Auf diesem Blog dreht es sich rund um Bücher, Rezensionen, Buchvorstellungen, Interviews und das Kochen von leckeren Speisen aus Topf und Pfanne.

Gedankensplitter: Warum Rezensionen für einen Autoren so wichtig sind …

An einem Morgen glaubte ich meinen Augen nicht trauen zu können: Ein Buch, dass ich sehr mochte, hatte über Nacht gleich dreimal eine Ein-Sterne-Rezension kassiert. Geschmäcker sind verschieden, aber was mir sich nach einigen weiteren Mausklicks zeigte, konnte ich erst nicht glauben.

Die Rezensenten gingen die Autorin beinahe persönlich an, die Kritik passte überhaupt nicht zum Inhalt, war also sachlich falsch und noch interessanter: Alle drei Rezensenten hatten vorher niemals ein anderes Buch beurteilt.

Wie gesagt, Geschmäcker sind verschieden, aber eine konstruktive negative Kritik sieht anders aus. Hier scheinen andere Faktoren eine Rolle zu spielen, über die ich lieber nicht weiter nachdenke. Neid? Hass? Langeweile? Mir fehlt die Fantasie, darüber weiternachzudenken und mein Weltbild ist schon genug ins Schwanken gekommen.

Das Buch hat nun bei amazon einen ganzen Stern weniger und das Ranking verschlechtert sich abrupt, es werden also deutlich weniger Bücher verkauft. Die 1 Sterne Rezensionen haben trotz der älteren, begeisterten anderen Rezensionen ein Etappenziel erreicht. Mir hat das keine Ruhe gelassen und ich habe mich umgesehen und festgestellt, dass es dieses Phänomen bei vielen Büchern gibt. Leute, die noch nie vorher ein Buch rezensiert haben, äußern sich extrem negativ, teilweise mit verletzenden Worten und verraten dabei gleichzeitig durch die Verbreitung von Unwahrheiten, dass sie das Buch gar nicht gelesen haben können.

Ich habe mich gefragt, was man gegen solche (widerlichen) Attacken tun kann. Und wie wichtig solche negativen aber auch positiven Rezensionen eigentlich für Autoren sind. Daher habe ich einige „meiner“ Autoren diese Frage gestellt und die Antworten waren sehr interessant.

Nicht für jeden Autoren sind Rezensionen wichtig. So schreibt eine Autorin:

»… Da sind mir die Rezensionen wichtig, die von Lesern kommen, die ich persönlich kenne oder die schon mehr von mir gelesen haben. Warum? Solchen Lesern und deren Meinung traue ich mehr über den Weg, als wildfremden Menschen. Und da ist es mir auch egal, ob die Meinung positiv oder negativ ausfällt. Schön ist es natürlich, wenn ein Leser ein, zwei Punkte genau benennen kann, die ihm besonders gefallen oder nicht gefallen haben. Das muss aber nicht zwingend ausführlich sein. Knapp und treffend geht auch. Rezensionen, die aus drei Sätzen bestehen, egal wie, nehme ich zur Kenntnis, mehr nicht.

Sind Rezensionen wichtig für mein Schreiben? Nein. Sie sind hinterher eine sehr schöne oder auch interessante Begleiterscheinung, aber sie beeinflussen mich nicht darin, wie ich meine Geschichten schreibe. Fazit: Für mich persönlich spielen Rezensionen keine sehr große Rolle.«…

Eine weitere Autorin äußerte sich dahin gehend:

»… Bislang hatte ich noch nicht den Eindruck, dass jemand eine Rezension über mein Buch geschrieben hat, ohne es vorher gelesen zu haben, daher kann ich dazu gar nichts sagen. Ich frage mich aber schon, warum jemand das tun sollte. Einfach nur, weil er das Buch im Schnitt „runterbewerten“ will? Und wenn ja, warum? Das fände ich natürlich blöd, denn um ein Buch wirklich bewerten zu können, muss man es ja schon gelesen haben.

Was ich von Rezensionen erwarte? Hm. Es ist schon schön, wenn man merkt, dass der Rezensent sich mit dem Buch auseinandergesetzt und sich wirklich Gedanken darüber gemacht hat. Ich finde es toll, wenn er oder sie sich viel Zeit dafür genommen und Mühe damit gemacht hat, und ich bewundere das auch sehr. Ich erwarte das aber nicht unbedingt, denn jeder muss ja selber wissen, wie viel Zeit er oder sie in seine Rezension steckt. Also wenn jemand einfach nur schreibt „Ich fand das Buch total schön, lustig, romantisch und empfehle es jedem weiter“, freut mich das natürlich auch sehr.

