Auf diesem Blog dreht es sich rund um Bücher, Rezensionen, Buchvorstellungen, Interviews und das Kochen von leckeren Speisen aus Topf und Pfanne.

Im Gespräch mit … Andrea Mertz

Andrea Mertz

Andrea Mertz war für mich auch mal wieder eine unbekannte Autorin, bis ich von Ihr „Raven“ lesen durfte. Neugierig geworden auf die Autorin und die Vorteile, Bücher in einem kleinen Verlag zu veröffentlichen, fragte ich Sie nach einem Interview und durfte sie tatsächlich mit meinen Fragen  bombardieren.

Katja: Erzähl uns doch erst einmal etwas über Dich? Bist Du eher der ruhige oder der quirlige Typ?

Andrea: Ich bin eher der quirlige Typ mit vielen Ideen, der gern lacht, etwas unternimmt und manchmal richtig kindisch sein kann. Ein Mensch, der Gleichgesinnte Leute um sich schart und mit offenen Augen durchs Leben geht. Natürlich weiß ich auch ruhige und entspannte Momente zu schätzen. Die richtige Mischung macht´s.

Katja: Womit kannst Du Dich so richtig entspannen, wenn es mal wieder stressig wird und scheinbar die ganze Welt gleichzeitig etwas von Dir will?

Andrea: In stressigen Zeiten versuche ich, die Dinge strukturiert und möglichst gelassen anzugehen. Eins nach dem anderen abzuarbeiten, ohne die Übersicht zu verlieren. Nach den letzten Jahren, die teilweise recht hart für mich waren, kann mich nicht mehr viel aus der Fassung bringen. Entspannung finde ich dann z.B. beim Kuscheln mit meinen 3 Haustieren, einem Spaziergang an der frischen Luft, einem Treffen mit guten Freunden oder einem gemütlichen Abend mit meinem Lebensgefährten. Auch ein Kurzurlaub, je nach Lage des Geldbeutels, ist eine tolle Sache, eine kleine Flucht aus dem Alltag. Eine positive Einstellung zum Leben mit allen Höhen und Tiefen macht zudem Dinge einfacher.

Katja: Womit kann man Dich so richtig ärgern und womit einfach nur glücklich machen?

Andrea: Ungerechtigkeit jeder Art ärgert mich. Intoleranz, Bösartigkeit, Hochmut. Es gehört nicht viel dazu, mich glücklich zu machen. Es sind die kleinen, feinen Dinge des Lebens, über die ich mich freuen kann. Ein Lächeln, eine Umarmung, eine schöne Blume, Sonnenschein, ein ernst gemeintes Kompliment. Man muss sich dazu mit anderen Menschen freuen können, denn das Glück anderer strahlt auf uns zurück.

Katja: Wann kam für Dich der Moment als Du gesagt hast „Ich schreibe selber?“ Schwirrten da dutzende Ideen durch Deinen Kopf oder ging Dir gerade Dein bevorzugter Lesestoff aus?

Andrea: Das Bedürfnis, selbst ein Buch zu schreiben, habe ich schon als Teenager verspürt. Lesen und Schreiben sind Leidenschaften, die für mich Hand in Hand gehen, sich ausweiten und vertiefen. Ein Stück von mir und wichtiger Bestandteil meines Lebens.

Katja: Wie viele Deiner Expose’s / Manuskript musstest Du verschicken, ehe ein Verlag zugegriffen hat? Wie entscheidet man sich für den in den Augen des Autoren „richtigen“ Verlag? Ist es eher eine Bauchentscheidung? Oder spielen auch andere Sachen eine Rolle?

Andrea: Es ist ausgesprochen schwer, bei einem guten und renommierten Verlag unterzukommen, wenn man weder einen bekannten Namen trägt noch Verbindungen besitzt. Schätzungsweise 30 Exposés habe ich verschickt, bevor ich meinen ersten Verlag gefunden habe. Aus heutiger Sicht würde ich vielleicht das ein oder andere anders machen. Wichtig sind der Glaube an sich selbst, Hartnäckigkeit und etwas Glück dazu. Beim Sieben-Verlag war es eine Bauchentscheidung. Ich fühlte mich gleich gut aufgehoben, das hat sich bis heute nicht geändert.

