Die Honda Roadshow gehört, seit ich 2013 den Motorradführerschein gemacht habe, zu den von mir immer heiß ersehnten Terminen im Jahr. Das Motorradhaus Zehren macht aus dem Honda Probefahrtevent ein wunderbares Erlebnis. Dieses Jahr war aber einiges anders. Zum einen fand die Roadshow diesmal nicht im April als Saisoneröffnung statt, sondern Mitte Juni. Zum anderen war ich erstmals nicht allein da, sondern gleich in doppelter Begleitung: Sowohl mein Motorrad-Buddy Daniel, als auch Katja waren mit von der Partie.
Kurz vor 13Uhr, die Veranstaltung lief bereits seit um 10Uhr, kamen wir in Zehren an, wo der Honda Truck und zwei Dutzend zweirädriger Spaßmobile jeglicher Spielart feierlich auf uns warteten.
Da die Probefahrten zu jeder vollen Stunde in geführten Gruppen stattfanden, hieß es schnell sein und sich etwas aussuchen.
Während Daniel unbedingt die CRF300 Rally ausprobieren wollte, war ich unschlüssig und entschied mich spontan und ohne wirklichen Plan für die CL500. Die kleine, freche 300er sorgte schon beim Aufsteigen für Spaß: Das kleine, lustige Adventure-Bike ging beim 90+kg Daniel beim Aufsitzen mächtig in die Knie, so weich war das Fahrwerk.

Die CL500, mit dem glänzenden 500ccm 2-Zylinder-Motor der CB500 ausgestattet, war kleiner und leichter als angenommen. Dass für die Sozia wenig Platz war und auch die Kniewinkel super spitz limitierte den Genussfaktor für die kommenden 40 Minuten auf den vorderen Sitzplatz. Was soll ich sagen? In der „langsamen“ Gruppe mit einer lustigen Mischung aus verschiedenen Motorrädern und –rollern hatte ich Spaß wie lange nicht. Der wieselflinke „Stoppelhopser“ mit Entenschnabel lässt sich als Scrambler beschreiben. Aber eigentlich ist es ein Allrounder für alles außer Autobahn. Verhältnismäßig klein, wendig, spritzig und vor allem vielseitig ausgelegt, machte die Fahrt in jedem Teil der Strecke Laune. Klar, 46PS sind keine Kampfansage für hohe Geschwindigkeiten, aber trotz Zweipersonenbetrieb vermisste ich an keiner Stelle Leistung. Das hyperagile Fahrwerk ist gemacht für enge Kurven, gibt aber auch in flott gefahrenen Passagen im Bereich oberhalb der Landstraßengeschwindigkeit eine gute Figur ab. OK, die Bremse brauchte Nachdruck und an die Kupplung musste ich mich auch gewöhnen, aber ich hatte dennoch ein breites Grinsen auf dem Gesicht, als ich nach der wieder herrlich ausgesuchten Runde zurück am Motorradhaus war.

Für den Soziusbetrieb ist dieses Motorrad sicher nichts, aber von Feld-und Waldweg bis Wochenendtour im Gebirge ist mit diesem unterschätzten Kameraden definitiv zu rechnen!
Die CRF300 hat bei Daniel auch einen tendenziell positiven Eindruck hinterlassen – das für sein Gewicht zu weiche Fahrwerk hat für lustige Szenen gesorgt, war aber Punkt, der Verbesserungspotential bedeutet hätte.
Nach einer Bratwurst und kurzen Benzingesprächen ging es 14Uhr zu Runde zwei für uns. Ich hatte versprochen, etwas Sozia-freundlicheres zu finden und nach kurzem Abwägen der Optionen wurde es die mir völlig unbekannte NT1100. Daniel hat sich auch aus seiner Komfortzone gewagt und erstmals auf eine 4-Zylinder-Supersportmaschinen gesetzt – die wunderhübsche CBR650R mit E-Clutch. Hier war nicht das Gewicht, sondern eher die Sitzposition das große Fragezeichen. Ich greife vorweg und kann sagen: Er war begeistert und über das Intercom habe ich allerlei diabolisches Lachen vernommen. So ganz anders als seine Ténéré und dennoch ein schlüssiges Konzept und Grund, warum Motorradfahren so viel Spaß macht.

Ich hingegen bin auf die große Tourenmaschine, die mit dem Africa Twin Motor ausgestattet und rein für die guten und sehr guten Landstraßen dieser Welt gebaut wurde, gestiegen und habe Katja hinter mich setzen lassen. Eine ganz andere Sitzposition in beiden Reihen und viel mehr Platz. Für mich war es auch die Premiere mit dem DCT-genannten Automatikgetriebe, welches auf Kupplungs- und Schalthebel verzichtet. Ich hatte bisher gemischte Erfahrungen mit Automatikgetrieben in Motorrädern – von Flop (Kawasaki Z7 Hybrid) bis Top (Yamaha MT-09 Y-AMT) habe ich schon alles erlebt.
Ich mache es daher kurz: Das Honda DCT reiht sich eher bei der Yamaha ein, hat eine leichte Verzögerung, ist aber wunderbar einfach zu fahren und macht tatsächlich Spaß.
Die gefahrene Runde war die gleiche, aber Tempo und Dynamik ganz anders. Die fast 5 Zentner schwere Maschinen hatte keinerlei Mühe mit ihren beiden Passagieren, fuhr sowohl sauber geradeaus, als auch routiniert durch jegliche Kurve. Kräftig zupackende Bremsen waren der perfekte Gegenspieler zu dem bärenstarken Zweizylindermotor, der ganz anders begeistern konnte als der kleine Bruder mit 500ccm. Statt wuselig hochzudrehen stand hier Druck aus allen Drehzahlen im Mittelpunkt.
Das Fahrwerk, welches es auch in vollelektronisch gibt, war auf schlechten Straßen etwas stockelig, aber konnte die Gangarten von gemütlich bis sportlich super mitgehen.
Dieses Motorrad ist erwachsen, stark und vielseitig – ein phantastischer Reisebegleiter statt einem Flitzer für die Feierabendrunde.
Bei der diesjährigen Roadshow sind also einige Dinge anders gelaufen – raus aus der Komfortzone, etwas Neues probieren und lernen, was es noch so alles gibt. Ich finde, dass sich das absolut gelohnt hat.

Danke an Jonny und sein Team vom Motorradhaus und die Jungs vom Roadshow-Truck für dieses wunderbare Event – nächstes Jahr gern wieder!