Mit Brigitte Riebe im Gespräch

In den letzten Tagen und Wochen durfte ich „Marlenes Geheimnis“ aus der Feder von Brigitte Riebe vorab Lesen. Während ich diese Geschichte las, in sie versank und mich wirklich darin vertiefen konnte, wurde der Wunsch wach, der Autorin zu dem Buch ein paar Fragen zu stellen. Es ist mir gelungen und wenn ihr Lust habt, dann könnt ihr hier verfolgen, was ich von ihr wissen wollte und was sie mir über das Buch erzählt hat.

Katja: Liebe Brigitte, vielen Dank das Du Dir die Zeit nimmst und Dich meinen neugierigen Fragen stellst.

Dein aktuelles Buch heißt „Marlenes Geheimnis“ und beschäftigt sich zentral mit dem Thema der Kriegs- und Nachkriegszeit nach 1945 und den familiären Auswirkungen, die diese bis auf die heutige Generation noch hat. Wie bist du auf das Thema gekommen? Gab es in deiner Familie einen Anstoß?

Brigitte: Ja, den gab es und zwar schon seit früher Kindheit. Die Familie meiner Mutter stammt aus Nordböhmen, waren also „Sudetendeutsche“ und lebte seit Generationen dort. Sie haben Vertreibung und Flucht selbst erlebt – und natürlich oft darüber gesprochen (obwohl alle begeisterte Münchner geworden sind). Ich war ungefähr 12, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass dieser Krieg noch gar nicht so lange zurückliegt. In diesem Alter habe ich begonnen, Zeitung zu lesen und mich für Politik und Geschichte zu interessieren. Und später ist ja dann eine Historikerin aus mir geworden …

Katja: Ich hab grundsätzlich das Gefühl, das dieses Thema in sehr vielen Familien einfach nur totgeschwiegen wird. Gerade wenn man vielleicht die Heimat verlassen, umsiedeln musste. Kann ein Buch mit diesem Thema vielleicht dazu beitragen, dass mehr darüber geredet wird? Ehe die letzten Zeitzeugen vielleicht noch „verschwinden“?

Brigitte: Unbedingt. Ich merke es schon jetzt an den Reaktionen der Blogger, die voran gelesen haben und lesen: Diskussionen in ihren eigenen Familien beginnen, sie fangen an, mehr zu recherchieren – was ich ganz toll finde. Jetzt ist die Zeit, um Verdrängtes und Totgeschwiegenes wieder lebendig zu machen – jenseits von fanatischem Fanatismus. Aber wenn wir nicht wissen, woher wir kommen – wohin sollen wir dann gehen????

Katja: Wie entsteht, am Beispiel von „Marlenes Geheimnis“ so eine Geschichte? Was ist zuerst da? Die Story an sich oder die Protagonisten? Wie behält man als Autorin den Überblick?

Brigitte: In diesem Fall war es die Figur der Eva, die ich auf diese schwierige, gefährliche Lebensreise schicken wollte. Um sie herum hat sich dann Ihr Umfeld gruppiert, erst schon im Konzept, dann aber noch einmal vertieft beim Schreiben. Mir hat es gefallen, ihr Molly an die Seite zu geben – so hieß auch die beste Freundin meiner Mutter, die leider nicht mehr lebt. Aus diesen ganz unterschiedlichen Frauentypen entstand viel Spannung; das war gut für den Roman. Der „Bösewicht“ Hermann hat sich erst nach und nach entwickelt, aber irgendwann stand er mir ganz klar vor Augen. Dann gab es für mich nur noch einen Weg, das Ende zu erzählen. Mit dem Überblick habe ich eigentlich nie Probleme, aber nach über 40 Romanen natürlich auch inzwischen reichlich Übung …

Katja: Du bist auf Facebook recht aktiv. Ist es für einen Autoren wichtig, dort und in den sozialen Netzwerken überhaupt, aktiv und präsent zu sein? Wie wichtig ist dir der Austausch mit deinen Lesern überhaupt – sei es auf Lesungen, bei Leserunden oder in den sozialen Medien?

Brigitte: Ich liebe den Austausch mit meinen Lesern – auf Facebook, in Leserunden (da ganz besonders) und auch auf Lesungen, die leider immer seltener werden, weil die Buchhändler so sparen wollen/müssen. Nur so erfährst du ganz ehrlich, was bei Ihnen ankommt, was sie denken, was sie vielleicht nicht erreicht hat. Das ist für mich der einzige Grund, überhaupt auf Facebook zu sein –für meine intensiven privaten Begegnungen brauche ich kein soziales Netzwerk. Die funktionieren ganz altmodisch.

Katja: Man liest auch immer wieder, das Autoren zwar viel posten, gleichzeitig aber auch die sozialen Medien als „Zeitfresser“ bezeichnen, da man doch sehr vom Schreiben abgelenkt wird. Wie hält man die Balance?

Brigitte: Das ist gar nicht so einfach. Ja, man kann sich auch in den sozialen Medien verlieren, aber da mein Zeitplan immer recht straff ist, besteht bei mir – so hoffe ich zumindest – diese Gefahr eher nicht. Bin ziemlich gut organisiert …

Katja: Wirst Du mit „Marlenes Geheimnis“ vielleicht auf Lesereise gehen? Kann man dich auch mal in Dresden zu einer Lesung antreffen?

Brigitte: Dresden hat bislang leider noch nicht angefragt. Ich würde sofort kommen … Bisher ist eine Lesung in München geplant, eine in Krumbach und mehrere in der Bodenseeregion, in Zusammenarbeit mit Weltbild …Wenn ich eingeladen werde, komme ich sehr gern!

Katja: Und zu guter Letzt eine Frage, die jeder Autor in meinen Interviews gestellt bekommt: Auf meinem Blog geht es ja nicht nur um Bücher sondern auch um mein zweites Hobby, das Kochen und Backen. Hast du ein Lieblingsrezept, welches du mit mir und meinen Lesern teilen möchtest?

Brigitte: Im Backen bin ich schlecht; meine Mutter konnte so gut backen, dass ich es gar nicht probiert habe. Vielleicht was Sommerliches:

400 gr. Thunfisch (Sushiqualität)
2 Limetten
Teriyakisauce
Frischer Ingwer
Sesam
Kokosöl
2 Bund Rucola

Thunfisch mit Limettensaft, Teriyakisauce und dem geschälten und geriebenen Ingwer in einem Plastiksäckchen 2 Stunden im Kühlschrank marinieren (geht auch länger). Dann abtropfen lassen und bei großer Hitze in einer Pfanne jeweils 2 Minuten auf jeder Seite in Kokosöl (muss Natives sein!) anbraten. Danach in Sesam wälzen – anschneiden und auf Rucola servieren.

Köstlich!

Das Lieblingsessen meines sehr netten Verlegers 🙂

Katja: Vielen Dank für Deine Zeit. Ich wünsche Dir für den Start Deines neuen „Buchbabys“ von Herzen viel Erfolg.

Und wer Lust hat, zu erfahren wie ich das Buch empfunden habe, ob es eine Leseempfehlung ist und was es sonst noch darüber zu sagen gibt … der sollte einfach am 11. September noch mal reinschauen.

 

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