag zuhause und habe geschrieben. Seit November sitze ich an einem neuen Roman, der im Juni/Juli fertig werden soll. Eine große Veränderung gibt es aber auch für mich: durch die Kontaktsperre zu den Angehörigen kann ich meine Enkelin nicht mehr besuchen. Das macht mich traurig. Besonders schlimm war es für sie an ihre 6. Geburtstag, als sie nur mit den Eltern feiern konnte.  Private Kontakte musste ich natürlich auch einschränken, da bleibt nur telefonieren.

Katja: Wie beschäftigst du dich? Welches Hobby begleitet dich durch die Zeit und hast du vielleicht auch ein neues Hobby für dich entdeckt?

Lilli: Mein Leben besteht seit 20 Jahren aus schreiben, schreiben, schreiben ….
Zwischendrin mache ich den Haushalt und die Einkäufe. Und morgens vor dem Frühstück Fitness via Youtube. Bei gutem Wetter stelle ich mein Minitrampolin auf den Balkon und hüpfe 15-20 Minuten darauf rum. Das macht Spaß und gute Laune.

Sylvia: Ich habe endlich Netflix abonniert und festgestellt, dass es nicht das ist, was ich jetzt möchte. Plötzlich denke ich: Was gehen mich diese amerikanisch geprägten Filme an? Ich habe angefangen zum Frühstück statt Zeitung einige Seiten eines Buches zu lesen. Außerdem hab ich meine Nähmaschine wieder rausgeholt und meine alte Yogamatte, ich höre viel mehr klassische Musik und glaube, bald bin ich auch soweit, dass ich abends wieder in Ruhe Bücher lesen kann. Die Corona-Info-Sendungen reduziere ich nach anfänglichem Dauergucken auf ein- bis zweimal am Tag kurz Nachrichten hören. Reiner Selbstschutz.

Katja: Welche Bücher hast du in den letzten Wochen gelesen? Welche liegen noch auf deinem Stapel?

Sylvia: Das meiste war Recherchematerial für den nächsten Roman. Aktuell stecke ich mitten in „Die Zeit des Lichts“ von Whitney Scharer über das Leben von der Fotografin Lee Miller. Mein SUB? Soviel Platz ist hier nicht, die Titel alle aufzuzählen! 🙂

Lilli: Im Moment lese ich vorwiegend Sachbücher, bzw. Recherchematerial zum Thema meines Romans der in den 1950er Jahren spielt.

Bücherstapel habe ich keinen, und ich gehöre auch nicht zu den „Sammlerinnen“, obwohl ich seit meinem 9. Lebensjahr leidenschaftliche Leserin bin. Hätte ich alle gelesenen Bücher aufgehoben, bräuchte ich eine eigene Wohnung. Ich behalte nur die Exemplare, die ich ein zweites Mal lesen würde, alle anderen verschenke ich.

Katja: Wie ist dein Eindruck? Rücken die Autoren mehr zusammen? Wie findest du die ganzen Aktionen, die es jetzt gibt?

Lilli: In den sozialen Netzwerken finden tatsächlich sehr viele Aktionen statt, leider fehlt mir die Zeit, mich intensiv damit zu beschäftigen. Auch Videos kann ich nicht anschauen, es sind einfach zu viele und es würde mich zu sehr von meiner Arbeit ablenken.

Sylvia: Ja, viele rücken mehr zusammen. Das finde ich gut, es stärkt. Auch wenn ich momentan selbst nicht unbedingt die Aufmerksamkeit für alle Aktionen aufbringen kann.

Katja: Und hier noch ein wenig Werbung für Dich … zu welchen Deiner Bücher sollten meine Leser jetzt unbedingt greifen?

Sylvia:  Das, welches sie noch nicht kennen. 😉 Na, im Ernst – aktuell würde ich zuerst „Die Glücksbäckerin von Long Island“ empfehlen, weil es etwas sehr Aufmunterndes hat, außerdem „Die Rosengärtnerin“, weil man bei der Lekrüre begreift, dass es uns noch gold geht,  und dann „Die Inselgärtnerin“, weil sie etwas Leichtes, Sonniges vermittelt und „Die Inselfrauen“, weil sie von allem was bietet. Ja, so würde ich es vorschlagen, in dieser Reihenfolge.

Lilli: Zur Aufmunterung empfehle ich: „Das Beste wartet noch auf dich“ einen fröhlichen Roman über eine verarmte Witwe, die ein marodes Mietshaus erbt, den ich unter dem Pseudonym Lilli Marbach veröffentlicht habe.

Für Fans historischer Romane:
Glück und Glas
Wie der Wind und das Meer
Mehr als tausend Worte

 

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