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Die fremde Spionin von Titus Müller

Mit seinem neuesten Werk, dem ersten Teil einer 3teiligen Reihe, widmet sich Titus Müller einer sehr interessanten, spannungsreichen und auch sehr wechselvollen Phase der deutschen Geschichte.

Die Hauptprotagonistin Ria lässt sich, da sie noch eine „Rechnung“ mit dem DDR-Regime offen hat, vom BND anwerben. Als Spionin für den Westen arbeitend werden aber die Stasi und der KGB sehr schnell auf sie aufmerksam und wird enttarnt.

Ich muss das Buch von zwei Seiten her beleuchten und bewerten, leicht macht es mir dabei der Autor nicht.

Da ist zum einen die Geschichte an sich, der historische Hintergrund. Hier muss ich sagen hat es Titus Müller geschafft, sein Wissen bzw. seine Recherchearbeit zu einem gekonnten Gebilde zu schmieden, im dem der Leser, wenn er denn will, viel über den Osten und den Westen Deutschlands lernen kann. Das fängt an bei der Stimmung auf beiden Seiten, dem Konsumüberfluss auf der einen und die Knappheit auf der anderen. Auf die Beeinflussung zum einen durch die Staatsmacht und die Nachrichtendienste auf der einen und der der Besatzer auf der anderen Seite. Wir reisen durch verschiedene Städte, erleben auch mit wie die Ostdeutschen bei einer Visumerteilung für Amsterdam behandelt werden. All das wirkt sehr stimmig, überlegt und macht Spaß zu Lesen.

Ich als „Zonenkind“, als „gelernter Ostbürger“ kann erst im Nachhinein sagen, dass wir nicht so reichlich Konsumgüter hatten und unsere Werbung nicht so bunt war wie im Westen. Aber das ist mir, ganz ehrlich gesagt, nicht aufgefallen. Hatte ich doch keinen Vergleich. Aus dem Grund ist die Geschichte auch eine Reise in die Vergangenheit – noch vor meiner Geburt aber dennoch sehr interessant und lernreich.

Dann kommen die Figuren des Buches und mit denen bin ich nicht so glücklich. Im Gewimmel der ganzen „Agenten“ aller Seiten, der handelnden Personen überhaupt habe ich teilweise den Überblick verloren. Nicht immer bleibt die Geschichte konzentriert bei Ria, sie schwenkt ab und verliert sich teilweise in Nebensächlichkeiten. Ihr Handeln ist teilweise total blauäugig und an den Haaren herbeigezogen, so dass diese Figur auf mich nicht glaubhaft wirkte, nicht glaubhaft wirken konnte. Man kann ihre Handlungsweise nicht immer nachvollziehen, es wirkt nicht stimmig, sondern aufgesetzt.

Am besten von allen hat mich noch die Figur des KGB Spion Sorokin gefallen. Seine Figur war sehr vielschichtig gearbeitet. Man fühlt seine Zerrissenheit förmlich und nimmt sie ihm auch ab. Er war für mich die am glaubhaftesten gestaltete Figur.

Nett fand ich die eingestreuten „Geschichten“ über Honecker und sein Kaninchen, über J.F. K. und seine Wasserski-laufende Gattin Jackie. Das sind Teile der Geschichte, an die ich denken werde.

Leider gelingt es dem Autor nicht, die Spannung des Buches – und die Geschichte hätte das hergegeben – kontinuierlich aufrecht zu erhalten. Wenn er Spannung aufgebaut hat fällt sie gefühlt im nächsten Augenblick in sich zusammen, da er sich in Nebensächlichkeiten verliert und dadurch dann leider auch den Fokus auf das wesentliche.

So schön die ganzen Berichte über das Leben in Ost und West, über all die damaligen Unterschiede ist: hier wäre weniger mehr gewesen und hätten der eigentlichen Geschichte gutgetan.

Von mir sind es diesmal nur 3 von 5 möglichen Sternen.

Daten:
Autor: Titus Müller
Titel: Die fremde Spionin
Herausgeber: Heyne Verlag (Juni 2021)
Broschiert:‎ 400 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3453441255

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