Auf diesem Blog dreht es sich rund um Bücher, Rezensionen, Buchvorstellungen, Interviews und das Kochen von leckeren Speisen aus Topf und Pfanne.

Reiterferien in Mecklenburg-Vorpommern

Unsere Tochter Florentine, genannt Flo, ist eine begeisterte Pferdnärrin und wann immer es möglich ist, möchte Sie rauf aufs Pferd und reiten. Aber auch Stallarbeit und Putzen machen ihr nichts aus.

Durch Zufall haben wir im Oktober 2021, während der ersten Herbstferien, den Erlebnisreiterhof Bernsteinreiter in Hirschburg entdeckt, wo für Kinder ab 6 Jahren der „Tag im Pferdestall“ angeboten wird. Wir haben ihr das ermöglicht und … nun ja, was soll ich sagen. Sie war so begeistert davon, dass es ihr größter Wunsch danach war, dort eine Woche Reiterferien zu verbringen.

Und so geschah es dann auch: Sie durfte die erste Woche im August 2022 auf dem Erlebnisreiterhof verbringen.

Für die kleinen und großen Pferdefreunde im Alter von 6 bis 16 Jahren beginnt der jeweilige Durchgang in einer Gruppenstärke von max. 45 Kindern immer sonntags und endet dann in der Woche darauf am Freitag.

So stellten wir uns am Sonntag gegen 15 Uhr mit dutzenden anderen Eltern und Kindern in einer langen Schlange vor der Anmeldung an. Eine Stunde dauerte es, bis wir es in die Anmeldung geschafft hatten. Bei brütender Hitze und leider nur einem Mitarbeiter in der Anmeldung kein Spaß.

Tino Leipold, Chef des Erlebnishofes Hirschburg, nahm Eltern und Kinder in Empfang, kassierte und gab die wichtigsten Informationen. Stammgäste hatte die Möglichkeit, ihr Wunschpferd zu benennen. Neulinge wie unsere Florentine wurde nach den Reitkenntnissen befragt.

Schon gleich nach der Anmeldung begann der erste Teil des straffen Programmes: es gab eine Hofführung, das Vorreiten zum Aufteilen der Gruppen und der Pflegepferde sowie einen Schönheitswettbewerb „Wer putzt am schönsten sein Pony“.

Da Florentine eine der jüngeren Teilnehmer war und wenig Pferdeerfahrung hat, teilte sie sich die Ponystute „Biene“ mit drei weiteren Kindern und belegte beim Schönheitswettbewerb gleich einen wunderbaren 5. Platz (von 9 Gruppen).

Die folgende Woche war für unsere noch nicht ganz achtjährige Tochter anstrengend und fordernd, aber auch wunderschön.

Jeden Tag hieß es zeitig aufstehen, denn wir mussten jeweils 35 Minuten fahren, ehe wir auf dem Reiterhof ankamen. Es gibt auch Ferienwohnungen und Gästezimmer auf dem Hof, wenn man jedoch nicht frühzeitig bucht hat man da keine Chance. Und auch rundherum ist es schwer, in den Sommerferien etwas Bezahlbares zu finden.

Ihr Tag begann also um 9 Uhr und dann natürlich zuallererst mit Stalldienst. Das Vorbereiten der Pferde und Ponys für die geplanten Ausritte und den Reitunterricht stand dann ebenfalls täglich auf dem Programm, genauso wie der Theorieunterricht in Pferdekunde und Reitlehre. Es gab eine 2 stündige Fahrt mit dem Kremser sowie einen 90minütigen Ausritt durch die Ostseelandschaft. Aber auch das Spielen, Toben und Füttern der Tiere im Streichelgehege kam für die Kinder nicht zu kurz.

Die Tage waren abwechslungsreich gestaltet, vollgepackt und wir nahmen jeden Abend ein zufriedenes und glückliches, aber immer auch sehr fertiges Kind in Empfang.

Dennoch reichte abends dann immer noch die Kraft und die Freude auf und über die Pferde aus, um diese ausgiebig mit uns zu streicheln und mit dem dort angebotenen Pferderaufutter (Pellets u.ä. zwischen 2,50 Euro und 4 Euro – je nach Größe) oder Möhren (500 g für 1 Euro) und Apfel (50 Cent pro Stück) zu füttern.

