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Die Mutter des Satans von Claudia und Nadja Beinert

Im Martin Luther-Jahr hat Sylvia sich vorgenommen, einige Bücher zu dem Thema, das sie sehr interessiert, zu lesen. Angefangen hat sie mit dem Buch des Autoren-Duos Claudia und Nadja Beinert. Beide beschäftigten sich mit der Mutter, mit Margarethe Luther. Hier kommt ihre Meinung:

Inhalt:
1480 wird die junge Margarethe mit dem gleichaltrigen Hans Luder vermählt. Trotz der zunächst trostlosen Aussicht eines Lebens an der Seite eines Bergmannes ist die Ratsherrentochter 1483 über die Geburt ihres ersten Sohnes Martin sehr glücklich. Die Zeiten sind von Ablass, Aberglaube und Pest geprägt.

Meine Meinung:
Im Reformationsjahr, 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag, habe ich mir vorgenommen, etwas mehr über Martin Luther zu erfahren und da kommen mir die zahlreichen Buchveröffentlichung sehr entgegen.

Das Buch von Claudia und Nadja hat mich besonders neugierig gemacht, ein Lebensbericht aus Sicht der Mutter.

Für mich ist es das erste Buch aus den Federn der beiden Schwestern und ich muss sagen, ich bin begeistert und ärgere mich gleichzeitig, dass ich die bereits erschienen Bücher im Uta von Naumburg  noch immer nicht gelesen habe. Auch wundert es mich, dass wenn es um deutsche Autoren von historischen Romanen geht, nicht der Name Beinert genannt wird. Ich hoffe, dass ändert sich bald, denn wirklich gute fundierte historische Roman sind selten.

Doch nun zum Buch.
„Die Mutter des Satans“ wird aus 2 verschiedenen Blickwinkel erzählt. Den größten Anteil nimmt hier die Erzählung von Margarethe Luder, die Mutter des Satans, ein. Dieser Teil ist in der ich-Form gestaltet und bereits hier muss ich sagen, dass dies sehr gut gewählt ist, da man so die Gefühle und die Persönlichkeit beider noch besser erfährt.

Margarethes Weg führt von Eisenach über Eisleben nach Mansfeld. In Mansfeld hat Martin seine Kindertage und Jugendzeit verbracht. Mansfeld ist durch den Bergbau geprägt und durch die detaillierte Beschreibung wird erschreckend deutlich, wie verschmutzt die Luft damals durch die Aschepartikel gewesen sein muss. Eine traurige Umgebung. Bedingt durch die schwere Geburt ist Margarethe von Anfang an sehr herzlich im Umgang mit Martin, ihrem erstgeborenem Sohn. Das Leben zur damaligen Zeit ist sehr hart und mühsam. Margarethe ist oft auf sich allein gestellt und meistert dies ohne Murren. In ihrem Ehemann Hans hat sie keine große Hilfe zu erwarten und bekommt diese auch nicht.
Durch ihre Gedanken wird deutlich, wie sehr ihr Leben durch die Kirche geprägt ist und wie sehr die Kirche damals alles bestimmt hat. Zum Beispiel die Frage der Sünde und Ablassbriefe. Damals gab es wenig Geld und trotzdem hat man dann das wenige verwendet um sich vom Fegefeuer freizukaufen.
Das Martin sehr wissbegierig ist, dass konnte man schon zeitig erahnen und sein Hadern an hergebrachten Sichtweisen konnte man schon daran erkennen, wie er damit hadert, das er für etwas mit der Rute gezüchtigt wurde, obwohl er nichts gemacht hatte. Hierbei erhält er viel Zusprache durch seine Mutter, obwohl sie nicht alles gut heißt, wie zum Beispiel seine Entscheidung, dass Studium der Jurisprudenz abzubrechen und somit gegen das Gebot  zu verstoßen, seinen Eltern gehorsam zu sein. Das ist für Margarethe  besonders schwierig, da sie zwischen ihrem Ehemann und ihrem Sohn hin- und hergerissen ist. Denn was man das ganze Buch durch spürt, ist wie sehr Margarethe ihre Kinder liebt und wie stark sie ist, Mutterliebe ist für sie sehr wichtig.

Auch die Pest macht vor Mansfeld nicht galt und neben den zahlreichen Toten, schlägt auch das Schicksal unter Martins Geschwistern zu. Die Angst und Hoffnung wechseln sich ab und man spürt dies hautnah, so gut ist es beschrieben. Es wird auch deutlich, dass schon viel Wissen existierte, sich vor der Seuche zu schützen und das hier Kräuterwissen zum Tragen kam. Das Wissen um die Kräuter und ihre Wirkungsweise konnte jedoch den Hebammen und Kräuterkundigen zum Verhängnis werden, waren sie doch in den Augen der Kirche eine Gefahr. Nur weil sie den Geistlichen oder den Räten zu „mächtig“ wurden, sind sie mit den Behauptungen des „Hexenhammers“ denunziert worden.

Über die Zeit nach dem Thesenanschlag habe ich mir nie wirklich einen Kopf gemacht. Sicherlich ist mir Junker Jörg bekannt, doch ich habe nur nur darüber Gedanken gemacht, wie lang es gedauert hat, bis der neue Glaube nicht als Ketzerei abgetan wurde. Obwohl mir dies hätte klar sein müssen, wo grundsätzlich alles was neu bzw. anders ist, unheilvoll betrachtet wird. Sehr gut geschildert wird, wie die Familie damals beschimpft und für Unglücke verantwortlich gemacht wurde, so dass sie scheinbar allein in Mansfeld waren.

Der andere Blickwinkel wird aus Sicht von Lucas Cranach dem Älteren geschildert. Er möchte Porträts von Martins Eltern anfertigen und hat beim Porträtieren von Margarethe Schwierigkeiten, ihre Seele für das perfekte Porträt zu erreichen. Mit seinen Augen bekommt man nochmals einen anderen Blick auf die Familie der Luthers und erfährt nebenbei noch vieles zum Entstehen eines Bildes. Verrückt wie viele Schritte notwendig waren, um ein Bild von entsprechender Qualität, was Jahrhunderte überdauert, zu bekommen. Hierbei hat mir auch besonders gefallen, dass man dabei auch einen Einblick ins Leben einer Malerwerkstatt bekommen hat und so auch etwas Persönliches von Lucas Cranach erfährt.

Für mich ein sehr beeindrucktes Buch, was mich auch Tage nach Beendigung beschäftigt. Dieses sehr gut recherchierte Buch mit toller ausführlicher Nachbetrachtung erhält von mir die volle Anzahl an Sternen und meine klare Leseempfehlung im Jahr von 500 Jahre Reformation.

Daten:
Autor: Claudia und Nadja Beinert
Titel: Die Mutter des Satans
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Knaur HC (1. Februar 2017)
ISBN-13: 978-3426653838

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