Alwis-Verlag: Ein kleiner Verlag schleicht sich in mein Herz

Auf der Leipziger Buchmesse entdeckte ich ihn endlich – den Kinderbuch-Verlag mit Herz aus Dresden. Aufmerksam gemacht auch ihn wurde ich von Josefine Gottwald, einer Kinder- und Jugendbuch-Autorin aus Dresden, die hier im Herbst ihr neues Buch veröffentlichen wird.

Der Stand des Alwis-Verlages war relativ klein, aber äußerst liebevoll gestaltet. Noch ehe ich jedoch die ausgestellten Bücher in Augenschein nehmen konnte, saß ich schon mit Josefine Gottwald und dem Verlagschef Gerd Sobtzyk am Tisch und kam ins Plaudern.

Obwohl der allwissende Zwerg Alwis aus der germanischen Mythologie der Namensgeber des Verlages ist, soll nicht das Allwissende das Aushängeschild sein. Was das ist, habe ich im Gespräch und beim Stöbern in dem vielfältigen Angebot an Kinderbüchern schnell feststellen können. Denn es dominieren ganz eindeutig liebevolle Zeichnungen, detailliert und aussagekräftig, dabei kindgerecht und wunderschön anzusehen. Zu jedem der am Stand ausgestellten Bücher gab es ebenso liebevoll gestaltete Lesezeichen. Etwas, was in meinen Augen den Verlag gerade im Kinderbuchbereich einzigartig macht.

Im Juli 2005 wurde der Verlag durch drei Sachsen gegründet und veröffentlicht seither überwiegend Kinderbücher. Aber nicht nur dass. Der Verlag und seine Mitarbeiter sind auch bestrebt, Kinder etwas über die Entstehung eines Buches näher zu bringen. Unter dem Titel „Mit Alwis und Almanach auf Entdeckungstour“ gibt es viele Veranstaltungen, mit denen die Mitarbeiter in Kindergärten und Schulen unterwegs sind. So erfahren die Kinder, wie ein Buch entsteht oder wo die Buchstaben und Zahlen herkommen. Ab der 4. Klasse gibt es auch die Möglichkeit eine Projektwoche zum Thema „Schreibwerkstatt: Wir schreiben eine Geschichte – aber wie?“ zu gestalten. Wie ich finde eine herrliche Idee.

Aber lassen wir doch Gerd Sobtzyk (Jahrgang 1961) nun selber einmal zu Wort kommen:

Katja: Lieber Herr Sobtzyk, lassen Sie mich zu Beginn erst einmal Danke sagen für unser Gespräch im größten Messetrubel und dafür, dass Sie sich die Zeit für mich genommen haben.  Wie haben Sie die Leipziger Buchmesse erlebt? Wie war das Interesse an ihrem Stand und was nehmen Sie für die kommenden Monate für sich an Erfahrungen mit?

Gerd Sobtzyk: Kurz zusammengefasst war es eine sehr erfolgreiche Messe .Es haben sich sehr viele Besucher für unsere Bücher interessiert. Wir durften Stammleser und Stammkunden begrüßen, aber auch  einen sehr großen Anteil an neuen Interessenten. Aufgefallen ist uns, dass es keinerlei Abgrenzungen  im Alter gegeben hat, keine Übergewichtung der einen oder anderen Altersgruppe.

Warum die Resonanz so groß war? Ein ganz wichtiger Punkt ist auf alle Fälle, unserer Devise treu zu bleiben, genau hinzuhören bei unserem Tun und Handeln im Alltag, was unser Publikum interessieren könnte und sich nicht beeinflussen zu lassen, was wohl der andere gerade für eine Welle reitet. Wichtig ist seit Anfang an Nischen zu finden und diese für uns zu nutzen. Aber auch Verworfenes neu zu beleben, zu verfeinern, anders zu sein, wie z.B. Jugend- u. Hardcoverbücher und das mit großem Erfolg, wie bei den vorgestellten Büchern von Sandra Mahn, „Das Eichkätzchen und die Waldmaus“ oder das Pferdebuch der Dresdner Autorin Josefine Gottwald, „Zwischen Steppe und Sternenhimmel“ und selbstverständlich Bewährtes auszubauen z.B. die „LISA“-Reihe vom Potsdamer Autor Hubertus Rufledt und dem Berliner Illustrator Mario Kuchinke-Hofer.

Man könnte sicher seitenlang darüber nachsinnen, was man noch alles machen könnte, aber auf einen Nenner gebracht möchten wir: Kinderbücher verlegen, von außergewöhnlichen Autoren und Illustratoren, die unser Publikum auf eine Reise mitnehmen, ihre Träume und Fantasien beleben und sie dort ankommen lassen, und zwar so, dass es eine Bereicherung für sie ist.

Katja: Ist es für den Verlag sehr wichtig, sich auf so einer Messe mit einem eigenen Stand zu präsentieren?

Gerd Sobtzyk: Genaugenommen präsentieren wir uns seit Jahren an einem Gemeinschaftsstand des Arbeitskreises kleiner unabhängiger Verlage des Deutschen Börsenvereins (mit unserem Stand). Es ist uns sehr wichtig, das zu tun.

Katja: Wie muss ich mir so einen Messetag vorstellen? Hat man da auch mal Zeit, selbst über die Messe zu schlendern? Wie wichtig ist der direkte Kontakt zu Lesern und Kunden, zu Buchhändlern und Autoren für den Verlag und seine Mitarbeiter?