Katja: Wie lange dauerte es von der Idee über das Manuskript bis hin zum fertigen Buch? Hast Du viele Ideen / Manuskripte in der Schublade?

Andrea: Das ist unterschiedlich und abhängig von Zeit, terminlichen Vorgaben sowie den Dingen des Lebens, die verzögern oder die Schreiblust forcieren können. Ich kann leider nicht auf Knopfdruck funktionieren oder mich zwingen, kreativ zu sein. Aktuell arbeite ich am zweiten Band der Shadow Force. Ideen gibt es dazu viele … in meinem Kopf. Und sie wollen heraus.

Katja: Du hast Dich ja für einen doch recht kleinen Verlag entschieden. Was sind Deiner Meinung nach die Vorteile in einem kleinen Verlag gegenüber den größeren Verlagen?

Andrea: Das kann ich leider nicht beurteilen, da ich bis dato mit keinem der wirklich großen Verlage zusammengearbeitet habe. Beim Sieben-Verlag gefallen mir die faire Behandlung, die höchst qualifizierte und familiäre Betreuung sowie der persönliche Austausch mit konstruktiver Kritik, die mich im Schreiben stetig verbessert. Wir lernen schließlich immer dazu. Der Sieben-Verlag hat sich zudem darauf spezialisiert, begabten deutschen Neuautoren eine Chance zu bieten, ihr Können zu zeigen. Das allein finde ich äußerst bemerkenswert und herausragend in einer Welt, die das schnelle Geld propagiert. Mich beeindruckt die wirklich harte und schwierige Arbeit des Teams in einem Markt der Verlags-Giganten wie z.B. der Random House Gruppe. Allein die Marketingetats, Kontakte und Möglichkeiten dieser Verlage und Verlagsgruppen sind enorm und dazu länderübergreifend.

Katja: Was mir persönlich aufgefallen ist, ist die Tatsache das in einem kleinen Verlag die Bücher teurer sind als bei kleinen Verlagen. Zudem ist das Format ganz anders und die Bücher sind im örtlichen Buchhandel nicht zu finden. Sind das die Nachteile? Wie denkst Du darüber?

Andrea: Letztlich müssen das die Leserinnen und Leser beurteilen. Meiner Meinung nach müssen wir  weg von den Grabbeltischen und günstig verramschten Romanen. Kleinere Verlage sind gezwungen, ganz anders zu kalkulieren als große oder mittlere Verlage. Die Herstellung von Print-Büchern kostet einen Kleinverlag i.d.R. mehr als einem Großverlag. Das Interessante daran ist, dass Kleinverlage, obwohl ihre Print-Versionen teurer im Verkauf sind, letztlich oftmals am Ende weniger am Verkauf verdienen als Großverlage an ihren günstigen Taschenbüchern.

In einer multimedialen Welt gibt es viele Möglichkeiten, ein Buch online zu erwerben. Dazu kann der örtliche Buchhandel die Bücher problemlos für Kunden bestellen. Der Sieben-Verlag bietet handverlesene Autoren und Qualität „Made in Germany“ zu angemessenen, fairen  Preisen. Die EBooks sind dazu deutlich günstiger. Junge Autoren werden unterstützt und der Markt mit ihren tollen Romanen bereichert, die ansonsten wahrscheinlich ungelesen geblieben wären. Das ist nach meiner Ansicht ambitioniert, mutig und verdient unsere Unterstützung.

Eine geringere Seitenzahl sollte übrigens nicht abschrecken, da weniger Seiten nicht gleich weniger Inhalt bedeutet. Der Sieben-Verlag publiziert im papiersparenden Tradepaperback-Format, was ein größeres Format als handelsübliche Taschenbücher und einen platzsparenden Satz beinhaltet, und somit den Preis tatsächlich so klein wie möglich hält. Im Vergleich mit einem handelsüblichen Großverlags-Taschenbuch kann man sagen, dass ein 200 Seiten-Tradepaperback im Sieben Verlag einem Taschenbuch von ca. 400 Seiten entspricht, somit ist das Gefühl ein kürzeres Buch zu haben tatsächlich nur ein Gefühl und entspricht nicht der Realität. Ich selbst finde die Printversionen ansprechend, handlich, qualitativ hochwertig und die Cover sind ein reiner Augenschmaus. Wenn man dabei noch die Umwelt schonen kann und keine inhaltlichen Nachteile hat … warum nicht?!

