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Auf Schusters Rappen durch den Harz: Ein „Lost Place“ mitten im Wald

Es soll ja Leute geben, die sich im Urlaub nur am Strand, am Pool oder in der Hotelanlage aufhalten. Dass wir nicht dazu gehören, sollte bekannt sein. Und dass wir ständig auf der Suche nach neuen und gern auch ungewöhnlichen Aktivitäten sind, lässt sich erahnen.

Lost Place in Sorge – die ehemalige Johanniter Heilstätte

Heute war es wieder soweit. Nach einem späten Start an unserem Wohnsilo (Augen auf bei der Buchung, sonst wohnt man im 17-Geschosser), ging es zur Tourist-Information von Hohegeiß und von dort aus über die ehemalige Grenze. Nach einigen Kilometern geradeaus über die wunderschön blühenden sommerlichen Wiesen mussten wir scharf links abbiegen und erreichten nach 500m unser unscheinbares Ziel. Ein mit fetten Ketten gesichertes Tor, welches zu einem umzäunten Gelände gehörte.

Nach einem Anruf bei einem Holländer wurde uns geöffnet und wir waren nicht die einzigen. Doch auf dem Gelände verlief es sich und so konnte unser Abenteuer beginnen. Doch wo waren wir nun? Auf dem Gelände der ehemaligen Johanniter-Heilstätte Sorge. Die 1902 eröffnete Lungenheilstätte hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nachdem Tuberkulos-Kranke dort in Abgeschiedenheit behandelt wurden, zwei Weltkriege überstanden und auchdie nachfolgende Zeit zum Wohle der Kranken genutzt wurde, endete dieser Abschnitt 1967.

Die Lage im absoluten Sperrgebiet nahe der Grenze zur BRD brachte eine Umnutzung ausschließlich für Angehörige der NVA mit sich. Bis zur politischen Wende blieb die Nutzung als NVA-Kurheim bestehen, bevor die Nutzung in den 1990er Jahren, trotz einiger sinnvoller Pläne, endgültig eingestellt wurde.

Die folgenden Jahre brachten Verfall mit sich, das Gelände überwucherte, Dächer stürzten teilweise ein, Nässe und mangelnde Pflege ließen die Struktur langsam verfallen.

Dass man diesen verlassenen Ort, neudeutsch “Lost Place” nun besuchen kann, liegt an den neuen Eigentümern. Ausdrücklich auf eigene Gefahr kann man das Gelänge und ebenso die Gebäude besuchen. Vom Keller bis zu den teils eingestürzten Dächern sind 4 Gebäude (wenn wir richtig gezählt haben) begehbar. Für uns war das ein besonderes Erlebnis, mit den Kindern durch alte Treppenhäuser, ehemalige Patienten- und Arztzimmer, einen großen Speisesaal und weitere Räume zu schleichen. Das Hauptgebäude war dabei das interessanteste. Mehrere Etagen sind begehbar, teils eingestürzt, teils voll erhalten. Über die ehemalige Nutzung der einzelnen Räume ließ sich an vielen Orten nur vermuten, was dem Erlebnis weitere Tiefe verlieh.

Neben der Erkundung selbst entstanden viele Bilder in dem zuweilen gruseligen und morbid anmutenden Gebäude. Für 5€ pro Erwachsenen hatten wir etwa zwei Stunden ein sehr besonderes Erlebnis, welches abenteuerlustigen und risikoaffinen Besuchern auf jeden Fall zu empfehlen ist. Wie lange, bedingt durch den fortschreitenden Zerfall, das noch möglich sein wird, ist hierbei fraglich.

Im schlimmsten Fall muss man sich etwas Neues suchen, oder eben am Strand, Pool oder im Hotel bleiben.

(Bericht und Fotos: Markus Ezold)

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