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Rügen – die Insel des Störtebecker und der Kreidefelsen

Unsere diesjährige Urlaubs- bzw. Hochzeitsreise führte uns zu viert an die mecklenburgische Ostseeküste. Unser erstes Ziel war die Insel Rügen mit ihren Kreidefelsen und dem Mönchsgut.

Urlaub – das ist die Zeit, in der man zum Ausspannen eingespannt wird …
(Hans Söhnker)

 Zum Anfang gibt es ein paar kurze Fakten zum Thema Rügen

Rügen ist die größte deutsche Insel. Sie liegt vor der pommerschen Ostseeküste und gehört zum Land Mecklenburg-Vorpommern. Das „Tor“ zur Insel Rügen ist die Hansestadt Stralsund. Die Insel, durch Rügendamm und Rügenbrücke über den zwei Kilometer breiten Strelasund mit dem Festland verbunden, hat eine maximale Länge von 52 km (von Süd nach Nord), eine maximale Breite von 41 km im Süden und eine Fläche von 926 km².

2011 verlieh die UNESCO den Status des Weltkulturerbes aufgrund des für seinen gewaltigen Buchenbestandes und den Kreidefelsen bekannten Nationalpark Jasmund.

Rügen ist wegen seiner vielfältigen Landschaft, der Reet- und Bäderarchitektur sowie der langen, feinsandigen Badestrände ein beliebtes Urlaubsziel. Der lateinische und historische Name der Insel Rügen ist Rugia. Das Adjektiv für auf die Insel bezogenes ist rügisch, die Inselbewohner werden Rügener oder Rüganer genannt.

Ein wichtiges Tourismus- und Exportgut für Rügen ist die Kreide. Diese findet sich in vielen Wellnessprodukten wieder. Sie wird auch als „weißes Gold von Rügen“ bezeichnet. Auf Rügen beginnt die 2500 Kilometer lange Deutsche Alleenstraße. (Quelle: Wikipedia)

Und so waren unsere Tage auf Rügen:

26. September

Am frühen Morgen – es war so gegen 8 Uhr – starteten wir vier zu unserem ersten Urlaub als komplette Familie. Die Tage vorher waren mit Planungen, packen und anderen Vorbereitungen vergangen und trotzdem, wie es nun einmal so ist, hatten wir ein paar Kleinigkeiten vergessen.

Unser erstes Ziel war Berlin, hier legten wir im Bezirk Tegel bei einem sehr sympathischen Kiezbäcker einen Stopp ein. Waren wir doch hier mit lieben Freunden verabredet. Die Zeit verging viel zu schnell, wir haben geschwatzt und das leckere Essen genosse.

Dann war die Zeit aber auch schon wieder vorbei und es ging weiter nach Göhren auf Rügen, wo wir nach einer ereignislosen Fahrt gegen 17 Uhr angekommen sind.

Das Hotel „Berliner Bär“ ist nichts besonders, von außen schaut es schon sehr abgewohnt aus und auch innen in die Ausstattung nicht die neueste. Aber es ist sehr sauber und so kann man nicht wirklich meckern. Ein Kritikpunkt war die Aufbettung für die beiden angemeldeten Kinder. In der Reservierung habe ich angegeben das die Kinder 2 Jahre bzw. 3 Monate als sind. Da geht – meiner Meinung nach – eine Doppelstock-Aufbettung gar nicht. Zumal das obere Bett nicht durch ein Gitter oder ähnliches geschützt war.

Aber immerhin reagierten sie recht schnell und brachten ein Kinderbett. Mehr wäre in dieses recht kleine Zimmer nicht reingegangen. Da konnten wir froh sein, dass wir gutes Wetter in den nächsten Tagen hatten, sonst wären wir uns dort auf die Füße getreten.

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Bevor wir ins Hotelrestaurant zum gebuchten „Mönchsguter Fischmenü“ gehen wollten, musste ein Spaziergang sein. Ein wenig die Füße vertreten war kein Fehler und die kleine Maus wollte so gern an den Strand, obwohl sie gar nicht so recht wusste, was sie erwartet. Dann war sie natürlich total begeistert – ein großer Sandkasten und viel Wasser 🙂

Als es dann Zeit für das Abendessen war, waren wir ein wenig enttäuscht. Der Name „Mönchsguter Fischmenü“ täuscht komplett. Es gab kein Menü, sondern Büfett und so riesig wie erhofft war die Auswahl nicht. Aber es schmeckte und wir wurden satt – auch wenn wir auf andere Fischsorten und vielleicht auch etwas andere Zubereitungsarten als die üblichen gehofft hatten.