Katja: Was meinst Du, warum werden die kleinen Verlage in Buchhandlungen so stiefmütterlich behandelt? Und warum hast du Dich trotzdem für den Sieben-Verlag entschieden?

Andrea: Ich habe keine Ahnung. Vielleicht Bequemlichkeit? Unwissen? Desinteresse? Wahrscheinlich liegt es zum großen Teil daran, dass Kleinverlage sich kaum Verlagsvertreter leisten können, welche die Bücher in den Läden anbieten. Wobei hier Zeitmangel der Buchhandels-Mitarbeiter sich online über interessante Kleinverlagstitel zu informieren sicher auch eine Rolle spielt. Denn auf der Webseite des Verlags gibt es alle relevanten Hinweise für den örtlichen Buchhandel mit mehreren Möglichkeiten und Kontaktdaten. Doch die Mühe machen sich in der Tat die wenigsten. Daher sind hier die Leser, die vor Ort Kleinverlagstitel im Laden bestellen, eine große Hilfe, auf den Verlag aufmerksam zu machen. Es gibt schon einige kleinere Buchläden die sich Sieben Verlags Bücher regelmäßig hinlegen, aber die großen Ketten sind nicht darunter. Es kommt immer darauf an wie engagiert der Buchhändler ist. Ich selbst stehe hinter der Philosophie des Sieben-Verlags und bin dankbar für die Chance, die mir gebotenen wurde. Die Vielfalt und Unabhängigkeit der Verlage sind wichtig. Ich hoffe daher, dass kleinere Verlage am schwierigen Markt bestehen können.

Katja: Was geht in einer Autorin vor, wenn sie das erste Mal IHR Buch bei Amazon findet? Die erste Rezension dazu liest? Hofft man inständig, dass die Leute es lieben oder rechnet man auch mit harschen Kritiken?

Andrea: Das ist ein tolles Gefühl. Glücksgefühle und Stolz. Man hofft immer, dass das „geistige Kind“ geliebt und geschätzt wird. Aber man kann es nicht jedem Leser und jeder Leserin recht machen. Mit fairer Kritik kann ich daher gut leben.

Katja: Wie gehst Du mit Kritik um? Hakst Du das einfach ab oder setzt Du Dich mit der Kritik, den Kritikpunkten auseinander?

Andrea: Ich setze mich natürlich mit Kritik auseinander, greife auf und überlege, was ich gegebenenfalls verbessern kann. Kritik sollte allerdings fair und konstruktiv sein. Das ist nicht immer der Fall. Damit muss man dann leben.

Katja: Welche nächsten Projekte stehen bei Dir auf dem Plan? Woran arbeitest Du gerade und worauf dürfen sich Deine Leser freuen?

Andrea: Aktuell arbeite ich am zweiten Band der Shadow Force. Dazu engagiere ich mich mit weiteren Autorinnen und Autoren unentgeltlich für den Tierschutz. In Zusammenarbeit mit dem NABU entsteht eine Anthologie zum Thema Wolf mit Kurzgeschichten. Erlöse werden gespendet.

Katja: Wie muss sich der Leser Deinen Arbeitsplatz vorstellen? Hast Du ein richtiges Arbeitszimmer in das Du Dich zurück ziehen kannst? Oder nur eine kleine Schreibecke im Wohnzimmer? Herrscht da eher Chaos oder strukturierte Ordnung?

Andrea: Eigentlich habe ich ein Arbeitszimmer. Tatsächlich sitze ich beim Schreiben zumeist am Wohnzimmer- oder Esstisch umzingelt von meinen beiden Stubentigern. Sie sind gern dabei und kuscheln sich an mich – wie jetzt auch 🙂 Chaos herrscht bei mir nicht, ich mag´s lieber aufgeräumt.

Ich bedanke mich bei Dir, liebe Andrea, für die interessanten Antworten auf meine Fragen und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg bei all Deinen Projekten.

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