Ein Interview ….mit der Kinderbuchautorin Juliane Jacobsen

Auf der Buch Berlin 2017 habe ich ein Buch mit dem Titel „Abenteuer rund um Dresden und das Elbsandsteingebirge“ entdeckt und das große Glück gehabt, das die Autorin, die vor Ort war, mir das Buch gleich signieren konnte. In dem Moment entstand bei mir die Idee, sie zu interviewen. Und jetzt, im Rahmen meines 1. Kinderbuch-Monats auf meinem Blog setze ich die Idee in die Tat um. Viel Spaß bei „entdecken“ der Kinderbuchautorin 🙂

Katja: Liebe Juliane, vielen Dank das ich dich zum Interview treffen darf. Wir fangen ganz harmlos an: Stell Dich doch am besten einmal selbst vor. Was macht den Menschen Juliane Jacobsen aus? Mit welchen drei Worten würden Menschen in Deiner Umgebung dich am ehesten beschreiben?

Juliane: Hallo, liebe Katja! Ich freue mich sehr, von Dir interviewed zu werden!

Was macht mich aus, tja. Ich bin zum einen sehr introvertiert, genieße es, meine Ruhe zu haben, an meinem Computer zu schreiben, zu lesen; auf der anderen Seite liebe ich aber auch meine Arbeit mit den Kindern, Musik zu machen, vor allem gemeinsam, liebe Menschen zu treffen (jedenfalls in Maßen), mit meinen Teenagern über Gott und die Welt zu philosophieren. Ich bin unglaublich undiszipliniert und sprunghaft, kann mich aber auch trotzdem voll in ein Projekt verbeißen.

Ui, drei Wörter, das ist ja mal eine steile Vorlage. Hmm, mal überlegen. Warmherzig, intelligent, humorvoll, darauf könnten sich wohl die Meisten einigen ;o)  Ich persönlich würde unbedingt noch „chaotisch“ hinzufügen …

Katja: Ich habe von Dir das Buch „Abenteuer rund um Dresden und die Sächsische Schweiz gelesen. Wie hast du dich auf das Schreiben des Buches vorbereitet? Bist du aus Dresden, hast du eine Beziehung zu meiner Heimatstadt? Hast du alle Ausflugstipps selbst getestet?

Juliane: Ja, die Ausflugstipps testen wir grundsätzlich immer alle selber. Das ist eins der Qualitätsmerkmale bei Biber&Butzemann. Und oftmals sind es ja auch die Kleinigkeiten, die einer Geschichte erst den richtigen Pfiff geben. Wir sind in allen Burgen und Museen gewesen, durch Dresdens Straßen gewandert, haben an der Station des Lößnitzdackels gestanden und mit Aschenputtel auf Schloss Moritzburg getanzt. Und den ganzen Rest haben wir natürlich auch mitgemacht  ;o)

Das Elbsandsteingebirge ist die Nummer 1 Urlaubsgegend meiner Kindheit. Ich hatte das Glück, an der Ostsee aufzuwachsen – und in den Ferien waren wir deswegen immer im Gebirge. Mittlerweile schleppe ich meine Kinder seit etlichen Jahren auch immer wieder dorthin und sie lieben die Gegend genauso, wie ich. Ein halbes Jahr lang habe ich es sogar geschafft, in Dresden zu leben – während meiner Studentenzeit nämlich (so, wie meine Eltern auch, die beide je vier Jahre in dieser wunderschönen Stadt studiert haben).

Katja: Auf deiner Webseite stellst Du die etwas provokante Frage „Wieviel heile Welt braucht ein Kinderbuch?“ Hast Du für Dich eine Antwort auf die Frage gefunden?

Juliane: Ja und nein. Ich sehe, dass es offenbar zwei Herangehensweisen gibt – für die Einen sollte das Kinderbuch allein der Unterhaltung dienen, für Zerstreuung sorgen, die Fantasie anregen und aus dem Alltag entführen. Und dann gibt es die Kinderbücher, die darüber hinaus Themen aufgreifen, die schwierig sind, die vielleicht auch belastend sind. Über die sonst keiner spricht. Und ich finde beides wichtig – die Fluchtmöglichkeit und die Möglichkeit, sich mit Themen auseinanderzusetzen. Worte zu finden für unsagbares. Wege und Lösungsmöglichkeiten anzubieten, die gern auch mal unkonventionell sein können. Die aber nichts unter den Teppich kehren. Eine „ist-doch-alles-gut-Mentalität“ hilft keinem, es ist aus meiner Sicht besser, kreativ zu werden und Wege zu finden, wie wir mit einem Thema altersgerecht umgehen können. Kinder müssen nicht in Watte gepackt werden, sie wollen Worte für die Realität, die sie erleben. Sie wollen emotional gesehen und wertgeschätzt werden. Das ist der Weg, wie sie verarbeiten können.

Katja: Mit Deinen Büchern willst du Kinder für die Welt um sie herum und auch für die liebevolle Beziehung, die Gott mit ihnen haben will, begeistern. Meine „provokative“ Frage wäre: „Wieviel Gott in einem Kinderbuch ist gut um nicht das Gefühl zu haben, Kinder zu manipulieren und in eine Richtung zu drängen. Wie viel Aufklärung ist gut?