Nachdem beide Mäuse im Bett waren und friedlich schliefen, griffen wir noch nach unseren Büchern, gingen aber auch Beizeiten ins Bett.

27. September

Nach einer ruhigen Nacht – unsere Mäuse waren komplett fertig von der Fahrt – und einem guten Frühstück begann für uns der Tag.

Von unserem Ausgangsort Göhren aus fuhren wir nach Sassnitz. Denn gleich heute, am ersten richtigen Urlaubstag, sollte mein Wunsch in Erfüllung gehen: Eine Schiffsfahrt zu den Kreidefelsen von Rügen.

Meine Tante Ingrid und mein Onkel Jochen waren früher oft auf Rügen im Urlaub und haben von den Kreidefelsen erzählt und nun wollte ich, auch in Erinnerung an Jochen, die einmal mit eigenen Augen sehen.

Wir hätten auf unsere Rezeptionistin im Hotel hören sollen. Haben wir leider nicht und so landeten wir auf einem relativ kleinen Schiff, ich verglich es gedanklich mit einer Nussschale. Im Hafen lag es noch ruhig, auf der See war es jedoch sehr unruhig, so dass drei von vieren mit Übelkeit kämpften. Unsere Maus verlor den Kampf schließlich 🙁 und musste sich einmal richtig übergeben. Dann ging es ihr besser und wieder an Land wollte sie gleich ein Eis.

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Der Anblick der Kreidefelsen während der gesamten Fahrt war wunderschön. Ich genoss trotz der Umstände einen Teil der Fahrt wirklich sehr und konnte mich gar nicht satt sehen.

Wieder im Hafen angekommen gingen wir erstmal schnell zum Auto zurück. Zum einen um Tine umzuziehen, zum anderen um unsere Mägen wieder in Griff zu bekommen. Danach ging es noch mal zum Hafen, wo wir uns mit leckerem Fisch frisch vom Kutter stärkten. Bei mir gab es zum Beispiel das erste Mal Sprotten.

Von Sassnitz aus ging es dann wieder Richtung Göhren zurück. Natürlich mit diversen Zwischenstopps.

Gern schauen wir uns im Urlaub auch Orte mit besonderer Geschichte an. An der Ostküste von Rügen fällt einem da der Ort Prora ein, ein Ortsteil von Binz auf dem schmalen Landstreifen zwischen dem kleinen Jasmunder Bodden und der Ostsee.

Bekannt wurde der Ort durch den sogenannten Koloss von Prora, das erste durch die Nazis geplante und begonnene Kraft durch Freude (KdF) Seebad. 20.000 Personen sollten gleichzeitig hier Urlaub machen können, was durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges aber nie realisiert wurde.

Der 2,5km lange Komplex wurde später durch die NVA als Kaserne genutzt und hat eine dadurch sehr wechselhafte Geschichte hinter sich, um die sich heute viele Legenden und Geschichten ranken.

Nach 1990 wurde das freigegebene Gelände für vielerlei Seiten interessant. Die Geschichtsforschung hatte durch die zwei Epochen mit unterschiedlicher Nutzung viel Stoff, was heute zum Teil in den Museen dargestellt wird. Weiterhin gibt bzw. es eine große Jugendherberge. Neuerdings ist vor allem der Plan, die riesige Anlage für Ferien- und Eigentumswohnungen, sowie Hotels zu nutzen, wofür an einigen Stellen bereits der Umbau begonnen wurde.

Markus interessierte dieser Ort, da die schiere Größe, die Lage und die wechselhafte Geschichte eine besondere Faszination ausüben. Dass hier eine nicht nur Abriss, sondern immer neue Nutzung trotz der dunklen Vergangenheit, betrieben wird, finden wir beide beeindruckend.

Leider war das Anschauen des Museums nicht wirklich möglich – mit einem kleinen Kind das sich schnell langweilen kann, ist das eine Herausforderung, die wir nicht eingehen wollten. Zumal es schon später Nachmittag war und wir uns auch nicht die Zeit hätten nehmen können, die wir dafür vielleicht gebraucht hätten.

