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Auf Schusters Rappen durch den Harz: Unser sommerliches Wanderabenteuer (Teil 2)

Den ersten Teil unseres Wanderurlaubs im Harz verbrachten wir in Hohegeiß bei Braunlage. Zum Quartier möchte ich gar nicht allzu viele Worte verlieren – außer vielleicht ein gut gemeinter Tipp für eure nächste Reiseplanung: Schaut bei der Buchung lieber zweimal hin! Durch die Postleitzahl dachten wir nämlich, wir landen direkt im trubeligen Braunlage. Pustekuchen! Am Ende waren es 12 km, die unseren Ortteil von Braunlage trennten. Auch das Gebäude selbst… nun ja, verbuchen wir es unter der Kategorie „Augen auf beim Buchen“.

Aber um die Unterkunft soll es hier gar nicht gehen. Viel lieber möchte ich euch mitnehmen auf unsere Ausflüge, die dieses Mal fast ausschließlich aus fantastischen Wanderungen bestanden!

Bereits auf der Hinfahrt haben wir einen Zwischenstopp eingelegt, der uns total begeistert und perfekt auf den Urlaub eingestimmt hat. Wir haben das süße Städtchen Neustadt im Harz besucht. Von dort aus führte uns eine kleine, feine Wanderung zuerst zur Harzer Holzdampflok auf dem Galgenberg und direkt weiter zur Burgruine Hohnstein.

Die Holzdampflok ist ein echter Hingucker und hat eine coole Geschichte:

🚂 Faktencheck zur Lok: Das ist keine echte, schnaufende Eisenbahn, sondern eine riesige, komplett begehbare Dampflokomotive samt Waggon aus Holz! Sie ist den echten Loks der Harzer Schmalspurbahnen nachempfunden und dient als genialer Rastplatz. Das Beste daran: Der Stempelkasten der Harzer Wandernadel (Stempelstelle 99) befindet sich in der Lok! Ursprünglich stand sie mal woanders, zog aber nach Vandalismus im Spätsommer 2020 auf den Galgenberg um. Von hier oben hat man einen fantastischen Blick auf die Karstlandschaft und unser nächstes Ziel… der Burgruine Hohnstein.

Diese wunderschöne Burganlage ist komplett kostenfrei zugänglich und ein echtes Paradies für alle, die gerne fotografieren oder auf Entdeckungstour gehen.

💡 Kleiner Fun-Fact zur Burg: Die Ruine Hohnstein thront auf einem steilen Porphyrfelsen und ist mit rund 140 Metern Länge eine der größten Burganlagen im gesamten Harz! Sie ist fast 1.000 Jahre alt und überstand im Laufe der Jahrhunderte etliche Belagerungen, bis sie im Dreißigjährigen Krieg tragischerweise durch ein Feuer zerstört wurde.

Wir hatten dort oben eine großartige Zeit, haben die alten Mauern erkundet und geniale Fotomotive entdeckt.

An der Holzdampflok und der Burgruine gab es dann auch direkt die ersten beiden Stempel für unseren Wanderpass! Ab da war unser sportlicher Ehrgeiz geweckt: Mindestens Bronze (8 Stempel) sollte es werden, insgeheim schielten wir aber natürlich schon auf Silber (16 Stempel).

Grenzenlose Natur und ein mysteriöser Lost Place

An einem der nächsten Tage stand eine ausgiebige 20-Kilometer-Tour auf dem Plan. Es ging von unserem Quartier in Hohegeiß über Sorge und Tanne nach Benneckenstein und wieder zurück. Kurz vor Sorge stießen wir auf ein echtes Highlight: die ehemalige Johanniter-Heilstätte. Ein absolut faszinierender Lost Place mitten im Wald! Markus wird euch in den nächsten Tagen in einem eigenen Beitrag noch ausführlich von diesem Abenteuer berichten. Ich kann euch nur so viel verraten: Es war unheimlich spannend und ein Erlebnis, das uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Weiter ging es für uns entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Der Weg führte uns vorbei an herrlich bunten Sommerwiesen und einem idyllischen Haltepunkt der Dampfbahn bis nach Benneckenstein. Dort wartete eine kleine Belohnung auf uns: der Sonderstempel am berühmten „Roten Sofa“.