Juliane: Diese Frage muss jeder für sich beantworten, glaub ich. In meinen Kinderbüchern kommt Gott (hoffentlich) nicht „aufgesetzt“ vor, sondern so, wie ich ihn halt erlebe. Wie er in meinem Leben auch vorkommt. Ein erhobener Zeigefinger hat zum Beispiel gar nichts in einem Buch verloren. Und schon gar nicht, wenn ich Kindern versuche, mit Gott Angst zu machen, wenn ich versuche, sie zu einem gewissen Verhalten zu bewegen. Gott ist immer nur ein Angebot, das man annehmen kann – oder es bleiben lassen kann. Die Kinder in meinen Büchern erleben ihn in ihrem Alltag, ohne Anspruch darauf, dass die Leser jetzt irgendetwas Bestimmtes damit anfangen müssen. Ich möchte Wege aufzeigen, mit Sachen umzugehen, Möglichkeiten, auf die sie vielleicht nicht unbedingt von allein gekommen wären. Ihnen zeigen, dass es (auch Gott) vor allem auf lebendige Beziehungen ankommt.

Katja: Ich mag Kinderbücher, die spannend sind, lebendige Zeichnungen haben und – ganz nebenbei aber ohne den „erhobenen Zeigefinge“ Wissen vermitteln. Was muss in Deinen Augen ein gutes Kinderbuch haben?

Juliane: Ha, der „erhobene Zeigefinger“ … den kann ich wirklich gar nicht ausstehen! Ich persönlich mag Kinderbücher, die es schaffen, mit Worten eine eigene Welt zu bauen, in der ich herumspazieren kann. Diese Welt muss in sich stimmig und fesselnd sein, dann kann sie ruhig auch ganz fantastisch und bunt sein. Logikfehler hingegen reißen mich sofort raus. Und ich liebe Bücher, die auf unterhaltsame Art Wissen und größere Zusammenhänge vermitteln – und zwar so, dass einem beim Lesen selber die Kronleuchter aufgehen. Sie sollten die Kinder unbedingt ernst nehmen, Kinderbuch auf Augenhöhe, sozusagen.

Katja: Du bist Lektorin, Kinderbuchautorin und Lesungscoach. Außerdem bist du Mit-Organisatorin der Buch Berlin. Wie bringst du all diese Jobs unter einen Hut?

Juliane: Ich habe natürlich einen sehr großen Hut! Ist auch nötig bei meinem Dickkopf ;o) Nebenbei habe ich nämlich noch etliche Kinder und arbeite als musikalische Früherzieherin. Aber im Ernst, mir kommt das alles gar nicht so viel vor, wenn ich es im Alltag mache, zumal selten alles auf einmal kommt, aber beim Aufzählen merke ich es dann auch. Ich glaube, das funktioniert vor allem auf Kosten des Haushalts (sorry, Schatz!) …

Katja: Bei so vielen Aufgabengebieten ist Entspannung doch bestimmt auch mal wichtig. Wie entspannst du am besten?

Juliane: Abends mit meinem Schatz ins Bett kuscheln und zusammen unsere Lieblingsserie gucken oder morgens mal ausschlafen dürfen am Wochenende und anschließend mit einem heißen Kaffee in einem guten Buch versinken. (Ja, ich bin introvertiert ;o)

Katja: Kannst du dich noch daran erinnern, welches Buch du als Kind oder Jugendliche gerne gelesen hast? Mit welchem Buch begann deine Leidenschaft?

Juliane: Es gibt nebulöse Erinnerungen an ein paar Bilderbücher aus meiner Kindheit, die ich auswendig mitsprechen konnte. Und dann habe ich mir lesen beigebracht (allen Versuchen meiner armen Mutter zum Trotz, die das gern noch hinauszögern wollte, damit ich mich in der Schule nicht so langweile) und seitdem nicht mehr aufgehört. Das erste Buch, das ich mir aus der Bibliothek ausgeliehen habe war das Buch vom rollenden Pfannkuchen, das seh ich heute noch vor mir. Und es gab bei meinem Opa ein Buch, „Im fernen Westen“, bei dem ich immer heulen musste und es trotzdem immer wieder gelesen habe. Thematisch habe ich alles zum Wilden Westen und Indianern gelesen und alles, was mir zur Polarforschung in die Finger kam. Aber darüber hinaus eigentlich auch alles andere … ich würde behaupten, dass ich es tatsächlich geschafft habe, jedes einzelne Buch in der Kinderbuchabteilung unserer Bibliothek vor Ort gelesen zu haben.

Katja: Wann war für Dich klar, dass Du Kinderbücher schreiben willst? Gab es ein ausschlaggebendes Erlebnis?

