Auf diesem Blog dreht es sich rund um Bücher, Rezensionen, Buchvorstellungen, Interviews und das Kochen von leckeren Speisen aus Topf und Pfanne.

Doppelinterview mit Iny und Elmar Lorentz

Mittlerweile ist es 9 Jahre her, dass ich mit meiner privaten „Schreibtätigkeit“ begonnen habe. Damals für ein kleines Autogramm-Magazin. Eine meiner ersten Tätigkeiten war ein Interview mit Iny und Elmar Lorentz. Seit dem ist viel Zeit vergangen und ein Treffen mit den beiden Ende des letzten Jahres bei einer Lesung hier in Dresden weckte bei mir den Wunsch nach einem weiteren Interview. Gesagt – getan: hier kommt es:

Katja: Es ist jetzt doch einige Jahre, seit ich im Jahr 2005 das letzte Interview mit Euch geführt habe. Ich glaube, wenn ich mich recht erinnere, war es sogar mein erstes Interview überhaupt. Was hat sich in den vergangenen 9 Jahren bei euch getan?

Iny und Elmar: Ziemlich viel. Damals waren wir gerade am Anfang unserer Karriere haben neben dem Schreiben noch in unseren alten Berufen gearbeitet. Damals war absolut nicht abzusehen, wie viel Erfolg wir haben würden. Mittlerweile sind allein bei Iny Lorentz mit allen Lizenzen über zehn Millionen Bücher über den Ladentisch gegangen. Auch wurden drei Wanderhurenromane und die Pilgerin verfilmt. Daran haben wir vor neun Jahren nicht einmal im Traum gedacht.

Katja: Warum schreibt ihr? Was animiert euch immer wieder aufs Neue, zu schreiben?

Iny und Elmar: Wir haben den Drang, Geschichten zu erzählen. Für uns ist das so wichtig wie essen und trinken. Wenn wir mal eine gewisse Zeit, sei es durch Krankheit oder Reisen, nicht dazu kommen, werden wir rasch kribbelig und denken uns neue Geschichten aus, die dann auf die große Liste mitgesetzt werden. So sind bis einschließlich der Erscheinungstermine 2017 alle Romanthemen bereits bestimmt und einige davon auch schon ausgearbeitet.

Katja: Ihr schreibt eure Bücher – wenn ich richtig informiert bin – größtenteils als Autorengespann. Was ist das Besondere daran, zu zweit ein Buch zu schreiben?

Iny und Elmar: Zu zweit hat man eine weitaus größere Spannbreite an Wissen und Ideen. Auch fällt es weitaus leichter, gemeinsam einen Romanstoff zu entwickeln. Wenn einer von uns bei der Arbeit an einem Roman nicht weiterkommt, kann er mit dem anderen darüber sprechen und uns fällt dann gemeinsam eine Lösung ein.

Katja: Kann man sich da ohne Probleme auf ein „Grundgerüst“ der Story einigen, oder kommt es durchaus mal vor, dass einer von euch andere Gedanken und Wünsche zum Werdegang der Geschichte hat? Wie einigt man sich?

Iny und Elmar: Wenn wir wirklich einmal unterschiedliche Ansätze vertreten, unterhalten wir uns intensiv darüber. Meistens fällt uns dann eine dritte, weitaus bessere Lösung ein.

Katja: Wie kann sich der Leser einen ganz normalen Arbeitstag bei Euch vorstellen? Arbeitet ihr zusammen in einem Raum? Oder habt ihr getrennte Arbeitszimmer?

Iny und Elmar: Wir arbeiten in zwei getrennten Zimmern. So stören wir uns nicht, wenn man das eine oder andere Mal doch einen Satz laut spricht, um zu fühlen, wie er sich anfühlt. Auch wäre es für Iny arg störend, wenn Elmar in Unterlagen blättert oder das Zimmer verlässt, um ein Sachbuch zu holen.

Katja: Die Schreibtische, an denen ihr arbeitet – sind die immer penibel aufgeräumt oder sieht man auch, dass da jemand dran sitzt und arbeitet? Steht oder liegt da ein Maskottchen oder ein Erinnerungsstück, dass ihr gern anschaut, wenn es mal nicht weiter gehen will?

Iny und Elmar: Elmars Schreitisch sieht schlimmer aus als der von Iny. Da türmen sich Notizen und Sachbücher um Bildschirm und Tastatur. Trotzdem würden wir Inys Schreibtisch nicht aufgeräumt nennen. Auch da liegt das eine oder andere drauf. Direkte Maskottchen haben wir nicht, aber ein paar hübsche Dinge, die uns gefallen.

Katja: Ihr habt früher, zu Beginn eurer „Schreibtätigkeit“ mit Geschichten für Fanzines angefangen. Habt ihr heute dafür noch Zeit? Oder reicht bei all eueren Schreibprojekten dafür die Zeit nicht mehr aus?

Iny und Elmar: Für Fanzines schreiben wir schon seit einigen Jahren nicht mehr. Das liegt vor allem daran, dass unsere Kontakte zur SF- und Fantasy-Szene im Lauf der Zeit stark abgenommen haben. Allerdings hätten wir jetzt auch kaum mehr die Zeit, etwas in dieser Art zu schreiben, so dass es von uns auch keinen Wunsch dazu gibt.