Auf historischen Pfaden: Der Harzer Grenzweg

Ein weiteres Highlight war eine geführte Tour, die wir über die Touristinformation Hohegeiß gebucht hatten: „Harzer Grenzweg und Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn“. Zusammen mit unserem Guide Alex, acht weiteren Wanderbegeisterten und dem quirligen Parson Russell Terrier „Urmel“ machten wir uns auf den Weg.

Wir wanderten direkt auf dem Harzer Grenzweg und dem berüchtigten Kolonnenweg.

🌍 Spannend zu wissen: Wo wir heute entspannt wandern, verlief früher der eiserne Vorhang. Heute ist dieser ehemalige Todesstreifen Teil des „Grünen Bandes“ – dem größten gesamtdeutschen Naturschutzprojekt. Weil das Grenzgebiet über 40 Jahre lang kaum von Menschen betreten werden durfte, hat sich dort ein einzigartiger Rückzugsort für seltene Tiere und Pflanzen entwickelt!

Unser Weg führte uns vorbei am Freiland-Grenzmuseum in Sorge. Der alte Grenzzaun, die originalen Grenzsäulen und ein echter Beobachtungsturm (Typ BT-11) zu sehen, war extrem beeindruckend und gleichzeitig ein echtes Mahnmal der deutschen Geschichte. Gerade für die jüngeren Wanderer in unserer Gruppe war das ein sehr lehrreicher Moment.

Das kleine Grenzmuseum am Bahnhof hatte leider geschlossen, aber dafür ging es für uns eine Station lang mit der historischen Dampflok weiter nach Benneckenstein. Von dort aus wanderten wir – teils wieder auf den alten Betonplatten des Grenzweges – die restlichen Kilometer zurück nach Hohegeiß. Am Ende des Tages hatten wir stolze 14 Kilometer auf dem Tacho!

Die Königsdisziplin: Hinauf zum Brocken

Am letzten Tag des ersten Urlaubsteils wollten wir es noch einmal wissen: Der Brocken rief! Mit dem Bus fuhren wir bis Oderbrück. Von der „Kaffeeklappe“ aus wanderten wir durch ein ausgetrocknetes Flussbett hinauf zur Achtermannshöhe und weiter über den „Dreieckigen Pfahl“ und den „Eckersprung“ Richtung Gipfel. Da die Route teilweise parallel zu den Schienen verläuft, konnten wir die schnaufende Brockenbahn gleich mehrmals aus nächster Nähe beobachten und fotografieren.

Nachdem wir den Gipfel gestürmt, uns umgeschaut und kurz verschnauft hatten, wählten wir für den Abstieg eine neue Route – alles andere wäre ja langweilig gewesen! Es ging über das urige und extrem steinige Eckerloch hinab nach Schierke, von wo uns der Bus wieder zurückbrachte.

Ich muss zugeben: Das war landschaftlich wunderschön, aber definitiv die härteste Tour der ersten Woche. Das berühmte Fotomotiv mit dem Schild „Ich habe überlebt“ oben auf dem Brocken habe ich jedenfalls aus vollem Herzen gefeiert!

Ein kleiner Wermutstropfen war allerdings die Gastronomie auf dem Berggipfel. Die ist meiner Meinung nach leider kaum eine Empfehlung wert: total überlaufen, unfreundlicher Service und gesalzene Preise. Dass man an einem so heißen Sommertag am Trinkwasserspender tatsächlich einen Euro pro Liter einwerfen muss, finde ich fast schon eine Frechheit. Und im Kiosk kostete die Flasche stinknormales Wasser über 4 Euro – dafür gibt es von mir einen ganz klaren Daumen nach unten.

Ein kleiner Kulturausflug zum Schluss

Kulturell haben wir uns in dieser Woche etwas zurückgehalten und nur ein einziges Museum besucht: das Bergwerk „Grube Samson“ in St. Andreasberg. Um es kurz zu machen: Wir haben in anderen Regionen definitiv schon spannendere, modernere und informativere Führungen erlebt. Da war der Fokus in diesem Urlaub bei den Wanderungen einfach besser aufgehoben!

Das war er auch schon, der Bericht zum ersten Teil unseres Harz-Abenteuers. Freut euch schon auf die nächsten Posts – einmal wird es mystisch beim Lost Place und im nächsten Teil nehmen wir euch mit in die zweite Hälfte unseres Urlaubs!

Bis bald und happy Hiking!

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