Juliane: In der 2. Klasse habe ich mit einer Klassenkameradin zusammen angefangen, Geschichten aufzuschreiben. Später hie und da mal ein Artikel für die Schülerzeitung, immer sehr gute Aufsätze in Deutsch, ich hielt mich für begabt! Nach der 10. Klasse (und gerade rechtzeitig ein Jahr nach der Wende) konnte ich ein Jahr in die USA gehen als Austauschschülerin und habe dort das zauberhafte Schulfach „Public Speaking/Creative Writing“ belegen können. Ich glaube, diese Erfahrung war mit am prägendsten, weil ich dort erstmals auch Techniken gelernt habe, um mich handwerklich zu verbessern. Anschließend habe ich viele Jahre nicht mehr geschrieben. Die Hausarbeiten an der Uni waren mir ein Gräuel, da habe ich mich nur durchgequält. Dafür hatte ich dann, viele Jahre später, die Chance, für eine kleine christliche Zeitschrift die Kinderseite zu gestalten – eine Seite Geschichte, eine Seite „kreativer Kram“. Dort entstanden die Helden meines ersten Kinderbuchs, das quasi aus einer Sammlung dieser Geschichten besteht. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt habe ich auch noch einmal in meine Autorenausbildung investiert und einen Online-Schreibkurs bei Lea Korte gemacht. Ich denke, das war der ausschlaggebende Punkt, mich wirklich mit einem großen Schwerpunkt auf das Schreiben zu stürzen. Von diesem Kurs profitiere ich heute noch – zum einen durch das Wissen und die Materialien, die ich dort erhalten habe, zum anderen durch die Möglichkeit, in unserem Online-Forum Texte zu diskutieren. Grundsätzlich geht bei mir kein Text raus, der nicht wenigstens einmal ausschnittsweise von meinen Kolleginnen und Kollegen unter die Lupe genommen wurde.

Katja: Könntest du dir vorstellen, Bücher in einem ganz anderen Genre zu schreiben?

Juliane: Im Prinzip schon, aber es ist viel mehr Arbeit für mich. Die Zielgruppe „Grundschulkinder“ fällt mir quasi zu, in jedem anderen Genre müsste ich wesentlich mehr ackern, um ein gutes Buch hinzukriegen. Im Augenblick habe ich noch zu viele Kinderbuchideen, die ich umsetzen will, aber wer weiß. Meine Kinder werden immer größer, vielleicht schreib ich demnächst auch mal was für Jugendliche.

Katja: Auf welche Bücher können sich deine Leser im Buchjahr 2018 freuen?

Juliane: Jetzt Ende Februar kommt bei SCM ein neues Erstlesebuch von mir heraus, „Leni und das Eichhörnchen“. Im Sommer gibt es bei Biber&Butzemann einen neuen Kinderreiseführer, diesmal zur schönen Insel Fehmarn, und es wird dieses Jahr auch noch einen Adventskalender bei SCM von mir geben, in dem wir 24 Tage lang die drei Weisen auf der Suche nach dem neugeborenen König begleiten.

Katja: Und zu guter Letzt eine Frage, die jeder Autor in meinen Interviews gestellt bekommt: Auf meinem Blog geht es ja nicht nur um Bücher sondern auch um mein zweites Hobby, das Kochen und Backen. Hast du ein Lieblingsrezept, welches du mit mir und meinen Lesern teilen möchten?

Juliane: Ich backe leider nur mittelmäßig, dafür koche ich sehr gern. Wenn es nach meinem Sohn gegangen wäre, hätte ich jetzt das Rezept für Milchreis verraten müssen, aber das bleibt mein Geheimnis! Stattdessen gebe ich Dir eins meiner absoluten Lieblingsrezepte, das ich damals aus den USA mitgebracht habe. Ich mache immer gleich eine riesengroße Schüssel voll, um uns alle satt zu kriegen, die halbe Menge reicht für 4 Personen.

Mexikanischer Taco-Salat

1 ½ Tüten Tortilla Chips, etwas kleingebröselt
1 Packung Bio-Rinderhack
2 Dosen Kidneybohnen, abgetropft und abgespült
2 Dosen Mais, abgetropft
4-5 Tomaten, kleingeschnitten
1 kleiner Eisbergsalat, kleingeschnitten
2 Paprikaschoten, kleingeschnitten
1 Glas Salsa
1 ½ Becher Saure Sahne
200g geriebener Käse
4-5 EL Tacogewürz
1 riesengroße Schüssel

In einer Pfanne das Hackfleisch krümelig anbraten und bräunen lassen. Das Taco-Gewürz darüber streuen und unterrühren. Das Glas Salsa mit einrühren, dann den Herd ausstellen. Die Kidneybohnen und den Mais einrühren.

Jetzt kommt die riesengroße Schüssel ins Spiel: Der Salat wird in Schichten eingefüllt. Zuerst kommt eine Schicht Tortilla Chips, dann eine Schicht Hackfleisch-Gemisch, eine Schicht Tomate, Paprika und Salat. Mit einem Teelöffel kleine „Häufchen“ Saure Sahne platzieren und eine Schicht geriebenen Käse darüberstreuen. Den gesamten Vorgang wiederholen. Zum Schluss noch eine weitere Schichte Tortilla-Chips oben auf den Salat streuen. Und fertig. Vorsicht, Suchtgefahr!

Did you like this? Share it:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*