Gerd Sobtzyk: Begonnen wird der Messetag mit einem langen Spaziergang in einem Wald in der Nähe von Leipzig, wo wir seit Jahren eine wunderbare Unterkunft für die Zeit der Messe gefunden haben. Leider lässt uns die Auslastung an unserem Stand keine großen Freiräume, um andere Aussteller zu besuchen. Schade!!!

Was die Kontakte angeht, gibt es eine ganz einfache Formel:  Alle genannten Gruppen und Personen können ohne den Alwis Verlag, aber der Alwis Verlag kann nicht ohne die genannten Gruppen und Personen. Diese Sichtweise wird in unserer Branche durchaus unterschiedlich interpretiert. Mir macht meine Arbeit Spaß! Aus diesem Grund habe ich auch Freude daran, mich über meine Arbeit auszutauschen. Ich bin ein Quereinsteiger in diesem Geschäft, ohne die Genannten würde es den Alwis Verlag vielleicht nicht geben. Ich würde lügen, wenn es nicht auch negative Seiten in diesem Geschäft gäbe, aber ich sage immer: „Mir fehlt das Gen zum Jammern“.

Katja: Ihr Weg zum Verlagschef ging ja doch über Umwege: Erst Handwerker, dann Geschäftsführer eines mittelständigen Bauunternehmens, dann freier Autor. Wie kommt man dann darauf, einen Verlag zu gründen? Dazu haben Sie  ja selber auch etliche Bücher geschrieben und im Alwis-Verlag herausgebracht. Was macht mehr Spaß – zu schreiben oder einen Verlag zu leiten? Und kommen Sie heute noch dazu, selber in die Tasten zu hauen?

Gerd Sobtzyk:  Die Situation war vor neun Jahren so, dass zwei Mitstreiter und ich der Meinung waren, wir sollten einen eigenen Verlag gründen. Also haben wir es getan!

Sicher hatte es damit zu tun, dass wir damals, wie viele unbekannte Autoren, die Erfahrung gemacht haben, einen Verlag für unsere Erstlingswerke zu suchen und zu finden. Auch haben wir die ganze Bandbreite erleben dürfen wie z.B.: „Unverlangt zurück“ oder eine Summe zu investieren usw. Schlußendlich hatten wir auch bei zwei Verlagen unsere Bücher verlegt, aber mit großen Einschränkungen. Somit kamen wir zu der anfangs genannten Schlussfolgerung.

Ich möchte das Schreiben und die Leitung des Verlages nicht missen. Man sehnt sich immer nach dem, was man nicht hat, und das ist zurzeit das Schreiben. Leider! Ideen, angefangene Manuskripte sind zur Genüge da, aber der Freiraum fehlt. Das bedaure ich sehr. Auch deshalb, weil man immer wieder angesprochen wird, wann es denn etwas Neues geben wird. Ohne konkret zu werden, aus Anlass unseres 10-jährigen Bestehens kommt 2015 sicher wieder etwas von mir in die Buchhandlungen.

Katja: Ein Buch lebt ja nicht nur vom Inhalt, sondern auch vom Äußeren. Ich lasse mich im Buchladen eher zu einem Spontankauf verleiten, wenn mich das Cover anspricht. Bei Kinderbüchern ist dies ja grad noch ein Stück wichtiger, auch was den gestalterischen Inhalt angeht. Wer entscheidet bei Ihnen die Covergestaltung und wie findet man so tolle Illustratoren, wie sie Ihr Verlag hat?

Gerd Sobtzyk: Meistens entscheiden wir im Team, Lektorin, Grafikerin, Autor usw., die manchmal heftig diskutieren, was da schlussendlich aufs oder in das Buch kommt, und vereinzelt entscheide ich aus dem Bauch heraus. Wenn es um die Frage nach guten Illustratoren geht, hatten wir immer Glück, obwohl wir durchaus auch in bestimmten Situationen gesucht haben, die Illustratoren fanden uns. Sie haben unseren Verlag entdeckt und sich mit Arbeiten und Werken bei uns beworben. Worüber wir sehr, sehr froh sind.

Katja: Die Bücher in ihrem Verlag sind gewaltfrei und haben, wie schon öfters erwähnt, liebevolle Zeichnungen. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Schauen sie sich um in den täglichen Medien, Internet, Unterhaltungsindustrie usw., hier hat die Gewalt und das Widersinnige eine Präsenz erreicht, dass es uns Tag für Tag relativ einfach gemacht wird, unsere Nische zu finden, etwas aus unserer Sichtweise kindgerecht darzustellen. Kinder werden heute recht schnell leistungsorientiert erzogen, ob gewollt oder nicht, es passiert einfach. Wir grenzen unseren Kindern zu schnell die Möglichkeit ein, ihre Welt zu ergründen und ihre Fantasie auszuleben. Aus diesem Grunde möchten wir mit unseren Kinderbüchern einen Weg aufzeigen, der spannend, lehrreich, humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger Geschichten vermittelt, in denen sich die kleinen Leser und Zuhörer zu gleichen Teilen wiederfinden und eintauchen können.

Getreu unserem Motto: „Das Schlaue am Lesen ist, dass Lesen schlau macht“, möchte ich mich recht herzlich dafür bedanken, dass Sie mir die Gelegenheit gegeben haben, den Alwis Verlag ein wenig näher vorzustellen.

Mit den besten Wünschen
G. Sobtzyk

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