Der längste und anstrengendste Tag für die Kinder war der Donnerstag, aber wahrscheinlich auch einer der schönsten. Zum einen legten die Kinder, sofern gebucht, ihre Prüfung zum jeweiligen Reitabzeichen ab, zusätzlich zum sonst üblichen Programm. Zum anderen kamen abends die Reiterferienkinder vom zweiten Erlebnisreiterhof aus Barth nach Hirschburg auf den Hof um dann gemeinsam mit den vielleicht anwesenden Eltern einen schönen Grillabend zu verbringen. Bei Bratwurst, Stockbrot und Getränken konnten sich Kinder, Betreuer und Eltern miteinander unterhalten, zusammenfinden, einen entspannten Abend verbringen.

Highlight des Tages war dann die wunderschöne Pferdeshow der Bernsteinreiter. Wie schreiben die Veranstalter auf der Homepage so schön? Es erwarten Sie 90 Minuten pure Pferdestärken in sensationellen Schaubildern. Vom kleinen Shetlandpony bis zum edlen Trakehnerfohlen können Sie zahlreiche Pferde und Ponys in traumhaften und unterhaltsamen Szenenbildern bei mitreißender Musik und spektakulären Pferdedressuren bewundern.

Oh ja, das stimmt bis aufs letzte Wort. Es war tatsächlich eine wunderschöne Show, die wir da erleben konnten und als die wunderschönen Trakehnerfohlen mit den Mutterstuten die Halle stürmten ging so manches Seufzen durch die Reihen.

Am Freitag war dann der große Tag für die Ferienkinder … es gab noch einmal Stalldienst und dann wurden die Pferde und Ponys für die Wochenpräsentation fertiggemacht. Um 14 Uhr startete diese vor den Augen aller anwesenden Eltern und Großeltern. Moderiert von Tino Leipold und geteilt in 7 Gruppen – die drei kleinsten kamen gemeinsam rein – führten die Ferienkinder ihre Wochenprojekte vor und zeigten, was sie in der einen Woche gelernt hatten. Ich glaube, es gab kein einziges Elternteil, das nicht vor Stolz auf sein Kind geplatzt ist. Man konnte aber auch zurecht stolz sein.

Anschließend wurden die Erinnerungsurkunden, der Rittführerschein und – nach erfolgreichem Ablegen der Reitprüfung – auch die Reitabzeichen samt Urkunde überreicht.

Damit endete die sehr ereignisreiche Woche für unsere Tochter, die mit einem stolzen und glücklichen Grinsen im Gesicht mir im Anschluss noch mal „ihre“ Ponystute Biene präsentierte.

Aber auch wir drei: unser Sohn Max, mein Mann Markus und ich hatten viel Spaß auf dem Reiterhof. Auch wir haben ganz ausgiebig die Pferde gestreichelt und gefüttert. Max war sehr oft im Streichelgehege und hier im Hühnerstall zu finden, wo er eine ganz besondere Freundschaft mit Hahn „Gilbert“ schloss und ganz ausgiebig mit ihm kuschelte.

Am Donnerstag hatte dann Max seinen „Tag im Pferdestall“ und war am Abend glücklich ohne Ende. Der Tag im Pferdestall wird für Kinder ab 6 Jahren angeboten, geht von 10 bis 15 Uhr und enthält neben Theorieunterricht auch Pferdefütterung, Pferdepflege und zweimal Reiten – einmal direkt als Reitunterricht und einmal als kleines Ausreiten. Natürlich geht es auch hier zum Füttern in den Streichelzoo.

Und auch wir hatten am Donnerstag unseren großen Tag: den von mir so langersehnten Einsteigerausritt. Der richtet sich an eher ungeübten Reiter, da man da eine Stunde lang ganz gemütlich im Schritt durch die Umgebung des Reiterhofes reiten kann und dabei von Mitarbeitern des Reiterhofes begleitet wird.

Im vergangenen Herbst hatte ich den Ausritt schon einmal gemacht und war sowohl von der Betreuung durch das Team als auf von meiner Ponystute „Trude“ sehr begeistert gewesen.