Aber doch, ich erwarte schon, dass jemand das Buch tatsächlich gelesen hat, wenn er eine Rezension darüber schreibt. Beziehungsweise finde ich es auch ok zu sagen: „Ich habe nach der Hälfte abgebrochen, weil ich es so scheiße fand, dass ich es nicht mehr ertragen konnte“. Schön ist das zwar für mich als Autorin nicht, aber wie gesagt. Jedem das seine …«

Eine dritte schrieb mir ebenfalls eine sehr lange Mail und bezog einen eindeutigen Standpunkt:

»Kritik ist wichtig, die bringt einen weiter, aber nur, wenn sie einigermaßen konstruktiv ist. Ein einfaches „Buch gefällt mir nicht“ kann ich nur akzeptieren, aber es hilft mir nicht, mögliche Schwachstellen zu finden. Aber unterschiedlicher Geschmack ist absolut in Ordnung.

Immer mehr Bücherverkäufe und natürlich der gesamte eBook-Markt spielen sich im Internet ab, dadurch werden Rezis immer wichtiger. Ich freue mich sehr über begeistertes Feedback in Form von Mails oder auf Facebook, wünschte mir aber manchmal, diese Leser würden auch bei amazon und Co. ein paar Sternchen vergeben. Dem Käufer im Laden sind die Rezis egal, aber welcher Autor schafft es heute schon noch, in den Läden ausreichend präsent zu sein? Wenige!

Eine Sache verwundert mich jedoch: Vernichtende, unsachliche Ein-Sterne-Rezis von Leute, die gerade mal ein Buch rezensiert haben. Genau dieses. Meins! Oder noch einen Scheibenwischer.

Meistens zeigt der Inhalt dieser Rezis, dass sie das Buch gar nicht gelesen haben, denn er stimmt einfach sachlich nicht. Warum tut jemand so etwas? Neid? Hass? Egal, leider hat man als Autor keine Chance, darauf zu reagieren, denn das gilt als no-go, sich dazu zu äußern *steckt den verbalen Knüppel wieder weg* Da kommt dann aber wieder der Wunsch hoch: liebe Leser, wenn ihr das Buch mochtet, gebt ihm doch gerne 4 oder 5 Sterne. Es reicht ein Einzeiler dazu oder wenige Worte wie spannend, interessant, konnte es nicht weglegen. Niemand erwartet eine wissenschaftliche Abhandlung. Und wir Autoren freuen uns sehr über Feedback. «

Drei weitere Autorinnen antworteten ebenfalls auf meine E-Mail und schrieben mir:

»Natürlich ist es niederschmetternd, wenn man eine 1 Sterne Rezi bekommt, besonders wenn sie frech und dreist und dazu noch inhaltslos ist. Zu Beginn meiner Schreiberei haben mich  Negativ-Rezis sehr runtergezogen. Mittlerweile lese ich sie und hake sie gleich wieder ab. Ich schaue aber grundsätzlich, was der Rezensent sonst so liest und stelle oft fest, dass es sich oft um einen Allgemein-1 Sterne.Rezensenten handelt, der alle bisherigen Bücher schlecht bewertet hat. Dann juckt es mir in den Fingern und möchte ihm/ihr für die Zukunft ein anderes Genre empfehlen. (Lasse es aber dann) Auch ärgern mich manche 5 Sterne Rezis, wenn der Verfasser den ganzen Inhalt der Geschichte nennt. Ob Rezis wichtig sind? Ja, sogar sehr wichtig. Sie sind der wahre Lohn der Autoren.«

sowie

»Vor allem erwarte ich natürlich von einem Rezensenten, dass er das Buch gelesen hat. Allerdings hab ich oft – gerade bei Presseleuten – erlebt, dass die höchstens den Klappentext oder quer gelesen haben, denn ihre Texte waren sachlich unrichtig, sie nannten falsche Namen, falsche Verknüpfungen.

Ob einem ein Buch gefällt, ist ja eine sehr persönliche Entscheidung. Ich erwarte also keinesfalls nur positive Stimmen. Schwierig finde ich nur, wenn offensichtlich der Leser/Rezensent eine falsche Erwartungshaltung hatte, die von dem kritisierten Buch nicht erfüllt wurde und nun ist er sauer und verreißt das Werk.

Ich denke da z.B. bei meinen bewusst als Gourmetkrimis bezeichneten Büchern an Leute, die sich darüber empören, dass Kochen und Essen so eine große Rolle darin spielen.

Ansonsten freu ich mich natürlich, wenn Leser meine Krimis mögen, finde es aber auch normal, wenn sie Leuten nicht gefallen. Nur unsachliche, beleidigende Rezensionen lehne ich ab.«

Fazit: Wenn euch ein Buch gefallen hat, nehmt euch die Zeit und klickt ein paar Sterne an. Niemand erwartet eine professionelle Rezi, wie einige Blogger sie veröffentlichen, ein, zwei Sätze oder Wörter (spannend, konnte es nicht weglegen) reichen völlig und sind für den Autoren nicht nur ein tolles Feedback, sondern auch in der Außenwirkung gegenüber potentiellen Käufern und auch dem eigenen Verlag ein sehr wichtiges Zeichen. Und ganz nebenbei machen wir diese Trolle mit ihren Hasstiraden auch noch lächerlich.

Und nun meine Frage an Euch: Verratet ihr mir, wie wichtig sind Euch als Leser Rezensionen? Lasst ihr Euch beim Kauf eines Buches von den Rezensionen beeinflussen?