Der zweite Stopp auf dem Heimweg war Sellin. Hier bummelten wir zur Seebrücke, fuhren mit dem Lift nach unten und während Markus mit Florentine an den Strand ging und dort mit ihr im „Sandkasten“ spielte, blieb ich mit Max auf der Seebrücke. Mit Kinderwagen durch den Sand – das war nicht unbedingt so einfach. Aber da ich sowieso Kaffeedurst hatte, gönnte ich mir im gleichnamigen Restaurant auf der Brücke einen Cappuccino. Ob man mir angesehen hatte, das ich nur einen Kaffee wollte? Ich musste jedenfalls sehr viel Geduld aufbringen, bis ich bedient wurde, dann lies man mich ewig warten bis der Cappuccino vor mir stand und als ich dann bezahlen wollte …. Logisch: ich musste wieder ewig warten. Und das nicht etwa, weil das Restaurant voll war. Nein, viele Tische waren frei L für mich war das jedenfalls kein guter Service.

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Als die Sonne verschwand und es langsam Zeit für das Abendessen wurde, setzten wir uns ins Auto und fuhren zurück ins Hotel.

Dort liesen wir den Abend mit einem Abendbüffet im Restaurant, dem Schreiben von Ansichtskarten und ein paar Minuten Lesezeit ausklingen.

28. September

Der Tag begann für Florentine und mich mit einer Eisenbahnfahrt. Mit dem „Rasenden Roland“ sind wir vom Startpunkt Göhren aus nach Binz gefahren. Es war keine lange Fahrt – vielleicht eine halbe Stunde – aber wir zwei Mädels haben die Fahrt und die Zeit miteinander sehr genossen. Unsere beiden Männer sind währenddessen mit dem Auto nebenher gefahren, haben uns überholt um Bilder zu machen, wie wir winkend in den Bahnhof einfahren. Ein tolles Erlebnis für unsere kleine Maus.

In Binz angekommen waren wir erst einmal shoppen – auch das muss einmal sein – und sind dann mit dem Auto weiter nach Gingst gefahren. Ziel dort: der Rügenpark. Der Freizeit- und Miniaturenpark konnte uns auf ganzer Linie begeistern.

Wir Erwachsenen zahlten jeder 9,40 Euro Eintritt, unsere beiden Krümel durften kostenfrei rein. Unser erstes Ziel war die Parkeisenbahn „Emma“, die uns in 20 Minuten einmal durch den ganzen Park kutschierte, so dass wir uns einen groben Überblick verschaffen konnten.

Wieder aus Ausgangspunkt angekommen, packten wir beide Kinder in die Kinderwagen und erkundeten den Park noch einmal ganz ausführlich. Der Park ist eine Mischung aus Spiel, Spaß und staunen und so war für jeden etwas dabei. Während ich mir die Miniaturen ausschaute – ca. 100 Gebäude im Maßstab 1:25 – und viele davon auch fotografierte, hatte unsere Tochter den meisten Spaß an den Spielgeräten. Markus musste sich zerteilen – zwischen „ich schau mir was an“ und „ich tobe mit meiner Tochter“. Und er machte das fabelhaft. Wir alle hatten unseren Spaß, sogar ich lies mich überreden, eine der Fahrattraktionen auszuprobieren.

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Eine Stärkung musste natürlich auch sein, und so ließen wir uns im SB-Restaurant des Parks ein spätes Mittagessen schmecken.

Man kann hier getrost den ganzen Tag mit den Kindern verbringen. Nur langsam wurde es kühl, ungemütlich und außerdem drängte die Zeit.

Hatte ich doch für diesen Tag noch einen großen Wunsch und um den zu erfüllen, mussten wir uns ranhalten.

Auf dem Weg zum letzten Ziel des Jahres machten wir einen Mini-Abstecher nach Ralswieck und beschlossen bei der Durchfahrt des Ortes: Hier müssen wir unbedingt noch mal hin. Alleine schon um den Ort mal ganz in Ruhe zu erkunden, am liebsten aber mit einer Aufführung des Störtebeckers. Ob uns das mal gelingen wird.

Und dann waren wir schließlich am Ziel. Das kleine Örtchen Lietzkow lockte mich, gab es doch dort einen Bücherbahnhof. Klein, süß und mit gebrauchten Büchern – hier hatte ich ein wenig Zeit zu stöbern. Ich ging zwar nur mit zwei Büchern raus – eines für mich und eines für Oma – aber ich genoss die Zeit dort drin ganz für mich alleine. Markus kümmerte sich in der Zwischenzeit alleine um die beiden Mäuse.