Katja: Im damaligen Interview habt ihr erzählt, dass ihr mehr Spaß daran habt, Geschichten mit weiblichen Hauptpersonen zu schreiben. Es liegt euch mehr, aber die Männer kommen in euren Geschichten auch nicht zu kurz. Hat sich daran etwas geändert oder ist es dabei geblieben?

Iny und Elmar: Bei Frauen kann den Leserinnen und Lesern weitaus mehr Konflikte aufzeigen als bei Männern, da diesen doch vieles von dem gestattet war, was Frauen verboten wurde. Auch kann man weitaus mehr in die Gefühle der weiblichen Protagonisten eingehen. Allerdings hatten wir in unseren Romanen auch bereits Männer als Hauptpersonen. So war Falko die Hauptperson bei ‚Töchter der Sünde‘ und bei unserer Texas-Reihe steht sowohl im ersten Band ‚Das goldene Ufer‘ wir auch bei ‚Der weiße Stern‘ mit Walther ein Mann im Vordergrund.

Katja: Wenn ich richtig gezählt habe, habt ihr beide unter insgesamt 8 Namen (dazu gehören u.a. Mara Volkers, Eric Maron und Nicola Marni) 40 Bücher geschrieben. Eine beeindruckende Bilanz. Wie kam es zu den verschiedenen Pseudonymen?

Iny und Elmar: Unsere Agentin sagt, jedes Genre und jeder Verlag verlangt ein eigenes Pseudonym. Wer Iny-Lorentz-Romane liest, erwartet einen entsprechenden Roman. Bekäme er hier statt eines historischen Themas einen Thriller oder Fantasy in die Hand, mit dem er persönlich überhaupt nichts anzufangen weiß, hätten wir einen Leser verloren. Verlorene Leser sind jedoch schlechter zurückzugewinnen als neue Leser für ein neues Genre zu finden.

Katja: An welchen Projekten arbeitetet ihr derzeit? Auf welche Bücher können wir Fans uns demnächst freuen?

Iny und Elmar: Im April 2014 erscheint mit ‚Der weiße Stern‘ der zweite von vier Bänden unserer Texasreihe und bringt weitere Abenteuer unserer Auswanderer Walther und Gisela Fichtner. Im Juni gibt es mit ‚Die Seelendiebin‘ einen Fantasyroman unter dem Pseudonym Sandra  Melli. Dieser Roman erzählt eine Geschichte aus einem sagenhaften China und liegt uns sehr am Herzen. Im September bringt das neue Iny-Lorentz Hardcover ein Wiedersehen mit einer lieben, alten Freundin und im Spätherbst erleben Laisa und Rogon ihre nächsten Abenteuer in den Dämmerlanden.

Katja: Wo kann man Euch in diesem Jahr live erleben? Seid ihr auf Buchmessen unterwegs und geht ihr auf Lesereise?

Iny und Elmar: Wir sind in Frankfurt auf der Buchmesse und sind auch bei mehreren Veranstaltungen anzutreffen. So kann man uns Ende April beim Homer-Treffen in Heidenheim erleben, ebenso Mitte Mai beim Delia-Treffen in Büsum. Am 29. Juni sind wir in Waldburg und Mitte September beim Literaturfest in Eltville. Es gibt auch heuer wieder mehrere Lesungen. Wo und wann wird derzeit gerade ausgehandelt.

Katja: Am 23. März findet der Welttag des Buches statt. Gelegenheit, Freunde oder Menschen im näheren Umfeld zum Lesen zu animieren. Warum sollte Eurer Meinung nach der Mensch lesen, zu Büchern greifen und warum sollten Kinder wie Erwachsene an das Lesen herangeführt werden?

Iny und Elmar: Lesen ist eine Kernkompetenz. Das beginnt bei der Kochanweisung auf den Packungen bis hin zu dicken Handbüchern. Wer nicht in der Lage ist, einen (längeren) Text zu lesen und zu begreifen, tut sich im Leben sehr schwer. Lesen ist etwas, das man trainieren muss. Also sollte man nicht nur zu einem Buch greifen, wenn man herausfinden will, wie dies oder jenes geht.

Katja: Wenn ihr zum Welttag des Buches 10 Bücher eines Titel – nicht eure eigenen – verschenken dürftet; welches Buch wäre das und warum gerade dieses?

Iny und Elmar: ‚Der Herr der Ringe‘. Er war mit ausschlaggebend, dass wir zum Fantasy-Fandom gekommen sind und uns dort kennengelernt haben.

Katja: Wie ihr mir ja schon einmal verraten habt, seid ihr ein Vielleser. Konzentriert ihr euch mehr auf Sachbücher für eure Recherchen zu euren eigenen Büchern. Erlaubt uns doch mal einen Blick auf Euren Nachttisch: welches Buch liegt da gerade zum Lesen bereit?

Iny und Elmar: Unsere Nachttische sind bücherfrei. Die Zeit vor dem Einschlafen reden wir miteinander, berichten, wie es über Tag beim Schreiben gegangen ist. Außerdem sprechen über aktuelle Themen und über das, was in den nächsten Tagen anliegt. Bei Elmar stimmt die Annahme mit den Sachbüchern. Er muss für jeden neuen Roman einiges an Recherchematerial lesen. In Inys Zimmer liegen jedoch viele Romane und warten darauf, gelesen zu werden.
Copyright Foto: Fotostudio Berger

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