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3 thoughts on “Gedankensplitter: Warum Rezensionen für einen Autoren so wichtig sind …

  1. Was für ein schönes (und auch schon viel diskutiertes) Thema!

    Ich selber habe mich auch schon über solche Rezensionen geärgert, besonders wenn aus dem Text klar wird, dass das Buch nicht einmal gelesen wurde.

    Für mich selber sind die Bewertungen für die Kaufentscheidung sehr wichtig, besonders wenn es ein für mich fremder Autor ist. Dabei kommt es aber für mich nicht auf die Sternenzahl an sich an.

    Die typischen Ein-Satz-Rezensionen bringen mir gar nichts. Da schaue ich überhaupt nicht mehr hin.
    Was soll mir ein Satz wie „Das Buch ist total supi!!!!“ oder „Das war das Schlechteste, was ich ich je gelesen habe.“ bringen? Überhaupt nichts.

    Nur längere Texte mit einer begründeten Meinung sind mir einen Blick wert.
    Dann lese ich meist ein, zwei Rezensionen mit fünf Sternen, ein, zwei mit einer mittleren Sternebewertung (meistens mit drei Sternen) und dann noch ein paar Ein-Stern-Rezensionen.

    Somit bekommt man einen guten Überblick, finde ich.
    Denn tatsächlich ist es so, dass Bücher nicht nur von Neidern mit einem Stern abgewertet werden, sondern wie Leenchen schon richtig bemerkt hat, bekommen viele Bücher auch Gefälligkeitsrezensionen, denen man nicht trauen kann. Aus diesen Grund sollte man immer mehr als eine Rezension lesen.
    Außerdem bekommt man zumindest als Vielleser schnell einen Blick für gefakte Rezensionen.

    Oft habe ich aber sogar aufgrund einer (ehrlichen) Ein-Stern-Rezension ein Buch bestellt, denn was den Einen stört, ist ein Kaufgrund für den Anderen.

    Deshalb an alle Autoren: Ärgert Euch nicht und ignoriert so etwas einfach.

  2. Als Leser bin ich vorsichtig mit Rezi, vor allem wenn sie positiv oder negativ stark vom Durchschnitt abweichen. Das ist natürlich durch meine Erfahrungen als Autor bestimmt. Den Gipfel finde ich übrigens, dass Amazon „hilfreichste positive Kritik“ und „hilfreichste negative Kritik“ gegenüberstellt, auch wenn letztere eine Außenseitermeinung ist. Wenn man also 10 gute Bewertungen erhält und einer kotzt sich aus, so wird letzter ganz prominent in der Überschrift aufgeführt.

    Liebe Grüße
    Franziska Franke

  3. Hallo Katja,

    nun, das Phänomen, welches du hier schilderst ist leider allzu bekannt und es gibt natürlich auch die andere Seite, wenn Autoren und Verleger „normale“ Rezensenten verbal fertig machen. Von daher finde ich den Kommentar, nicht auf so etwas als Autor zu reagieren wunderbar, denn das macht es nur noch schlimmer.

    Ich selber schaue lieber auf Goodreads oder Literaturschock, was meine Freunde oder Gruppenmitglieder zu den Büchern schreiben, denn da weiß ich, dass ich a) nicht gespoilert werde und b) eine objektive Meinung erhalte, außerdem kann ich da auch diskret nachfragen, sollte ich mich nicht entscheiden können.

    Bei Amazon schaue ich mir die Bewertungen nur noch bei kostenlosen E-Books an, denn leider bin ich da einfach zu oft hereingefallen auf sogenannte 5-Sterne-Bücher, wo die Sterne dann von Familie und Freunden kamen. Allerdings achte ich da schon auf den Inhalt. Wenn jemand schreibt, dass das Buch vor Rechtschreibfehlern strotzt, dann ist das schon ein Zeichen dafür, dass derjenige wenigstens die ersten Seiten gelesen hat. Geht es dann noch tiefer zu den Charakteren oder zur Storyline, bilde ich mir mein Urteil, ob das Buch was für mich wäre oder nicht. Bei kostenpflichtigen Bücher siehe oben, da hole ich mir mein Bewertungen wo anders.

    Selber bewerte ich bei Amazon gar nicht, ich will einfach nicht, wahrscheinlich aus dem selben Grund, warum ich Facebook nicht beitrete … keine Ahnung, es schreckt mich einfach ab.

    Auf meinem eigenen Blog schreibe ich leider viel zu wenig, das liegt zum Teil daran, dass ich es noch nicht gewohnt bin, meine Gedanken in größeren Abschnitten zu gestalten und auch, dass mir dafür mitunter die Zeit und der Elan fehlt (ich denke mal, du weißt warum ;)).

    Wie man jetzt dieses Dilemma mit den Amazon-Bewertungen umgeht? Ach ich weiß auch nicht. Ist es möglich in der Bewertung einen Link zum Blog-Beitrag zu posten? Oder, dass die Autoren vermehrt Blog-Beiträge verteilen? Ich weiß es wirklich nicht.

    Liebe Grüße

    dein Leenchen

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