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Wieder im Hotel angekommen blieb es beim abendlichen Rhythmus: Essen, Karten schreiben, etwas Lesen und dann schlafen.

29. September

Den letzten Tag auf Rügen teilten wir in zwei Teile. Den Vormittag verbrachten wir mit einer Eisenbahnfahrt. Diesmal zu viert ging es von Göhren aus bis zum Jagdschloss Granitz. Das Jagdschloss ist mit über 250.000 Besuchern jährlich das meistbesuchteste Schloss in Mecklenburg-Vorpommern.

Wir stiegen aus dem Zug aus und nahmen den Weg zum Schloss in Angriff. Hätte ich beim Aussteigen aus dem Zug gewusst, was auf uns zukommt, wäre ich glaube ich lieber sitzen geblieben, wäre weitergefahren.

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Noch 1 km bis zum Schloss, so zeigte eine Tafel die Entfernung an und eigentlich ist das nicht wirklich viel. Eigentlich. Denn wenn man einen steilen Weg, mit großem Kopfsteinpflaster bewältigen muss ist das eine Herausforderung. Wenn man dann noch zwei Kinderwagen dabei hat, ist es einfach nur die Hölle. Ich gebe zu, ich habe geflucht und geschimpft, während ich den einen Kinderwagen nach oben schob. Teilweise nur mit Schmerzen, war ich doch am Vorabend böse gestürzt und hatte bzw. habe Schmerzen im Ellenbogen, kam ich dann ganz außer Puste und weit nach Markus oben an. Dieser hatte die Zeit genutzt, das Schloss bereits einmal zu umrunden und Fotos zu machen … die er mir dann, neben einer friedlich schlafenden Florentine, präsentierte.

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Mir selber blieben nur etwa 15 Minuten oben – dann hieß es schon wieder zurück laufen, damit wir unseren Anschlusszug zurück nach Göhren bekommen würden. Das Museum anzuschauen fiel mit zwei Kindern sowieso aus – das ist gerade für Florentine viel zu langweilig. Noch dazu kommt, dass das Innere des Schlosses für Kinderwagen (und auch für Rollstuhlfahrer) nicht zugänglich ist.

Wieder zurück nach Göhren stiegen wir ins Auto und fuhren nach Rambin. Hier, bei der Insel-Brauerei, waren wir mit Albrecht und Liesbeth, Cousin und Cousine von Markus verabredet. Albrecht arbeite in der Insel-Brauerei als Brauer und hatte uns eine Führung und Verkostung versprochen.

Ehe es aber soweit war, machten wir in der angrenzenden „Alten Pommernkate“ eine Pause. Im dortigen Hofcafe liesen wir uns Kaffee und Kuchen schmecken, stöberten im Bauernmarkt und spielten mit Florentine auf dem Kinderspielplatz.

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Als Albrecht dann da war, konnte es also losgehen. In der Zeit von 10 bis 19 Uhr kann jeder Interessierte Besucher die Brauerei besichtigen und natürlich die leckeren und seltenen Biere verkosten. Unter fachkundiger und persönlicher Anleitung macht das natürlich noch viel mehr Spaß und Spaß kam tatsächlich nicht zur kurz.

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Wir hatten zur Hochzeit bereits einen Kasten der leckeren Inselbiere geschenkt bekommen, daher stand – auch wenn wir noch längst nicht alle Sorten verkostet hatten – mein Favorit schon fest. Und auch nach der tollen Verkostung hat sich nichts daran geändert.

Ich kann jedem Besucher diese Verkostung ans Herz legen – für 6 Euro kann man sich vier Sorten zum Verkosten aussuchen, wer mag kann für einen Aufpreis noch einen Snack dazu bekommen.

Abends im Hotel angekommen fielen nicht nur die Kinder todmüde in ihre Betten – auch wir zwei Großen waren fertig und gingen zeitig schlafen.

Schließlich stand am nächsten Morgen die Fahrt nach Usedom auf dem Plan.

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One thought on “Rügen – die Insel des Störtebecker und der Kreidefelsen

  1. Hallo Katja, ein schöner Urlaubsbericht.
    Zu Prora, eine vielseitige, auch interessante Geschichte.
    Und zur Info, auch in Erinnerung an Deinen Onkel Christoph, er war da 3 Jahre bei der NVA als Fallschirmspringer. Nun bin ich gespannt auf den Usedombericht.
    Viele Grüße
    Ursel

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