Dieses Mal bekam ich das Norwegische Fjordpferd „Pedro“ zugeteilt und Markus die Stute „Aurelia“. Begleitet wurden wir von zwei anderen langjährigen Reiterinnen und Saisonkräfte des Reiterhofes. Während die 4jährige Trakehnerstute „Aurelia“ ein sehr ruhiges, ausgeglichenes und liebes Wesen hat, Markus geduldig trug und auf die leiseste Ansprache reagierte, passten Pedro und ich einfach nicht zusammen.

Ich als ungeübte Reiterin hatte seinem Dickkopf nichts entgegenzusetzen und so kam es, dass ich einmal halb unter ihm lag da ich nicht verhindern konnte, dass er sich mit mir auf dem Rücken auf dem Boden wälzen und so von lästigen Fliegen und Bremsen befreien wollte. Nachdem ich auch ein „ins Feld gehen und fressen“ im Anschluss nicht verhindern konnte habe ich ihn und mein angeknackstes Ego am Zügel zurück auf den Reiterhof geführt.

Und trotzdem, trotz der echt unschönen Erfahrung, bin ich einen Tag später noch einmal in den Sattel gestiegen. Für Markus, Max und mich hatte ich jeweils noch einmal eine Reitstunde gebucht. Und dank dem sehr geduldigen aber bestimmt auftretenden Reitlehrer Jacek und der zauberhaften Trakehnerstute „Winterblüte“ habe ich wieder Vertrauen in mich selbst und in das Pferd bekommen. Wer weiß, vielleicht wäre der Ausritt anders ausgegangen, wenn ich entweder die Reitstunde vorher gehabt hätte oder der Ausritt von einem geübten Reitlehrer begleitet wurden wäre.

Hat sich diese eine Woche Reiterferien für Florentine gelohnt?

Ich denke ja. Sie strahlt, hatte Spaß bei der Arbeit mit den Ponys und Pferden und konnte, wie wir dank des Protokolls des Reitabzeichens und des Rittführerscheines jetzt wissen, auf den unterschiedlichsten Pferden ihr Reitkönnen weiterentwickeln. Außerdem hat sie nun noch deutlicher als zuvor erfahren, wieviel Arbeit „drum herum“ zu tun ist, um das Hobby Reiten betreiben zu können.

Auf der anderen Seite: Aufgrund der sehr großen Altersspanne, verbunden mit sehr unterschiedlichen Reiterfahrungen war es für unsere Tochter nicht immer leicht, Abschluss zu finden. Viele der anderen Mädchen übernachteten zudem auf dem Hof. Am Ende hatte sie dann aber doch zwei Freundinnen, mit denen sie immer zusammensteckte.

Einen Punkt gibt es, den ich leider bemängeln muss und das ist der fehlende Ansprechpartner. Ich weiß bis heute nicht, wer tatsächlich für die Reiterferienkinder den Hut aufhatte. Wann immer ich eines der „Mädchen“ aus dem Team der Bernsteinreiter abgesprochen habe, weil ich die ein oder andere Frage hatte, hieß es immer nur „Ich bin für die Gruppe nicht zuständig“ oder „Da kann ich nicht weiterhelfen, ich bin nur mal kurz hier eingeteilt“.

Hier hätte ich mir einen zentralen Ansprechpartner gewünscht, der entweder früh beim Abgeben oder abends beim Abholen vor Ort ist, mal ein Feedback gibt und da ist, wenn man Fragen hat. Ich habe dann irgendwann aufgegeben, meine Fragen zu stellen.

Daten:

Adresse: Bernsteinreiter Erlebnisreiterhof, Neuklockenhäger Weg 1a, 18311 Ribnitz-Damgarten OT Hirschburg

Preise (beispielhaft):

Reiterferien in den Schulferien (6 Tage)
je Kind ohne Übernachtung: 300 €
je Kind mit Übernachtung und Vollverpflegung: 430 €
Reitabzeichen: zusätzlich 50 €

Tag im Pferdestall:
je Kind 55 Euro zzgl. 10 Euro Verpflegungsgeld

Einsteigerausritt Schritt-Trab:
Täglich 15 Uhr
60 Minuten für 45 Euro

Eintritt Pferdeshow:
Erwachsene: 20 Euro
Kinder: 10 Euro (Ponyreiten im Anschluss inklusive)

Did you like this? Share it:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*