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Hope Never Dies von Andrew Shaffer

Heute ist es soweit und alle Welt blickt einmal mehr in Richtung USA. Heute ist der Tag, an dem Donald Trump (zum Glück) entgültig aus dem Amt scheidet und Joe Biden das Ruder als 46. Präsident der Vereinigten Staaten übernimmt. An Donald Trump scheiden sich die Geister – ich werde jetzt hier kein politisches Statement abgeben. Aber sowohl Markus als auch ich hoffen und wünschen das es in den USA unter dem neuen Präsidenten ruhiger zugeht und wieder ein „normaler“ Ton Einzug hält. Wir beiden haben die bevorstehende Vereidung zum Anlass genommen und haben zwei Bücher zum „Thema“ gelesen. Welche Wahl Markus getroffen hat könnt ihr hier erfahren – was ich gelesen habe erfahrt ihr dann am Freitag.

Nach 8 Jahren als Vizepräsident der Vereinigten Staaten ist Joe Biden quasi im Ruhestand. Doch ihm ist langweilig und er vermisst Barack Obama. Die beiden waren ein super Team, findet Joe, und er sieht nicht ein, auf einmal auf dem Abstellgleis der Freundschaft zu stehen.

Eines Abends taucht Obama jedoch bei ihm im Garten auf und hat ihm eine traurige Nachricht zu überbringen. Die Lieblingsschaffner von Biden wurde tot aufgefunden – überfahren ausgerechnet von dem Zug, in dem er jahrelang Dienst tat und in welchem Joe Biden lange Zeit täglich nach D.C. fuhr (sein Spitzname „Amtrak-Joe“ ist keine Erfindung des Buchs). Doch es wird noch merkwürdiger, da der kurz vor der Pensionierung stehende Mann mit Drogen in Verbindung gebracht wird.

Joe kann das beim besten Willen nicht glauben. Als die Polizei nicht ermitteln will, beschließt er, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Eine turbulente und nicht selten völlig chaotische Ermittlung von Ex-Präsident und Ex-Vizepräsident beginnt.

Geschrieben aus der Sicht von Joe Biden lernt man viel von ihm. Er ist ein Weißer, dem die Hautfarbe wirklich egal ist. Er ist absolut uncool, weiß das auch und steht dazu. Er ist alt, gibt es allen Beteuerungen zum Trotz auch zu. Er hat seine Prinzipien und entscheidet aus dem Bauch heraus, nach bestem Wissen und Gewissen. Das alles bringt ihn nicht nur einmal in Schwierigkeiten.

Markige Sprüche „Ich bin so hungrig, ich könnte einer tieffliegenden Gans die Eier abbeißen.“, politische Statements „Ich hätte diesen kurzfingrigen Clown [Trump] mühelos geschlagen, Barack, …“ und Einblicke in die Denkweisen des Mannes, der nun selbst Präsident der USA werden wird.

Zum Zeitpunkt, als das Buch geschrieben wurde stand das noch nicht fest, doch man kann klar den Wunsch des Autors herauslesen, dass er es sich wünschte – er sollte Recht behalten. „Ich bin kein junger Hüpfer mehr, aber tot bin ich noch lange nicht.“ „Du wärst der älteste Präsidentschaftskandidat, den es in diesem Land je gab.“

Doch auch Joes Verehrung von Obama ist offensichtlich und allgegenwärtig „Fünf Minuten mit Barack genügen, und ein Atheist sang Kirchenlieder“, doch zum Ende zeigt sich, dass kein Mensch unfehlbar ist und auch der 44. Präsident seine Schwächen hat. Erkenntnisse hat auch Obama in diesem Buch „Die Wahrheit ist, dass ich gescheitert bin, Joe. Ich hatte meine acht Jahre. Wir konnten ein paar wenige Erfolge erzielen, aber selbst die werden gerade zunichtegemacht. […]“

Entgegen dem Klappentext ist das hier keine Typische Sherlock und Watson Konstellation. Joe Biden ist der Treiber, ist sich seiner Vehemenz nicht einmal bewusst. Obama übernimmt hier die Rolle des Sidekicks, der jünger, cooler und besser vernetzt ist – aber immer in der zweiten Reihe bleibt.

Die Geschichte ist ebenso untypisch aufgebaut, da die Ermittler hier eigentlich keine Ahnung haben, was sie machen. Skurrile Nebenfiguren runden das Bild ab und es ist lange nicht klar, wer hier was spielt. Eine große Packung Gesellschaftskritik rundet das ganze ab „Warum manche Männer nicht richtig zielen können, habe ich nie verstanden. Und die Hälfte davon hat zu Hause eine Handfeuerwaffe herumliegen – eine gruselige Vorstellung“.

Das ungewöhnliche Setting, die Hauptfigur mit Fehl und Tadel, die Geschichte, die einfach anders ist – für mich ist es eine klare Empfehlung. Ich habe dennoch eine Weile über die Punktevergabe nachgedacht. Durch zwischenzeitliche Längen wird es mit 4,5 von 5 aber ein mehr als respektables Ergebnis.

Daten:
Autor: Andrew Shaffer
Titel: Hope never Dies
Herausgeber: Droemer TB; 2. Edition (2. Dezember 2019)
Broschiert: 320 Seiten
ISBN: 978-3426307465

Originaltitel : Hope Never Dies

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